Review

„Panik im Jahr Null“ – da läuft es einem doch schon kalt den Rücken runter.
Und tatsächlich ist das so ein erzreaktionärer Streifen, als man mit plötzlich einsetzenden Atomkriegen von heute auf morgen den Leuten noch dauerhaft im Kino eine Höllenangst machen konnte.
Als Star auf dem absteigenden Ast mußte sich hier Ray Milland selbst produzieren und dirigieren und kocht den Zuschauern eine Story aus der Steinzeit auf, nämlich vom Gesetz des Stärkeren.

Folgendes ist passiert: man ist gerade auf dem Weg zum Angelausflug, da fällt die Bombe. Zum Glück auf L.A. und andere Großstädte. Dank enormen Informationsvorsprungs (Radio hören!) und absoluter Geistesgegenwart weiß der Daddy einer stabilen amerikanischen Familie (Vater, Mutter, zwei Kinder, von jedem Geschlecht eines) sofort, was zu tun ist. Denn Mord und Totschlag sind zu erwarten, da hamstert man also Waffen, Benzin und Happa, was geht und ab ins Angelrevier zum Verschanzen in einer Höhle.
Natürlich geht die Panik um im Lande und Daddy tut nur, was gut und recht und billig ist, um seine Familie zu schützen.

Hier beißt sich der Film dann folgerichtig ständig selbst in den Schwanz. Da er das Jeder-ist-sich-selbst-der-Nächste-Prinzip aller Überlebenden fürchtet, wendet er selbst an, um später, ja später dann als sauberer Vertreter der ordentlichen Zivilisation wieder aus seinem Loch herauszukriechen. Seine Tochter kommt nämlich demnächst ins gebärfreudige Alter.
Also wird notgedrungen ein widerstrebender Ladenbesitzer per Waffe genötigt, selbige sofort rauszugeben. Dann macht Dad einen wuchernden Tankwart alle und pustet später noch drei wilde Jugendliche (die aussehen, als hätte man sie aus einem James-Dean-Film geklont) um, die ihn erst überfallen und dann Töchterlein an die Wäsche gehen. Schließlich haben sie ja angeblich diverse Leute umgebracht, wovon wenigstens einmal das Ergebnis zu sehen ist.
Die Krone der Unmöglichkeit ist aber die Variante, eine vielbefahrene Großstraße quer zu kreuzen. Nach einer halben Nacht Wartezeit wird’s Daddy zu dumm und er kippt mal eben einen Kanister Kerosin auf die Straße und zündet das an, worauf es sofort ein brennendes Inferno gibt. Aber den vermutlich 270fachen Auffahrunfall spart der Film aus und die Frauen aus dem brennenden Infernowrack haben es laut Milland auch geschafft – hauptsache unsere Family ist auf der anderen Seite.

So brachial und platt an die guten Werte appellierend ist es dann nicht verwunderlich, daß am Ende alles gut aussieht, denn die Ordnung wird wieder hergestellt, offenbar dank Leuten, die anders als der Hauptdarsteller und seine Angehörigen wohl nicht im nächsten Rattenloch untergetaucht sind.
Schön übrigens auch der Versuch, einer direkten Schuldzuweisung zu entgehen, in dem man die Angreifer nicht beim (russischen) Namen nennt: Amerikas Hauptstädte zerstört, West-Europas ebenso, da bleibt wohl nicht mehr viel oder sollten es die Afrikaner gewesen sein, die Schlingel? Natürlich gabs einen Gegenschlag der Amis und am Ende setzen sich wohl alle reumütig an einen verstrahlten Tisch, aber trotz Erwähnung von Radioaktivität ist das hier eh die geringste Sorge aller Beteiligten.

Auf jeden Fall sollten manche Schauspieler einfach nicht Regie führen, dann kommt dabei auch nicht so ein gequirlter Scheiß bei raus und das galt auch schon 1962. Dann lieber „Fail Safe/Angriffsziel Moskau“, der ist zwar deprimierend, aber hat wenigstens halbwegs mit der Realität zu tun. (1/10)

Details
Ähnliche Filme