Review

kurz angerissen*

Zuerst da gewesen und doch im Schatten des ungleich ruhmreicheren "Ocean's Eleven" gelandet. Kein Wunder, können der kurzgewachsene Edward G. Robinson und seine Mitstreiter doch längst nicht so lange Schatten werfen wie Frankie und seine Spießgesellen, ironischerweise unter anderem auch deswegen, weil in klassischem Schwarzweiß gedreht wurde. Die Entscheidung für eine althergebrachte und bewährte visuelle Methodik deckt sich mit der langsamen, gereiften Erzählweise, die Henry Hathaway anwendet. Keine Frage, Lewis Milestone ist im direkten Vergleich das progressivere Werk gelungen.

Was bei "Sieben Diebe" jedoch als langsam und altmodisch begriffen werden kann, muss nicht zwangsläufig negativ konnotiert sein. Man schwelgt vornehmlich in der Vorbereitung des Coups und hier insbesondere in der gemütlichen Anwendung von Überredungskünsten, wo "Ocean's Eleven" längst damit beschäftigt war, konkrete Aufgaben an seine Spezialisten zu verteilen und in komplizierten Plansequenzen miteinander harmonieren zu lassen. Unter Hathaway nimmt der eigentliche Coup nur einen geringen Teil der Laufzeit ein. Das Interesse an realistischen Zeitabläufen erscheint höher als die Faszination für die Anatomie eines Raubs. Robinson, Steiger, Wallach sind kernige Typen alter Schule, die nicht als menschlicher Spezialeffekt an den Roulettetischen vorbeitänzeln können. Unweigerlich muss die Kamera an ihrer Seite verweilen, auch wenn das bedeutet, dass man einfach mal einige Minuten Gast am Tisch in einem exotischen Établissement ist. Erst recht gilt der Kameraverweil für Joan Collins, die als Tänzerin in jenem Établissement ohnehin alle Blicke auf sich lenkt und das Element der Ablenkung, hier ist man sich mit "Ocean's Eleven" durchaus einig, ins Spiel bringt.

Selbst nach dem Coup nimmt sich der Regisseur noch einmal viel Zeit, um das Geschehene zu reüssieren und moralische Entitäten durch einige ironische Wendungen ins Spiel zu bringen. Sie nehmen im Dienste einer sauberen Schlusswendung Überhand und schlagen sogar ins Saure um, jedoch werden zugleich durchaus interessante Fragen aufgeworfen, für die Lewis Milestone in seiner eigenen temporeichen Hatz keine Zeit mehr hatte. Westernmotive schlagen durch (nicht unerwartet bei diesem Regisseur), spätestens als die Teilung der Beute ansteht und wiederum zeigt sich "Sieben Diebe" in tief verwurzelten Konventionen verortet. Insofern ein eher klassisches Heist Movie, dessen fehlende Bekanntheit nicht von ungefähr kommt – was nicht heißt, dass es auf die ein oder andere Weise nicht doch entdeckenswert wäre.

*weitere Informationen: siehe Profil

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