Der brasilianische Regisseur Pedro Morelli folgt mit vorliegendem Spin-off seiner eigenen Fernsehserie „Irmandade“, bei der er von 2019 bis 2022 Regie führte. Zwar funktioniert der Action-Thriller als eigenständiges Werk, doch womöglich hilft es bei einigen unterentwickelten Aspekten der Geschichte, die Serie gesichtet zu haben.
São Paulo: Da einige Köpfe der Terrororganisation Bruderschaft in Hochsicherheitsgefängnisse verlegt werden sollen, zetteln sie eine aggressive Revolte an, welche die Stadt ins Chaos stürzt. Just zu jener Zeit entführen korrupte Polizisten die 18jährige Elisa, deren Tante Cris der Organisation angehört. Um ihre Nichte aufzuspüren, beginnt eine Hatz durch die Stadt…
Morelli zeichnet ein düsteres Bild einer Stadt, in der die Grenzen zwischen Gut und Böse längst verschwommen sind. Terroristen ballern auf Polizisten, jene erschießen auch mal vermeintliche verdächtige Zivilisten und mittendrin die unbescholtene Elisa und ihre Tante, welche im Gegensatz zu ihren männlichen Pendants auf Gewalt zu verzichten sucht und als Anwältin mit Kontakten zur Justiz eher diplomatische Wege bevorzugt.
Die Action lässt indes nicht lange warten und entwickelt sogleich eine effektive Dynamik, unterstützt durch lange Takes, einige Nahaufnahmen und eine stets versierte Kamera innerhalb chaotischer Verhältnisse. Etwa, als ein Polizeirevier unter Beschuss gerät, während ein Cop mit seiner hochschwangeren Frau aus dem Gebäude zu fliehen versucht, Autos explodieren und Busse in Brand gesteckt werden. Eine einnehmende Intensität, die sich leider nur bedingt auf einige der Figuren übertragen lässt.
Im Kern agieren zwei starke Frauen, wogegen die männlichen Charaktere komplett unterentwickelt bleiben. Seien es dubios handelnde Polizisten oder bestimmende Köpfe der Terrororganisation, bei denen diverse Machtverhältnisse nie so ganz klar werden. Auch ein ausgiebiger Flashback zu Elisas Vater bringt nur bedingt etwas, sie erdet allenfalls ihren eigenen Werdegang und ihre Einstellung gegenüber Gewalt im Allgemeinen.
Während also einige Punkte der Erzählung etwas holprig daher kommen, fokussiert sich das Geschehen im letzten Drittel auf die Entführung, womit der Stoff wieder alles richtig macht. Erneut kommen atmosphärische Kulissen zum Tragen, wobei eine längere Verfolgung in einem verwaisten Bahnhofsgelände stark und gleichermaßen spannend in Szene gesetzt ist.
Zudem schließt sich final der Kreis, indem fast beiläufig auf einen Subplot zurückgegriffen wird, welcher nach dem Einstieg beinahe vergessen scheint.
Durchweg überzeugende Darstellerleistungen, ein grundsolides Handwerk und ein insgesamt flottes Tempo bilden einnehmende Punkte, die den Streifen auf der Habenseite verbuchen kann. Demgegenüber nehmen einige Szenen den Drive heraus und bleiben zu oberflächlich, um tiefer in die Materie einzudringen. Dennoch unterm Strich ein kurzweiliger Genrebeitrag, der vielleicht sogar dazu einlädt, die dazugehörige Serie zu sichten.
6,5 von 10