Wenn sich etwas wie ein Lauffeuer verbreitet, ist es meist nur schwer einzudämmen und oftmals nur unter Einsatz radikaler Mittel. Insofern arbeitet der spanische Regisseur David Victori auf zwei Ebenen: Ein Waldbrand als bedrohliche Kulisse und ein Familiendrama auf charaktergetriebener Ebene.
Nach dem Tod ihres Mannes will Mara das Sommerhaus im Wald möglichst rasch verkaufen. Zu diesem Zweck räumen sie, ihr Bruder Luis und dessen Familie die wichtigsten Habseligkeiten aus dem Haus, als in der Nähe ein Waldbrand ausbricht. Inmitten dieser Situation verschwindet Lide, die achtjährige Tochter Maras nach einem Streit spurlos im Wald…
Der Auslöser für die prekäre Situation wird gleich zu Anfang entschlüsselt: Manchmal reicht ein kleiner Funke, um das Pulverfass zu entzünden, was sich später auf das Verhalten einiger Figuren übertragen lässt. Nach der Einführung der wenigen Beteiligten wendet sich das Szenario vom Katastrophenfilm zu einem Psychothriller, denn Mara und Luis suchen einen Schuldigen für das Verschwinden und werden schnell beim Nachbarn Santiago fündig, der in einigen Situationen ein zweifelhaftes Verhalten an den Tag legt. Entsprechend spitzt sich die Situation weiter zu, die Vernunft wird dünner, die Verzweiflung nimmt auf allen Ebenen zu.
Der Stoff setzt früh auf Tempo und Dringlichkeit, wobei beide Punkte im Verlauf ein wenig nachlassen und teils sogar etwas redundant daherkommen. Phasenweise tendiert der Verlauf in eine deutlich erkennbare Sachgasse und es gibt nur minimale Wendungen, um Ungereimtheiten entweder zu entkräften oder zu verstärken. Doch es zeigt auch, wie Menschen in Stresssituationen moralische Grenzen verschieben ohne diese zu hinterfragen. Die eine oder andere Form der Eskalation scheint diesbezüglich unvermeidbar.
Während also das Feuer tobt und sich dem Schauplatz des Geschehens nähert, arbeitet die Kamera zwar meistens übersichtlich, doch anderweitig wird sie in hektischen Momenten mit unwirschen Bewegungen etwas unübersichtlich. Erst gegen Ende wird die Flammenhölle im Zusammenhang mit entsprechender Rauchentwicklung deutlich präsenter, - letztlich ist man eher mittendrin, als dass die Flammen noch Raum für Handlungsfreiheit böten. Hier findet die Geschichte eine Wendung, welche als versöhnlich empfunden werden könnte, wobei ein leicht bitterer Nachgeschmack bleiben dürfte.
Die wenigen Mimen liefern insgesamt passable Leistungen ab, wobei ein Enric Auquer als verdächtiger Santiago die beste Performance hinlegt. Es sind kleine Nuancen in Mimik und Gestik, die nie ganz einwandfrei offen legen, ob der unsicher wirkende Typ Täter oder Opfer ist, während der insgesamt zurückhaltend eingesetzte Score jenen Eindruck verstärkt.
Am Ende könnten all jene ein wenig enttäuscht werden, die ein reines Katastrophenszenario erwarten, zumal der Thriller nicht allzu viele Wendungen parat hält. Dennoch ein zuweilen emotional packender Stoff, der in den rund 107 Minuten eine solide Grundlage zum Mitfiebern bietet.
6,5 von 10