Review

War Machine

Kompromissloser und spannender Si-Fi-Actioner mit PREDATOR-Anleihen. Reacher-Star Alan Ritchson gibt mit stoischer Präsenz überzeugend den Combat-Arnold und lässt dem simplen Plot keine Luft, um negativ aufzufallen.

„Wenn es blutet, können wir es töten.“ Gut, so einfach wie Major „Dutch“ Schäfer hat es der Army Ranger Anwärter 81 nicht. Sein außerirdischer Widersacher ist eine stählerne Kampfmaschine, der selbst eine saftige Batterie Sprengladungen nichts anhaben kann. Für seine menschlichen Gegner gilt leider das Gegenteil. Mit unerbittlicher Präzision werden sie zunächst gescannt, dann anvisiert und schließlich so großkalibrig wie brutal ins Jenseits befördert. Da braucht es keine Tarnvorrichtung wie beim erwähnten Genre-Kumpel PREDATOR, dem er auch in Sachen Gnadenlosigkeit, Härte und Präzision durchaus ebenbürtig ist. Am Ende sind diese Kleinigkeiten aber trotzdem völlig egal, denn auch dieser extraterrestrische Jäger findet seinen Meister in einem stoischen Muskelberg, der ihm mit guter alter Handwerksarbeit zeigt, wo der Vorschlaghammer hängt.

Diese schmissige Haudrauf-Orgie hört auf den nicht minder schmissigen Namen WAR MACHINE, ein Titel, der nicht nur die gesamte Handlung umreißt, sondern auch gleich die beiden zentralen Kontrahenten. Das klingt simpel und das ist es auch, aber nicht im negativen Sinn, sofern man mit dem Actionkino der 80er und seinen bis heute mäandernden B-Variationen sympathisiert. Regisseur und Autor Patrick Hughes kennt sich mit beidem bestens aus, schließlich hat er die Fusionsparty EXPENDABLES 3 (2014) geschmissen. Vier allem in Sachen Härtegrad und Schlagzahl lässt er selige Stallone - und Schwarzenegger-Zeiten wieder aufleben. Für den äußerst zweckdienlichen Plot und den Combat-Superhelden gilt glücklicherweise dasselbe.

Alan Ritchson würde ein TERMINATOR-Reboot jedenfalls gut zu Gesicht und Figur stehen. Rein hypothetisch natürlich, denn das Franchise wurde praktisch terminiert. Dass er auch mehr als Steven Seagals Minenspiel beherrscht, ist ein nettes Zubrot, aber in WAR MACHINE kann er diesbezüglich ungeniert fasten. Schließlich gibt er einen (kriegs-)traumatisierten Einzelgänger, dessen einzig verbliebenes Lebensziel darin besteht, bei der Ausbildung in der härtesten Militärtruppe mindestens der USA die Ziellinie zu überschreiten. Teambuilding gehört dementsprechend nicht zu seinen Präferenzen, was neben den Vorgesetzten auch die potentiellen Ranger-Kameraden ein wenig verstört. Da er aber trotz knapp an der Höchstaltergrenze schrammend dem militärischen Jungvolk bei wirklich jeder Disziplin den Stecker zieht, bleibt er bis zum finalen Test im Rennen.

Bei diesem soll er erstmals als Teamleader führen, ein Schachzug, bei dem die Vorgesetzten des unbequemen Kandidaten meinen nur gewinnen zu könne, denn entweder werden sie Nummer 81 so endgültig los, oder haben einen neues Elite-Alphatier. Als Kenner der Materie- und vermutlich nicht nur als solcher - weiß man natürlich ganz genau, wie dieses vermeintliche Vabanquespiel ausgehen wird, aber wie man so schön sagt: der Weg ist das Ziel. Und dieser Weg ist gepflastert mit so viel Blut, Schweiß und Tränen, dass man 81 und seinen Mannen wider besseren Filmwissens gebannt die Daumen drückt. Denn der außerplanetarische Kampfroboter hetzt die Ranger-Anwärter durch einen gnadenlosen Parcours aus Steilhängen, Klippen, Stromschnellen und Wasserfällen, dass selbst der Predator ins Schwitzen geraten würde. Dementsprechend hoch ist der Blutzoll unter den Rekruten, zumal der mechanische Feind über ein kunterbuntes Waffenarsenal verfügt, das er mit beinahe kindlicher Freude vollumfänglich und gerne auch gleichzeitig einsetzt.

Die zerstörerische Wirkung dieses Dauerfeuers zeigt Hughes in überraschend drastischen und blutigen Bildern, zumindest für einen Streaming-Eventfilm. Auch dies eine Referenz an die zitierten Vorbilder, die bei ihren Kinoreleases sehr häufig mit einer 18er Freigabe geadelt wurden. Dieser grimmige Anstrich im Verbund mit der atemlos getakteten Jagdprämisse hebt WAR MACHINE wohltuend vom üblichen Action-Einerlei der Streaming-Anbieter ab und beschert dem geneigten Publikum eine vergnügliche Genre-Sause. Mancherorts wurde natürlich wieder an den (gut verteilten) pathetischen Momenten herum gemäkelt, aber erstens gehören diese zur DNA sehr vieler Militäreinheiten, zweitens befinden wir uns in einem existenziellen Bedrohungsszenario und drittens sind sie im Kontext des Films schlicht stimmig. Ein wenig schade ist es, dass das in den Trainingssequenzen eingeführte Personal so schnell und radikal ausgemerzt wird, auch gestandene Mimen wie Dennis Quaid und MI-Bad Guy Esai Morales kommen nicht über Edel-Support hinaus, dürfen aber zumindest auf Teil 2 hoffen.

Insgesamt überwiegen dennoch die Treffer. Fans von kompromissloser SiFi-Action können auf jeden Fall bedenkenlos einschalten. Szenario, Held und Widersacher sind zwar nicht innovativ, aber ultimativ auf den Punkt. Vor dem in vielerlei Hinsicht ähnlich gelagerten PREDATOR-Original muss er zwar die Hightech-Waffen strecken - eine zweite Ebene wie das dort verhandelte Vietnam-Trauma sucht man beispielsweise vergebens -, nur braucht es auch nicht gleich ein Meisterwerk um bestens zu unterhalten. Dass am Ende mal wieder die obligatorische potentielle Sequilitis ausgerufen wird, ist in diesem Fall kein Malus. Story und Held haben durchaus Ausdehnungs-Potential, schließlich tauschte einst auch der Predator die Naturkulisse erfolgreich gegen den Großstadtdschungel und sorgte für Verstärkung aus den eigenen Reihen. Nur der menschliche Protagonist sollte bleiben. Wer sollte War machines besser bekämpfen können als eine War Machine. Also spiel´s noch einmal, Alan. Für Dutch.

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