Review

Farbe, Freundschaft, Fliegen

Das Buch war schon ein weltweiter Renner, der deutlich mehr Mysterien, Wendungen und Überraschungen geheimgehalten hat, sein Marketing etwas cleverer, mutiger und feiner durchgezogen hat als seine Verfilmung. Doch nun kommt eben dieser dazugehörige und relativ heiß erwartete Kinoblockbuster „Project Hail Mary“ mit u.a. Ryan Gosling und Sandra Hüller, von den „Lego Movie“-Machern, dessen verschiedenste Trailer wie gesagt schon deutlich mehr der Handlung verraten haben - was jedoch nahezu nichts von seinem enormen Massenappeal, Unterhaltungswert und seinen gerade momentan mehr denn je benötigten Qualitäten nimmt! Hoffnung, Hilfsbereitschaft, Heilung. Über einen maximal verwirrten Lehrer, der sich ohne allzu viele Erinnerungen am Rande des Universums in einem Spaceshuttle wiederfindet und der die letzte Hoffnung der Menschheit zu sein scheint, da unsere Sonne durch fremde Mikroorganismen langsam „weggefressen“ bzw. gedimmt wird… 

(K)Ein steiniger Weg

Die Bromance der Dekade? Publikumsliebling und Publikumsmagnet? Einer der besten Sci-Fi-Filme seit Ewigkeiten aus Hollywood? Sandra Hüllers Traumfabrikdurchbruch? Ja, ja, ja und verdammt nochmal ja! „Project Hail Mary“ ist jetzt schon einer der lohnenswertesten Blockbuster des Kinojahres, ein weiterer Beweis, dass Ryan Gosling ein echter Star ist, diese ganz spezielle Aura besitzt, einen Film tragen kann und vor allem zu einem der hoffnungsvolleren, emotionaleren und simpel-zugänglichsten Kinoerlebnisse seit langer Zeit beiträgt. Mainstreamig und in gewisser Weise altmodisch, definitiv - aber in super gut, herzlich und sinnvoll! Optimistisch, etwas naiv, massiv unterhaltsam. Mit einer der besten Trefferquoten bei den Jokes, die ich seit langem gesehen und im Kino gespürt habe. Mit einem sehr durchdachten Pacing. Sandra Hüller als brillanter, trockenhumoriger, deutscher Gegenpol zu Gosling. Mit einem der besten Sidekicks aller Zeiten, jetzt schon. Eigentlich viel mehr als ein Sidekick. Mit einigen coolen Songs und Scoregänsehautmomenten. Mit einer geschickten Aufteilung und Darstellung seiner zwei Zeitebenen. Mit einer mutigen und bunten (!) Optik des Weltraums, fremder Planeten und fremden Techniken. Die Art von Film, die Steven Spielberg mittlerweile vorab in seinem Privatkino allein und bedächtig guckt, um dabei melancholisch an alte Zeiten und seine alten Werke, Qualitäten, magischen Momente zu denken. Er wird Lord und Miller definitiv gratulieren und danken. Das ist schon gehörig Kinozauber! Ein Regenbogen, ein Hoffnungsschimmer. Seelenbalsam und weltweite Kooperation. Wunschdenken und Wahrheit. Das Gegenteil von Pessimismus, Schwarzmalerei, Spaltung, Verkopfung, Politisierung und negativen Gedanken, die die Welt momentan an den Abgrund treiben. Das tut einfach gut. Selbst wenn es sich „Project Hail Mary“ sicher technisch, wissenschaftlich, logisch und auch vom Spannungsbogen bzw. der Fallhöhe überraschend einfach macht und einige „Abkürzungen“ nimmt, ich ein paar „Zugaben“ im letzten Viertel nicht unbedingt gebraucht hätte - nichts davon trübt meine Laune, meine Begeisterung für ihn und meine Bewunderung seiner glasklaren Haltung, Richtung, Konzeption und Stimmung. Er hat mich genau auf dem richtigen Fuß erwischt. Ein Hit mit Ansage. Ein Volltreffer zehn Lichtjahre von zuhause entfernt. Einer der Filme des Jahres. Einfach und gut. Er steht auf den Schultern von Giganten und zitiert diese auch mehr oder weniger deutlich - Kubrick, Villeneuve, Spielberg, Cuarón, „The Martian“ als Bruderwerk - und macht das Beste und sein eigenes Ding draus! 

Einladender Eskapismus

Fazit: Einer der hoffnungsvollsten, leichtesten und unterhaltsamsten Sci-Fi-Blockbuster unserer Zeit… Wenig Anspruch, viel Unterhaltung. Einfach eine gute Popcornparty und Auszeit! Happy happy happy! 

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