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Im Jahr 1998 schoss Michael Bay ein Team von Ölbohrexperten ins All, um die Erde zu retten. Wenn im Jahr 2026 also die Macher von THE LEGO MOVIE und ACROSS THE SPIDER-VERSE einen Biolehrer in den Weltraum ballern, um denselben Job zu erledigen, erscheint das eigentlich vergleichsweise realistisch. 

Aber um Realismus geht es PROJECT HAIL MARY gar nicht, auch wenn die Verfilmung von Andy Weirs vorigem Roman THE MARTIAN zumindest mit Hard SciFi liebäugelte. Hier bekommen wir jetzt Stein-Aliens. 

Das sollte eigentlich eine Überraschung sein, aber leider haben uns die Trailer diese Storyentwicklung vorab schon so penetrant um die Ohren gehauen, dass sich kaum jemand mehr wundern wird, wenn AstroNOT Ryan „Grace“ Gosling plötzlich eine Begegnung der dritten Art hat. Schließlich macht der Buddy-Comedy-Aspekt einen Großteil und auch den größten Reiz des Films aus. 

Adaptiert wurde Weirs Roman wie auch schon THE MARTIAN von Drew Goddard, der ein paar Drehbücher für die Ewigkeit geschrieben hat (u. a. die BUFFY THE VAMPIRE SLAYER Serie, LOST, CLOVERFIELD, THE CABIN IN THE WOODS), bei dessen Storys man aber einiges an „Suspension of Disbelief“ mitbringen muss, um richtig Spaß zu haben (siehe dazu vor allem seine aktuelle Serie HIGH POTENTIAL auf Disney+). 

Hier sollen wir also glauben, dass von Hunderten Wissenschaftlern ausgerechnet der chaotische und autoritätsverweigernde Makrobiologe Ryland Grace in der Lage sein soll, auf einem fernen Planeten herauszufinden, was es mit den winzigen Organismen auf sich hat, die langsam alle Planeten zerfressen, inklusive unserer Sonne. Unrealistischer ist eigentlich nur noch, dass Grace nach seinem „First Contact“ in Rekordzeit in der Lage ist, sich mit dem netten Steinalien „Rocky“ zu verständigen. 

Natürlich fänden sich noch viele weitere Kritikpunkte, Sandra Hüller kann zwar (trockene) Comedy, wirkt hier in diesem glatten US-Blockbuster allerdings doch etwas fehlbesetzt, Daniel Pemberton dreht seine Musik manchmal unangenehm auf maximalen Kitschfaktor und es gibt viel zu viele dramatische Rettingsaktionen. Mit über zweieinhalb Stunden ist der Film mindestens eine Viertelstunde zu lang. 

Aber hey, bei der Stimmauswahl von „Rockys“ KI-Übersetzung gibt es ein Cameo einer weltbekannten Schauspielerin, Sandra Hüller singt bei der Karaoke-Abschiedsparty Harry Styles mit Gänsehautgarantie, Ryan Gosling trägt witzige T-Shirts und der Weltraum sieht manchmal aus wie bei Kubricks 2001. Was will man mehr? Wer sich einfach mal wieder für eine Weile in fremde Welten entführen lassen und das Gehirn abschalten will, ist hier herzlich willkommen. 

Und eines muss man dem Film gerade in diesen Zeiten hoch anrechnen: PROJECT HAIL MARY schafft es, aus einem Weltuntergangsszenario ein absolutes Feelgoodmovie zu zaubern. Und das ist doch auch was wert. 

7.5/10

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