Review

"Hollywood is Socially Engineering the masses into sheep. We rebel with action and horror movies that expose hateful liberal ideologies and defend American values in a way that no one else in movies is willing to do."

~ Rene Perez

Glaubensbasierte, rechtsgerichtete Filmemacherei als jüngstes Steckenpferd vom Allrounder und wenig Allround-Talent Rene Perez, der sich in den Zehnerjahren vor allem auch durchaus im C-Movie Mainstream austobte, u.a. mit den Playing With Dolls-Filmen (2015/16/17/20) oder dem noch mehr reaktionären Bronson-Verschnitt Death Kiss (2018), wobei letzterer durchaus Aufmerksamkeit auch bei den 'normalen' Zuschauern schürte und verhältnismäßig weit vertrieben wird. Perez, der auch als Kameramann, Editor und Musikant seiner selbst geschriebenen Werke tätig ist, hat sich mit und nach The Insurrection (2020), inhaltlich eine Art Aluhut-Update von Carpenters Sie leben (1987), Manipulation und Meinungserzeugung durch die öffentlichen Medien sowie Gestaltung von Massenakzeptanz, dort speziell die Werbung und Nachrichtenkonserven, hier über Hollywood und deren Filme und Serien, die Fesselung des schon lange nicht mehr mündigen Bürgers durch mentale Kontrolle, Meinungsbildung durch Emotionalisierung, Filterblasen und Echokammern usw. usf., vorgetragen hier als Art Diskurs auch, als sowohl verbaler Report, Rezitation, Deklamation und Kolloquium in eine Nische der Selbstvermarktung zurückgezogen. Scheinbar aus eben den oben aufgezählten Gründen, aus der vorauseilenden Sicherheit vor den angenommenen "Vergeltungsmaßnahmen" von Hollywood und Co., sicherlich auch in der Erwartung einer besseren Vermarktung seiner nun exklusiv über eine mit Paywall-ausgerichtete Webseite und dem dortigen Streamingdienst, welcher über eine Handvoll Werke seitens Perez wie eben das vorliegende, das am meisten Offensive verfügt:

Um ein Versprechen zu halten, gibt der Vietnamkriegsveteran Colton Jay [ Chase Blomquist ] der Familie eines gefallenen Soldaten ein wertvolles Medaillon zurück. Dadurch findet diese verlorene Seele zu Gott, Liebe und dem Kampf ihres Lebens.

So lautet die offizielle Synopsis, die amerikanische Flagge im Vorder- und im Hintergrund, der Kreative Perez in der Weiterführung der verschwörungstheoretischen, anti-impfenden ("man-made population control concoction"), anti-woken Gedanken und Ideen aus The Insurrection, ein Pflege- und Altenheim in der ersten Szene, eine Warnung an die Mund-Nasenmaske, die Pflegerin mit Schutz auf dem Flur, nach einem Hinweis von Patienten, im Zimmer das störende Utensil ablegend, ein Toter im Zimmer gefunden. Ein Abschiedsbrief, eine Rückblende nach 1974, eine Grindhouse-Gestaltung, Bilder wie aus Ruckus (1981) oder Rambo (1982), ein Landstreicher in körniger Bebilderung, wieder der ausgedörrte Wald vor Perez' Haus der Schauplatz, die Bilder auf trüb und hart gefiltert, eine Mitnahme im vorbeifahrenden Auto abgelehnt. Dass wir uns in einer anderen Zeit befinden, einer anderen Ära, mit Gott noch unter uns und der Bibellesung noch aktiv, wird hier in aller Befreiung gezeigt. Der Wanderer durch die wenig besiedelte Einöde, dazu ein eremitischer Pastor, gespielt von Produzent Joseph Camilleri, auch in der Freiheit von der Zivilisation und der Gesellschaft, eine abgeschiedene Waldhütte bewohnend, eine Gastfreundschaft dargeboten und die Gespräche, die Welt noch anders ausgerichtet, keine Vorschriften seitens der Regierung und keine Schäfchen-und-Lämmchen-Bevölkerung. Der Vietnamkrieg liegt kurz zurück, der Mann hier Soldat gewesen und der Freund des Pastors verstorbener Sohn, die Hundemarken um den Halse baumelnd, die Jacke bezeichnend, der Gestus, die Handhabe, die Kommunikation. Die Gespräche im direkten Schuss-Gegenschuss aufgenommen, einfach und simple, eine steife Dialogführung, die Sätze ebenso; Perez wie in der Übung des Erzählens, wie nichts gelernt, und trotzdem oder deswegen stets weiter übend, dazu das Spiel mit der Veränderung der Bilder, des Formats, eine VHS-Ausrichtung, dazu 'Fehler' in der technischen Qualität, Unschärfen, Verschmutzungen, Ton- und Bildaussetzer, fehlende Anschlüsse.

