Raid on Rommel ist in erster Linie Geldschneiderei und dann erst Film. Bestehendes Material aus Arthur Hillers Tobruk [ 1967 ] wurde noch einmal verwendet; herum ein passendes Skript mit neuem Rahmen gebastelt. Nun kennt man dies zwar zur Genüge aus dem asiatischen Raum, speziell natürlich von IFD Films and Arts Limited und Filmark, aber hierbei geben sich mit Regisseur Henry Hathaway und Darsteller Richard Burton immerhin zwei grosse, anerkannte Namen sowie das Universal Studio für diese Diabolik her. Das prinzipienlose Spiel der Täuschung und Verstellung und die niedere Machart dessen sorgt für ein eigenartiges Spannungsverhältnis von Faszination und Abscheu beim baldig abgeschreckten Zuschauer.
Tobruk folgte direkt im Fahrwasser des von Die Kanonen von Navarone ausgelösten Trends um nervenzerreissende, hochspannende Himmelfahrtkommandos und befindet sich dabei in sehr guter Gesellschaft. In den 60ern wurde derlei Erzählung in seiner Struktur perfektioniert. Der Weg über Das Dreckige Dutzend, Agenten sterben einsam, Katanga, Kanonen für Cordoba, Ein dreckiger Haufen und Zu spät für Helden - Antreten zum Verrecken sorgte für eine Abfolge von publikumsanziehenden Starvehikeln, die Action mit Thrill und Pompösität mit Gewalt verbanden; Ende der 70er sollte die Formel noch einmal mit Der Adler ist gelandet und Die Wildgänse kommen durchschlagenden Erfolg haben.
Kraftvoll und überzeugend war Tobruk auch. Allerdings nur durch seine Darsteller Rock Hudson und George Peppard und im wirklich effektiven Finale, dass dann auch endlich alle Register von Explosionen, Flammenmeer und Schiessereien aufzeigte. Die Sequenz kommt hierbei natürlich auch vor, kann man sich ja auch gar nicht entgehen lassen. Also steht ebenfalls im Skript als Ziel fest, dass man die Küstenbatterien bei Tobruk unschädlich machen will, damit die britischen Schiffe ungestört von See entern können. Libyen ist im Jahre 1943 nämlich unter Kontrolle von Generalfeldmarschall Erwin Rommel [ Wolfgang Preiss ], der mit seinen Panzern den deutschen Vormarsch in Nordafrika vorantreibt und die Briten in verzweifelte Lage bringt.
Capt. Alex Foster [ Richard Burton ] vom britischen Geheimdienst soll etwas dagegen tun.
Dazu muss er sich zuerst als Kranker in einen deutschen Gefangenentransport schmuggeln, um diesen dann per getimten Fliegerangriff als Ablenkung zu übernehmen. Findet dort allerdings nur eine Sanitätseinheit statt dem 5ten Kommando als Verstärkung vor. [Im Original war es eine aus jüdischen Emigranten bestehende Spezialtruppe unter britischem Kommando.]
Die Voraussetzungen für einen in die vorgegebene Linie passenden Nachfolger wären demzufolge da; Ziel und der Weg dahin sind gemäß den Erwartungen und Anforderungen des Subgenres konstruiert und in ihrer mechanischen Notwendigkeit so blöde nicht. Man hält die Episoden der zergliederten Handlungsstruktur knapp, kümmert sich aus gutem Grunde gar nicht um Vorgeschichte und Charakteristika und packt stattdessen genug Stolpersteine in den sandigen Weg. Nach der gelungenen Übernahme steht man vor dem Problem, dass man aus den Medizinern - unter denen sich auch streng pazifistische Quäker befinden - schlecht im Handumdrehen einen speziell versierten Kampftrupp bilden kann. Man muss die entnervende italienische Geliebte eines Mussolini - Generals beibehalten, da sie in den Frachtpapieren steht und man noch genug Passierscheine vorzulegen hat. Mitten in der Wüste stösst man auf zwei volle Panzerdivisionen von Rommel und möchte gerne auch deren verstecktes Treibstoffdepot ausschalten, bevor es dann endgültig an die Küste geht.
Scheitern tut der Film nicht daran, dass altes und neues Material keine Verbindung eingehen; im Gegenteil. Die vier Jahre Unterschied in der Herstellungszeit haben keine Auswirkung auf eine Differenz; Cutter Gene Palmer hat keine Mühe, die jeweils unterschiedlichen Quellen an Action-, Fahrt- und Dialogszenen durch enge thematische und stimmungsmässige Verbindung aneinander anzupassen. Wenn man es nicht wüsste bzw. Tobruk nicht kennen würde, würde man dem Schmuh auch so schnell nicht auf die Schliche kommen; es wurde relativ saubere Arbeit geleistet und auch darauf geachtet, die Wirkung der Ursache anzugleichen und umgekehrt.
Das Problem ist nur, dass Hathaway und sein scheinbar notdürftig zusammengestoppeltes Team nur eine Drehzeit von drei Wochen und zwei Tagen zur Verfügung hatte, sich höchstwahrscheinlich ihrer niederen Aufgabe bewusst waren und aus San Felipe, Baja California Norte in Mexico nur mit Zelluloidverschwendung wiederkamen.
