„What happened to you?“ – „In-laws.“
Die Fortsetzung des kleinen fiesen Actionhorrors von 2019 schließt trotz siebenjähriger Pause nahtlos an den ersten Teil an. Und zwar in bester HALLOWEEN II Manier: Mit einer blutüberströmten Braut (Samara Weaving), die ins Krankenhaus eingeliefert wird und dort zunächst im wahrsten Sinne ans Bett gefesselt ist – Mordverdacht. Doch diese vorgebliche Storyentwicklung ist nur angetäuscht.
Durch ihr Überleben der Hochzeitsnacht hat Grace nämlich blöderweise einen teuflischen Mechanismus in Gang gesetzt, der an die Mumbojumbo-Mythologie der JOHN WICK-Reihe erinnert: vergleichbar zu dessen „High Table“ steht hier der „High Seat“ auf dem Spiel und mehrere Clans treten an, den Thron des „Councils“ zu besetzen, der nun aus irgendwelchen Gründen zur Disposition steht. Denn dieser Hochstuhl ist kein Kindersitz, sondern irgendwie mit der Weltherrschaft verbunden. Und für Grace geht es natürlich wieder darum, die Nacht zu überleben. Verstärkung erhält sie diesmal unfreiwillig von ihrer entfremdeten Schwester Faith (Kathryn Newton, LISA FRANKENSTEIN, ABIGAIL) – eine vertane Chance, endlich mal Weaving-Lookalike Margot Robbie als ihre Schwester zu besetzen.
Die Gegenspielerfamilien präsentieren sich maximal klischeehaft, es sind allesamt reiche arrogante Arschlöcher mit unterschiedlichen Migrationsgeschichten. Über allen thront Patriarch Chester Danforth, allerdings in erster Linie in Form eines Ölgemäldes, Darsteller David Cronenberg hat hier persönlich nur einen Kurzauftritt. Dafür wird sein Anwalt von Genredauergast Elijah Wood gespielt und seine Tochter von Buffy herself, Sarah Michelle Gellar.
Das klingt alles recht spaßig, ist aber leider wenig spektakulär inszeniert. Vor allem, wenn man den Film mit dem fast zeitgleich angelaufenen wilden und fabelhaft choreographierten THEY WILL KILL YOU vergleicht, ist das hier alles doch ziemlich lahm. Die beiden „Running Gags“ des Films bestehen darin, dass a) die reichen Schnösel offenbar alle nicht wissen, wie man mit Schusswaffen umgeht und b) immer wieder Leute explodieren, weil sie sich nicht an die satanischen Regeln gehalten haben. Das ist wenig einfallsreich und ermüdet auf Dauer. Nett ist hingegen das geschwisterliche Bonding durch das permanente gemeinsame Fight & Flight-Erlebnis.
Fazit: Wenig origineller Actionthriller mit mäßigen Horrorelementen und einer Tournament-Besetzung, die man so einfach schon zu häufig gesehen hat. Der Inszenierung fehlen Esprit und Überraschungseffekte, das Finale ist zwar effektvoll, macht aber wenig Sinn. Kurzweilige Unterhaltung bietet READY OR NOT – HERE I COME schon (wenigstens im Vorspann wird der Titel ordentlich und ohne die marketingbedingte „2“ geschrieben), für etwas mehr Wumms sollte man in den Nachbarsaal zu THEY WILL KILL YOU wechseln.
6.5