Eine Wirkung wie ein gestelltes Home-Video, wie das Betrachten einer Schulaufführung in privater Struktur, die Kamera steif stehend, die Annäherung der Darsteller, darunter des Pastors Tochter Alma, gespielt von Ana Isabel Rosso unterbunden, oft nur einer und oft nur der Sprechende im Visier, im Fokus des Geschehens, dazu auch verbale Erinnerungen zusätzlich schon eh in der Rückblendenformulierung, eine verkomplizierte Erzählung, die Themen nicht verschnörkelt, sondern versteift eingebunden, das Pro Gun - Pro God als theologische Debatte in der Offenbarung, dazu bald ein Sheriff in der Szenerie, die Waffe im Halfter, die Hand zur Pistole gehend und eine Untersuchung der privaten Sachen ohne Grund und ohne Berechtigung. Das Gesetz hier vorhanden und die Religion und das Militär, ein Hin und Her an Worten, an willkommenen und abwerten Gesten, das Coming Home - Sie kehren heim (1978) hier gezeichnet, das Leben in Briefen und Memorabilien, in mäßig bis schlecht gespielter und vergeblicher Emotion. Erinnerungsstücke werden im Film und bemüht vom Film verabreicht, eine geheime Schatulle und ein vorhandener Schlüssel zusammenpassend, noch ein Brief da, noch eine vergängliche Option, dann aus der Waldhütte raus in die Natur, die Schwester des Verstorbenen und der zurückkehrende G.I. Joe.

In welche Richtung die Handlung genau geht und welches Genre sie bedienen will beim Action- und Horror-Regisseur Perez, ist bis dato und im ersten Drittel noch nicht auszumachen, der Text am Wiederholen und hinauszögern, einige Omen angedeutet durch Nebenpersonen, ein materielles Tempo nicht bis mäßig nur vorhanden, die Politikerschelte und das Christengelöbnis mittendrin. Zart wird hier eine Annäherung der wenigen Menschen angestreift, ein Picknick auf der Wiese zur klassischen Musik erst und dann ein schüchterner Tanz zu zeitgenössischem Pop, mit den weiblichen Reizen gespielt, die frische Luft genossen, die Aufklarung des winterlichen Himmels durch die scheinende Sonne, die Schönheit vor dem noch hervorkommenden Home Invasion Thriller, vor dem 70er Backwood - Szenario mit durchreisenden Einbrecher und fremden Kriminellen, mit fanatischen Bankräubern, typisches Perez - Milieu, striktes Gut gegen Böse im Minimalismus dargebracht. Darstellerisch gewohnt einfach bis überdeutlich schlecht bis abschreckend unecht, ab der Gefangenennahme etwas mit einer 24 Stunden in seiner Gewalt -Dramaturgie unterlegt, dem Nötigsten davon zumindest, der Krieg nach Amerika geholt, von den Politikern und Geschäftemachern der Wall Street weg in das Traute Heim, zum "The Gathering Place", wo stark unterschieden wird zwischen "Hero" und "Cowardice", zwischen Befehlsausübung und dem Gehorchen der eigenen Moral und Tapferkeit, zwischen Angreifern und Verteidiger der eigenen Werte, zwischen Chloroform-Thrill und Glasflaschen-Schlägen, wo selbst der Pastor eine Schusswaffe im Schlafzimmer hat, wenn auch nur eine BB-Gun, und der Soldier bald seinen eigenen Kampf. Etwas in Bewegung geraten hilft der Fanfilm-Inszenierung dabei ungemein, den Sermon mal sein gelassen und das Low-Budget-Genre bedient, so werden Genicke gebrochen, ums Haus herumgeschlichen, Geiseln befreit und Geiseln angekettet, durch den dürren Wald gesprintet und Sex etwas und Gewalt unverblümt gezeigt, die Einschüsse derb und übertrieben, die Kloppereien zumindest mit harschen Toneffekten verkleidet, ein einzähliges Killing Spree gereicht, gar in 70 Minuten Laufzeit ermüdend, exklusiv für den Selbstvertrieb, der Aufruhr zum Widerstand gegen die Tyrannei.






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