Review

Designed to Kill. Mehr muss das Einsatzteam nicht wissen, als es sich unverhofft mit einer übermächtigen Maschine konfrontiert sieht, die kurzerhand aus einem Übungseinsatz einen Kampf auf Leben und Tod macht. Wo Afghanistan-Prolog und Einstieg in die Haupthandlung noch auf einen gewissen Realismus pochen, verwandelt sich „War Machine“ mitten im Testlauf für den Ernstfall so unverhofft in einen SciFi-Actionthriller, wie der futuristische Metallklotz von einer Sekunde zur nächsten ins Blickfeld der Einheit rückt und den Ersteindruck macht, als wäre er direkt aus Verhoevens „RoboCop“ einmarschiert, um ein wenig frische Luft zu atmen. 

Fortan verengt sich der Fokus völlig auf Stahl, Dampf und unwirtliches Gelände. Aus den Inspirationsquellen der 80er macht Patrick Hughes keinen Hehl; insbesondere „Predator“ erweist sich mal wieder als Idol, wenn es darum geht, dass eine Alien-Macht beim Auswärtsspiel auf der Erde der Heimmannschaft zeigt, wo der Frosch die Locken hat.

Wer infolgedessen auf ein originelles neues SciFi-Konzept hofft, kann die Erwartungen gleich an der Garderobe abgeben. Alleine das Produktionsland Australien hat letztes Jahr mit „Beast of War“ einen weiteren Kriegsactioner mit fast identischem Aufbau abgeliefert, bei dem sich eine Gruppe von Soldaten ebenfalls auf einen Gegner einstellen musste, den sie nicht auf der Rechnung hatte.

Wen schert aber die Originalität, wenn man im Gegenzug einen derart physischen, absolut gnadenlosen In-Your-Face-Überlebenskampf geliefert bekommt, der wahrlich keine Gefangenen macht. Ein überdimensionaler Scanner am Kopf des modularen Transformers scheint die Umgebung ausschließlich in Einsen und Nullen aufzuteilen und dementsprechend gefühlskalt zu richten. Wer da mittig in der Zielscheibe steht und vom ersten Laserstrahl sauber zerfetzt wird, kann sich wahrlich glücklich schätzen. So manchen Ranger trifft es wesentlich schlimmer. Und wen die Maschine nicht erwischt, dem gibt die Natur den Rest: Alleine eine aus erster Reihe inszenierte Rutschpartie einen Abhang hinunter ist dermaßen schmerzhaft eingefangen, dass man die Knochen im eigenen Leib zersplittern zu hören meint. Keine Frage: Wem die „Predator“-Originalreihe mit dem letztjährigen „Predator: Badlands“ so ein wenig der Bodenkontakt abhanden gekommen ist, der kann sich hier über die doppelte Portion Härte freuen.

Alan Ritchson, dessen Hauptfigur in der Einführung mit ausreichend Tiefe versehen wird, zieht die Nummer als störrischer Eigenbrötler dank seiner beeindruckenden Physis mühelos an sich, allerdings geraten seine Kameraden gemäß seiner eigenen Isoliertheit größtenteils zu gesichtslosem Opferfleisch. Jai Courtney, der eher einen besseren Cameo im Prolog hat, wurde offensichtlich hauptsächlich aus Marketing-Gründen gecastet (und vielleicht, weil er seit 2024 ohnehin ausschließlich Filme in seinem Heimatland gedreht hat); Esai Morales und Dennis Quaid verschmelzen durch ihre grimmigen Gesichtsausdrücke mit ihren Sergeant-Uniformen, bis nur noch ein R-Lee-Ermey-Phantombild zurückbleibt.

Die Effekte sind überwiegend glaubwürdig umgesetzt, auch weil die Macher ihre Grenzen kennen und das verfügbare Arsenal sinnvoll dosieren, so dass die Action weder zu sparsam noch zu überdreht wirkt. Sie lebt hauptsächlich von dem Kontrast aus Hi-Tech-Oberflächen und der australischen Natur, kann aber durch ihren Zyklus aus Scan-Vorgängen und Laserbeschüssen in gewissen Phasen des Films auch leicht repetitiv wirken. Ausgeglichen wird das durch eine rasante Verfolgungsjagd in einem gepanzerten Offroad-Fahrzeug und eine Hatz durch einen reißenden Strom, obwohl Letztere mit ihren Anleihen an den letzten „Jurassic World“-Eintrag zu den künstlicheren Momenten des Films gehört. Den Showdown kann man wiederum als eine Verbeugung vor James Camerons „Aliens“ betrachten; der Story-Rahmen wird mit dezenten Parallelen zu „Krieg der Welten“ abgerundet; Fortsetzung nicht ausgeschlossen.

Das militärische Pathos schäumt zwar besonders auf der Schlussgeraden mal wieder über wie ein unbeaufsichtigter Topf kochender Milch; Mit Blick auf die einfache, reaktionäre Mechanik des Inhalts bedeutet das jedoch auch keinen Stilbruch mehr und ist dahingehend zumindest aus Genre-Perspektive verschmerzbar. „War Machine“ ist somit als Netflix-Premiere tatsächlich nach all den halbgaren Versuchen der Marke „Atlas“ oder „Spectral“ eine faustdicke Überraschung der positiven Sorte.

Details
Ähnliche Filme