"There is one thing that I do believe, Doctor. The ignorant. You never fear the ignorant getting smart. You fear the ignorant getting scared."
Von den Shout! Studios im Kino präsentierter Surreal- und Horrorwestern mit gefälliger Besetzung, das Land erst weit aufgezogen, die Geräusche unsichtbar im Vordergrund, ein Kartenspiel mit sich selber abgehalten und eine Bedrohung zugleich, ein gefährliches Terrain. Westernmythen hier gestrickt, Brutalität ausgeführt, ein Lauf im Lauf einer Waffe, um sein Leben bittend und bettelnd, ein blutiges Gesicht schon und noch eine zweite Waffe vorhanden, Devil in the Dust, eine mörderische Gang in der Zeichnung scheinbar, die Geschichte eines Teufels und deren Verzweigung:
1849. Die kürzlich befreite Sklavin Sarah Worthington [ DeWanda Wise ] glaubt, dass ihre mysteriöse kaukasische Tochter [ Emily Ford ] besessen sei, da alles, was sie berührt, stirbt, und überzeugt den verwitweten Arzt Dr. Steelbender [ Guy Pearce ], sie auf eine Reise mitzunehmen, um den entfernten Glaubensheiler Ross Corner [ Bill Pullman ] zu finden.
Eine Farm weit draußen in dem trockenen Land, die Bodenarbeit hart, das Haus abgeschieden, ein totes Pferd nur durch Berührung eines Kindes, und ein Beobachter in den Büschen, "it ain't safe out there right now". Eine Flucht wird versucht, ein Weggehen, ein Rückzug, eine Reise durch das Land, eine Warnung ausgesprochen. Nicht weg kann man und nicht weiter, die Blicke der umliegenden Bevölkerung im Rücken, die spürbaren Ängste, die Angst vor dem Übernatürlichen und Unerklärbaren, vor dem Nichtnachvollziehbaren und Unaussprechlichen. Ein Prediger wird gesucht, ein Sheriff aufgesucht, ein Doktor gesehen, einer davon erweitert die Handlung hier, die ruhige Herangehensweise, mitten in der Geschichte schon, erste Dinge bereits geschehen, erste Sachen bereits passiert, das Leben weitergehend und weitergeführt. Ein Glauben wird hier in Augenschein genommen, "Bullet to Bible", das Ausnutzen von religiösen Zwängen und Mechanismen, erst das Zeigen und dann das Erklären, wenn überhaupt, das Heranpirschen an offenen Fragen und dem Mysteriösen, dazu das Bereithalten von Halluzinationen, von Albträumen, dazu ein Arzt mit Traumata, mit Betäubungen und Seelenpein. Eine ruhige, wenn auch dräuende Gestaltung der Szenerie, die Farm der Kleinfamilie, dann die Stadt und ihre Machtstruktur, dann die Reise durch die Prärie, das Zurücklassen von Pflichten und von Forderungen und das Hineingelagen in neue Herausforderungen. Ein Abschied wird gemacht und ein Neuanfang, mit Konzentration inszeniert und mit Belang, mit einer persönlichen Herangehensweise und ebensolchen Interesse, eine Erweckung eher über eine spröde Darstellung und den Dialogen in ihr.
Vergangenes wird mal beschwiegen und mal nur angedeutet und mal offengelegt, je nach Präferenz, zwischen Gott und Teufel hier gewandert und die Gefahren von beiden aufgezeigt. Im Schauspiel überzeugend, mit einigen ersten seichteren Momenten und einigen genretypischen und einigen unüblichen, ein nächtlicher Überfall am Lagerfeuer durch einige bereits bekannt üble Figuren, ein Kinderraub und eine Geiselnahme, sexuell offensiver trotz oder wegen zwei Frauen im Gegenüber. Gesichter werden verletzt und Köpfe gleich mit, eine widerstrebende Natur, die Verarztung der Wunden noch vor Ort. Ein erster Stolperstein von vielen noch kommenden, die Sonne unbarmherzig, die Landschaft (gedreht im ersten Halbjahr 2024 um Santa Fe, New Mexico, USA) karg und ärmlich, Felsbrocken und verdorrte Grasbüschel, Sand und Geröll und zerstreutes Holz, eine Einöde wohin man blickt und schaut. Pearce als ebenso trockener Führer, der vor sich selber davon läuft und sich selber in Rauschzustände und dies auch regelmäßig und nicht nur zum Einschlafen, sondern auch tagsüber zum Besser- und Wohlfühlen schickt, ist dabei eine der wenigen Schlüsselpositionen auf dem Weg in die Hölle und vielleicht auch zurück, zwischendurch wird ein Skalp gefunden und ein völlig zerschnittener Mensch. Viele Totem auf dem Pfad, viel Schuld und viel Sühne, viel Tod nicht nur im Herzen, die Erzählung auch moralischer Bruchlinien karg und ausgewalzt. Um Nähe wird gekämpft, nicht nur bei dem Trio bzw. dem baldigen Quartett, sondern auch die Nähe des Zuschauers zu dem darbenden Interieur, dem andauernden Fortschreiten trotz oder wegen all der Plagen, dem nihilistischen Treiben. Mittendrin werden einige Siedler getroffen, auch einige kranke Gesellen, psychisch zerschlagen oder physisch entstellt, "Well, look at us. All civilized and such.", eine theaterhafte Konversation, die Überbleibsel einer Wagenkolonne, die gestrandet ist, einem Indianerüberfall widerstanden und dem Angriff schlimmer als der Indianer, der der "Posse from Hell" nämlich.
Gebetet wird und geflucht und geträumt und sinniert, sich die Seele aus dem Leib gebrochen und nur knapp einer kannibalistischen Familie entronnen, es wird auf William Shakespeare und jener mit entblößten Skalp getroffen, der Magie gefolgt und Talismane gefunden, eine seltsame Form der Entdeckungstour, des gleichzeitig zarten und harten Filmemachens, jede Szene bezeichnend und ausgedehnt und aufgezerrt und kryptisch ausgeziert. Ein Blick Richtung Craig S. Zahler und dessen Drehbücher zu Bone Tomahawk (2015) und Frontier Crucible (2025) wird dabei geworfen, gleiche Richtung, nicht vollständig gleicher Weg, mal mit Abkürzung und mal mit meditativen Umwegen dahin und gegensätzlich als autistische Odyssee strukturiert. Eine Erweiterung der Mythen und Motive und des Mysteriösen des Wilden Westens, mancherlei Kultiviertheit geboten und Kulturzeichnung auch, einige scheue Bilder und verletzliche und intime, sich wiederholende auch und trotzdem attraktive, dann wieder Gewaltausbrüche, ob nun verbal oder physisch (wie ein herausgerissenes Herz), stets in den ätherischen Inhalt und die Charakterisierung eingewoben. Die Menschen in der unerbittlichen Landschaft bald ebenso zerschunden wie das Areal, dass sie durchqueren, eine Orientierung aufgehoben, eine Hand weggesprengt, eine Hand zerschmettert, die Haare verschwitzt klebend am Kopf und die Kleidung durchtränkt von Schmutz und Schweiß, die Poren verschlossen von Blut und Sand und Dreck. Geschossen wird wenig, dann umso tödlicher.