Jean Rollin, im allgemeinen für seine surrealen Vampirfilme bekannt, drehte 1980 den Film “La Nuit des Traquées / The Night Of The Hunted“.
Oberflächlich betrachtet ist der Film eher untypisch für den Franzosen. Bei genauem Hinsehen fallen allerdings die typischen Merkmale Jean Rollin’s auf: stimmige Bildsprache statt ausgefeilter Handlung, reichlich Nacktszenen, 70er Sleaze, etwas Blut und melancholische Romantik.
Inhalt:
Bei einer nächtlichen Autofahrt begegnet dem jungen Robert die verwirrte, nur mit einem Nachthemd bekleidete Elisabeth (Brigitte Lahaie). Sie erzählt ihm, dass sie verfolgt wird, doch warum man sie verfolgt, daran kann sie sich nicht mehr erinnern. Da sich Elisabeth nicht einmal mehr an ihre Wohnung erinnern kann, bietet ihr Robert an, bei ihm zu bleiben. Robert bemerkt, dass es sich bei Elisabeth's vergeßlichkeit nicht mehr um eine normale Amnesie handelt. Am nächsten Tag tauchen in Robert's Wohnung der mysteriöse Dr. Francis (Bernard Papineau) nebst seiner Assistentin Solange (Rachel Mhas) auf um Elisabeth wieder zurück zu bringen. Zurück, das heißt, in ein Hochhauskomplex zu gehen, in dem Dr. Francis weitere Menschen ohne Erinnerung “behandelt“. Im Hochhauskomplex angekommen, wird Elisabeth zusammen mit einer jungen Frau in einem Zimmer einquartiert. Das Leben im Gebäude verläuft träge und stumpfsinnig. Die Menschen vegetieren vor sich hin, einer der Pfleger vergewaltigt sogar eine der Frauen (nicht ohne Folgen). Elisabeth beschließt mit einer weiteren Patientin zu fliehen, da sie noch einen Zettel mit Robert‘s Telefonnummer bei sich hat, bittet sie ihn um Hilfe. Robert verspricht ihr, sie sofort abzuholen und in Sicherheit zu bringen.Nachdem Robert das Gebäude gefunden hat, versuchen beide gemeinsam zu fliehen, doch Dr. Francis kann es sich nicht erlauben, dass das von der Regierung geheim gehaltene Projekt der Öffentlichkeit preis gegeben wird. Auf ein Happyend hat Rollin selbstverständlich verzichtet. „La Nuit des Traquées“ erinnert visuell stellenweise an die Filme Jacques Rivette‘s der 70er (Unsterbliches Duell, Merry-Go-Round).Das Gebäude sowie die Stadt in der “La Nuit des Traquées” vorwiegend spielen (gedreht wurde hauptsächlich in modernen Bürogebäuden nach Dienstschluss und viel mehr als karge Trabantenstädte bekommt man praktisch nicht zu sehen), strahlen eine nüchterne und sterile Atmosphäre aus. Wer eine Abneigung gegen die Trabantenstädte der 70er und deren Betoncharme hat und von Rollin hauptsächlich Vampir / Gothic-Horror gewohnt ist, wird ziemlich enttäuscht sein. Für Liebhaber trostloser, nüchterner Filme ist Jean Rollin‘s Werk absolut empfehlenswert (und von wegen langweilig, Rollin‘s „Pestizide“ konnte längst nicht so viele Pluspunkte bei mir einsammeln wie „La Nuit des Traquées“).
Der Soundtrack besteht teilweise aus unterkühlten Synthesizerklängen, die nichts mit dem Synthie-Score aus “Pestizide” gemeinsam haben.
Die amerikanische DVD von Redemption ist optisch ziemlich schwach gehalten. Auch die Ausstattung ist bescheiden: neben dem Hauptfilm in französisch (Mono) mit englischen Untertiteln, wird einem noch der Trailer sowie eine dürftige Photogalerie spendiert. Mehr gibt’s leider nicht !