Im Zusammenhang mit „1984“, wollte ich mir auch diesen britischen Science Fiction Film, der auf einem Roman von Ray Bradbury beruht, anschauen, hatte ich doch auch zu diesem Streifen nur gutes gehört.
Montag, ein junger Mann, lebt in einer ganz besonderen Welt, in der Bücher verboten sind. Es herrscht die Überzeugung, diese machen einen asozial, wodurch die Gesellschaft erheblichen Schaden nähme. Die Feuerwehr, bei der Montag arbeitet, hat nun die Aufgabe, Bücher zu verbrennen. Wird ihnen ein Verstoß gemeldet, schwärmen sie aus, suchen im betreffenden Haus alle Bücher zusammen und zünden diese an.
Eines Tages trifft Montag auf Clarisse, ein hübsches Mädchen, das seiner Frau zum Verwechseln ähnlich sieht. Sie fragt im Gespräch, ob er denn auch die Bücher kenne, die er verbrennt. Diese Frage beschäftigt Montag und so wirft er einen Blick in die Dinge, die er Tagtäglich den Flammen vorwirft. Damit beginnt bei ihm ein Umdenken, doch mit dem Lesen und dem Besitz von Büchern macht er sich auch strafbar.
Mit seiner Art ist „Fahrenheit 451“ beinah das Gegenteil von „1984“ (den ich zuvor gesehen hatte). Das liegt zum einen an der beschwingteren Art, aber auch an dem bunten Design, was zuweile etwas absonderlich wirkt. Trotz viel fröhlicher Atmosphäre, hat der Film eine ernste Aussage, die nachdenklich stimmen soll. Bücher sind ein wichtiges Gut, aus ihnen kann man vieles lernen und sie regen den Menschen zum Nachdenken an. Vertilgt man sie, geht einer Gesellschaft vieles verloren. Sie kann sogar ihre Identität einbüßen. Ray Bradburys Roman verdeutlicht das auf eindrucksvolle Weise und zeigt auch, was aus uns werden könnte, wenn das Fernsehen immer mehr Raum einnimmt. Zu was werden wir, wenn wir die Bücher nicht mehr hätten? Die Frage, wie man in einer solchen Gesellschaft denn mit der Tagespresse umgeht, ist witzig gelöst. Man macht sie einfach zu einer Art Comic, zu Bildern ohne Text, die eine Nachricht vermitteln. Sehr originell, ebenso wie die Tatsache, dass die Feuerwehr keine Brände löscht, sondern legt. Eine schöne Umkehrung, bei der das Wort „Feuer-Wehr“ aber Sinn verfälschend wird. Um einen Wiedererkennungswert zu geben, ist es jedoch gut so. Ebenfalls eine kleine Seltsamkeit stellt sich mir in der Tatsache, ein Buch auswendig zu lernen, dar. Ich stelle mir das unmöglich vor. Trotzdem kann ich mit der Sache gut leben, schließlich ist es Science Fiction. Ray Bradbury, der mit Ray Harryhausen sehr eng befreundet war, ist jedenfalls ein herrlicher Roman gelungen, der auch eine interessante Aussage transportiert.
Die visuelle Umsetzung der Geschichte oblag Francois Truffaut, einem Franzosen, der Anfang der 60er mit Jean-Luc Godard zusammenarbeitete und somit an der Nouvelle Vague - einer Stilrichtung des Französischen Kinos, die zu einem Umbruch in der Filmwelt führte – beteiligt war. Das waren die richtigen Vorraussetzungen und in meinen Augen ist die Inszenierung hervorragend gelungen. Set- und Kostümdesign spiegeln deutlich die Entstehungszeit (1966) wider, was eine besondere optische Note verleiht. Die futuristischen Dinge sind interessant, wie etwa die Hochbahn und die Videoleinwand, die auch als Lichtquelle genutzt werden kann. Aus heutiger sich wirkt einiges amüsant, doch dem Film gelingt es, seine Ernsthaftigkeit zu bewahren. In der deutschen Synchronisation scheint man zudem der Hauptfigur (Montag) einen österreichischen Akzent verpasst zu haben. Warum die Stimme dennoch so gut passt liegt wohl daran, dass es die eigentliche Stimme von Hauptdarsteller Oskar Werner ist. Er hat sich selbst gesprochen und daneben seine Rolle auch hervorragend gespielt. Sein Blick beim Fernsehtheaterspiel seiner Frau spricht Bände. Frau Linda wird übrigens verkörpert von Julie Christie, einer bekannten Darstellerin, die im Jahr zuvor in „Doktor Schiwago“ auftrat und mir in „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ sehr gefallen hat. Julie Christie ist in „Fahrenheit 451“ auch Clarisse, die das glatte Gegenteil zu ihrer Linda darstellt. Weitere erwähnenswerte Darsteller sind dann noch Cyril Cusack („1984“) als Captain und Anton Driffring („Der rote Schatten“) als Montags Kollege Fabian. Driffring ist übrigens auch noch in einer zweiten Rolle zu sehen. Er spielt witzigerweise eine alte Schachtel, in der Schule, ist da aber nur ganz kurz zu sehen.
Francois Truffaut erzählt Bradburys Geschichte in ansprechende Bilder gekleidet und bietet einige schöne Effekte auf. Die Pyrotechniker hatten einiges zu tun. Lachen musste ich bei der Feuerrutsche, der Stange, die man normalerweise nach unten rutscht. Hier funktioniert sie auch umgekehrt.
Die Schauspieler können ihre Rollen gut mit Leben füllen und Glaubhaft machen. Das Sahnehäubchen ist die Filmmusik von Bernard Hermann, der ja viel für Hammer arbeitete. Er komponierte einen Score, der verspielt klingt. Das passt wie die Faust aufs Auge und schmälert die Ernsthaftigkeit nicht.
Mir hat „Fahrenheit 451“ sehr gut gefallen und bis zum Schluss gefesselt. Mich freute es, dass die Geschichte einen tieferen Sinn hat und man nicht einfach oberflächliche SF sieht. Der Satz „Ihr lebt nicht, ihr schlagt bloß die Zeit tot“, regte zum Nachdenken an.