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Anlässlich der bevorstehenden US-Wahl würde sich einer wie Ray Milland nicht etwa im Grabe umdrehen, sondern sich daraus erheben, ins Wahllokal schlürfen, sein Kreuz machen und auf eine kleine Revolution im Lande hoffen. Zumindest ist dies hinsichtlich seines Sci-Fi-Streifens denkbar, der auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges entstand und einige überaus reaktionäre Aspekte thematisiert.

Sehr früh morgens bricht die Familie Baldwin, Vater (Milland), Frau, Sohn und Tochter zum Angelausflug aus L.A. auf, als dort eine Atombombe niedergeht. Rasch deckt sich die Familie mit einigen Utensilien ein, um in den abgelegenen Bergen zu leben, bis der Krieg vorbei ist. Doch auch hier sind sie nicht sicher vor Plünderern und anderem Gesindel…

Das mit wenig Budget gedrehte Spektakel ist ein recht minimalistisches, welches ab der zweiten Hälfte zum kleinen Abenteuerurlaub verkommt. Dabei ist das erste Drittel noch recht spannend ausgefallen. Der Atompils erscheint eindrucksvoll am Horizont, auch wenn es sich hierbei nur um ein Standbild mit beweglichen Filtern handelt, hinzu kommen kleine Szenerien verwaister Orte, allerdings auch viel Greenscreen und eine fünfspurige, stark befahrene Straße, die definitiv nicht den Weg kreuzt, die unsere Familie auf dem Weg in die Berge betreten will.

Und da lässt sich der Familienvater einige widersprüchliche Sachen einfallen, denn er predigt seiner Familie einerseits etwas von Moral und zivilisiertem Verhalten, plündert jedoch einen Eisenwarenladen, schlägt einen Tankwart und bedroht vermeintliche Diebe mit einer Waffe.
Er geht mit einer selbstgefälligen Doppelmoral zu Werke, die sogar vor purer Selbstjustiz nicht halt macht und diese zu keiner Zeit kritisch hinterfragt. Es herrscht eben das Recht des Stärkeren zum Wohle der Familie, was möglicherweise nur anno 1962 so empfunden werden konnte.

Auf die Hintergründe des Krieges wird nicht näher eingegangen, die aus dem Radio wissen offenbar auch nicht mehr, als dass Städte in Amerika und in Europa geplättet wurden, während der Aggressor ungenannt bleibt. Auch wird nicht klar, warum die Familie keine Anzeichen von Verstrahlung aufweist, zumal sie einige Zeit unter freiem Himmel verbringt, Kleidung in fließendem Gewässer reinigt und offenbar nur kurze Zeit in einer Höhle verbringt. Auch das konnte möglicherweise nur 1962 so empfunden werden.

Leider gerät das postapokalyptische Szenario nie so richtig spannend. Zu rasch werden etwaige Konfrontationen abgehandelt und zu selten tauchen Skrupellose auf, die den Baldwins auf die Pelle rücken. Hinzu gesellen sich oberflächliche Figurenzeichnungen, schwache Frauenfiguren und ein komplett unpassender Score, der eher nach Einkaufsmeile in Las Vegas der Siebziger klingt.

Darstellerisch ist demgegenüber nichts zu bemäkeln, vor allem Milland geht in der Rolle des stoischen Familienvaters auf, - er scheint sich offenbar eine Herzensangelegenheit realisiert zu haben. Und diese ist von der Ausgangslage her durchaus interessant und es ist nicht abwegig, dass in so einer Situation moralische Grundwerte ins Wanken geraten, doch etwaige Konsequenzen bleiben außen vor und am Ende kann man zurück nach L.A. , welches kurz zuvor komplett vernichtet und kontaminiert wurde, - möglicherweise so eine Sache von 1962…
5 von 10

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