Review

kurz angerissen*

Unter Truffaut wird Ray Bradburys Dystopie zur ausstattungswütigen Hommage an analoge Medien. Der Wert der Literatur steht natürlich im Zentrum und wird in der Verbrennung von Scheiterhaufen aus Büchern greifbar gemacht, die Schattenbilder zur Zeit des Nationalsozialismus beschwören, aber auch altmodische Telefone und ein Feuerwehrauto im retro-futuristischen Design lassen Truffaut die Science Fiction gegen den Strich bürsten.

„Fahrenheit 451“ ist dabei eigentlich eine Antiphrasis für einen sehr kalten und nüchternen Film, obwohl er von grundlegend gutmütigen Menschen bevölkert ist, denen aber längst jeder Grund abhanden gekommen ist, für ihre Sache zu kämpfen. Auf die depressive Stimmung eicht bereits das famose Intro ein, in dem stakkatohaft auf Antennen gezoomt wird, während die üblichen Texteinblendungen vermieden und stattdessen die Credits in mündlicher Form roboterhaft vorgelesen werden.

In der Narration bleibt Truffaut letztlich zugänglicher als gedacht und wirft somit einen hohen Kontrast zur eher intellektualisierten Atmosphäre. Ein Sci-Fi-Klassiker voller Relikte, die in keiner Szene vergessen lassen, was da eigentlich in den Flammen zerstört wird. Den Film selbst machen sie mit all ihren Details außerdem zum Mehrfachsichten attraktiv.

*weitere Informationen: siehe Profil

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