Der Dokumentarfilm „Elon Musk Uncovered – Das Tesla-Experiment“ nimmt zwei tödliche Unfälle mit Fahrzeugen des Elektroautoherstellers Tesla, Inc. zum Ausgangspunkt seiner Untersuchung. Einer ereignete sich in Mecklenburg-Vorpommern, der andere im US-Bundesstaat Florida. In beiden Fällen steht der Verdacht im Raum, dass ein Fehler im Autopilotsystem der Fahrzeuge eine Rolle gespielt haben könnte. Laut Film verweigerte das Unternehmen jedoch sowohl Stellungnahmen als auch die Herausgabe von Fahrzeugdaten, obwohl Teslas Autos normalerweise umfangreiche Fahrdaten aufzeichnen.
Ausgehend von diesen Fällen zeichnet der Film ein kritisches Bild der Unternehmenskultur bei Tesla. Ehemalige Mitarbeiter berichten von einem Arbeitsumfeld, in dem Hinweise auf technische Probleme nicht gern gesehen gewesen seien. Eine zentrale Rolle spielt dabei eine ehemalige Ingenieurin, die angibt, wegen entsprechender Kritik entlassen worden zu sein. Ergänzt wird dies durch eine Recherche des Handelsblatt über ein Datenleck beim Unternehmen. Parallel dazu skizziert der Film den öffentlichen Wandel von Elon Musk – vom gefeierten Tech-Visionär zu einer zunehmend polarisierenden politischen Figur. Dabei werden auch seine transhumanistischen Zukunftsvorstellungen und seine politische Nähe zum Umfeld von Donald Trump angerissen.
Ein kritischer Dokumentarfilm über Elon Musk scheint zunächst ein dankbarer Stoff. Kaum ein Unternehmer der Gegenwart bewegt sich so demonstrativ im Rampenlicht, kaum einer polarisiert derart stark. Doch gerade weil Musk seine öffentliche Rolle so offensiv inszeniert, bleibt das Innere seiner Unternehmen erstaunlich abgeschirmt. Die Erwartungen an einen investigativen Blick hinter diese Fassade sind entsprechend hoch.
Der aus Südtirol stammende Regisseur Andreas Pichler, der sich in den vergangenen Jahren mit politisch und ökonomisch motivierten Dokumentationen einen Namen gemacht hat, versucht genau diesen Blick zu liefern. Doch gerade hier liegt das Problem des Films: Seine Perspektive bleibt auffallend einseitig.
Die Stimmen, die im Film zu Wort kommen, zeichnen ein durchweg kritisches Bild von Tesla und seinem Gründer. Dass das Unternehmen auf Anfragen des Filmteams offenbar nicht reagierte, erklärt diese Schieflage zwar teilweise, löst sie jedoch nicht auf. Die Folge ist ein Film, der viele Vorwürfe formuliert, sie jedoch selten über Indizien hinaus erhärten kann.
Dabei berührt der Film durchaus relevante Fragen. Die These, dass Tesla öffentliche Straßen als Experimentierfeld für seine Assistenzsysteme nutzt, liegt angesichts der bekannten Strategie des Unternehmens zumindest nahe. Auch Musks politische Positionierungen und seine Nähe zum Lager um Donald Trump werden als mögliche Strategie gelesen, regulatorischen Druck zu mindern. All das sind plausible Überlegungen – doch Beweise jenseits bloßer Behauptungen dafür bleibt der Film schwierig.
Ähnlich verhält es sich mit den ideologischen Hintergründen, die der Film nur streift. Musks Interesse am Transhumanismus und seine Vision einer menschlichen Zukunft auf dem Mars werden zwar erwähnt, aber kaum vertieft. Statt einer ernsthaften Auseinandersetzung mit diesen Ideen bleiben sie Randnotizen.
So entsteht am Ende ein Dokumentarfilm, der zwar kritisch sein will, dabei jedoch selten über bekannte Narrative hinausgeht. Wer Elon Musk ohnehin skeptisch gegenübersteht, wird sich bestätigt fühlen. Wer hingegen auf neue Einsichten über den Unternehmer, seine Ideologie oder die Funktionsweise seiner Unternehmen hofft, wird wenig entdecken, was über bereits Bekanntes hinausweist.
Fazit: „Elon Musk Uncovered – Das Tesla-Experiment“ ist ein Film, der zwar viele kritische Fragen stellt, ihnen jedoch selten mit der nötigen analytischen Tiefe nachgeht. Die Auseinandersetzung mit Elon Musk und seinem Unternehmen Tesla, Inc. wirkt weniger wie eine investigative Enthüllung als wie eine Zusammenstellung bereits bekannter Vorwürfe. Wer Musk ohnehin skeptisch gegenübersteht, wird sich bestätigt fühlen – neue Einsichten liefert der Film jedoch kaum.