Teilweise selbst als Kontrastfolie so schlecht, dass man fast sich nach den italienischen Vertretern von Castellari, Lenzi und Klimovsky usw. sehnt. Kein Vergleich zu Hathaways Rommel, der Wüstenfuchs, den er 1951 als leicht verklärende, aber imposante Biographie mit James Mason in der Titelrolle schuf.
Was trieb die Prominenz nun zu einem derartigen Verhalten ? Bei Burton ist es klar. Die Herausforderung, er sah darin eine Art von Rugbymatch. Und das Geld. "Wenn der Film auch nur ein mitelmässiges Einspielergebnis hat, werde ich mindestens eine Million Dollar einsammeln. Ich könnte sogar eine Million Pfund verdienen. Für zwanzig Tage Arbeit. Es ist moralisch unhaltbar." [ Melvyn Bragg, Sally Burton: Richard Burton. Die Biographie. Paul Neff, Wien 1988, ISBN 3-7014-0268-X (OT: Rich, the Life of Richard Burton) ]
Dafür muss er auch einige Strapazen auf sich nehmen. San Felipe ist eine Kleinststadt. Hat eine Durchschnittstemperatur von 45°, es ist Hurrikanzeit, alles verschwindet unter Sand und Schweiss. Hathaway herrscht seine Kleindarsteller an. Burton stellt sich dem als Einziger entgegen.
Filmisch ebenfalls eine Katastrophe. Eine stetige Abnahme der handwerklichen Beherrschung der dramatischen Kunstmittel.
Es sieht aus, als wenn man immer nur den ersten shot genommen hat; dabei lässt man bis zu 57x neu anfangen. Nichts mehr mit der Planung, die Beimischung schnell wie einen Stummfilm abzudrehen. Eine glaubhafte Darstellung kommt trotzdem nicht heraus. Sämtliche Sprechszenen sind zum Schreien schlecht. Überzeugend schauspielern kann überhaupt niemand. Charismatisch ist auch keiner. Burton wirkt allein durch seinen Ruf, aber viel mehr dann auch nicht.
"Ich habe die deutschen Sätze, die ich in dem Film sprechen muss, von einem deutschen Schauspieler gelernt. Er hat den Grund für das Gähnen erfunden. Ich habe ihn nur darum gebeten, mir die Sätze vorzusprechen, damit ich sie phonetisch nach meiner eigenen Methode aufschreiben und dann auswendig lernen kann, bis ich sie herunterrattere wie ein Maschinengewehr. ABER er muss sich über jeden Satz lang und breit auslassen. In einer fürchterlichen englischen Aussprache. 'Ich glaube nicht, dass ein Deutscher so etwas in diesen Worten zu dem Mann am Checkpoint sagen würde.' Dadurch dauert es eine geschlagene Stunde, bis wir eine Drehbuchseite durchgearbeitet haben, auf der ich etwa drei deutsche Sätze zu sprechen habe. Ich werde ohnmächtig vor ennui."
Burtons Deutsch ist annehmbar, aber rettet nichts. Die Synchronisation hierzulande ist durchgängig furchtbar, die originale ergeht sich im ohrenbetäubenden East End - Akzent. Stummfilm wäre wirklich die bessere Entscheidung gewesen.
Auch so sind Karikaturen allerortens. Keiner ist scharf durchzeichnet, sondern nur nach Moralitätenart charakterisiert. Manchmal vielleicht lustig, aber öfters erschreckend bis abschreckend mies. Der deutsche Hauptmann schwaffelt was davon, dass der Wüstenkrieg keine Begleiterscheinungen hat; womit er als logischen Fehlschluss meint, dass es keine Frauen, Kinder und Städte, sondern nur Männer gibt. Und wie romantisch das sei. Die keifende italienische Geliebte hat der ominöse General wahrscheinlich vom Bahnhofsstrich aufgelesen; es gibt nicht eine Einstellung mit ihr, die die Frau nicht auf ihr ordinäres Wesen reduziert. Da es irgendwann sogar den Quäkern zu bunt wird, stellen sie sie mit Betäubungsmitteln und Sex ruhig und laden sie in Tobruk stoned an der Strasse ab. Rommel diskutiert über die 3 - Pfennig - Bestände, die bei einem großen Unwetter vernichtet wurden sowie die Taifun- Behelfsmarke. Bei den wenigen zusätzlich ausgeweiteten Actionszenen wirft man mit Verwundeten und Toten nur so um sich und legt seltsame voice over Kommentare von Hitler selber oder CBS-Nachrichtenmoderator Edward R. Murrow als einander widersprechenden Argumente über die Bilder.
"Macht schon. Macht schon!" sagt Burtons Figur im Finale, damit die Mission endlich zum Abschluss gebracht und man erlöst wird. Der Film war ein Erfolg, aber dennoch mit das letzte Hollywoodprojekt für die nächsten vier Jahre, dass den Krieg als Rahmen für seine unreflektierte Handlung benutzte. Erst 1975 wurde mit Schlacht um Midway und dann MacArthur - Held des Pazifik wieder offiziell auf der US - Leinwand an Heroismus und Patriotismus erinnert, bevor man sich endgültig dem Trauma Vietnam zuwandte.