Review

Intro:

Zwei Teenies suchen einen Platz für traute Zweisamkeit und finden diesen in einem leerstehendem Eckhaus das zum Verkauf steht. Er ist zielsicher auf dem Weg in ein Zimmer der 1.Etage, sie im Schlepptau. Das Zimmer ist leer, außer einige Gläser mit X drauf und seltsamen Inhalt, die auf der Fensterbank stehen. Bei seinem Annäherungsversuch schreckt seine Begleiterin zurück, dabei geht ein Glas zu Bruch. Inhalt: Tote Käfer, Knöpfe. Er macht sich einen Spaß aus dem Inhalt während vom Balkon aus ein Schatten zu erspähen ist. Sie schreckt zurück, er ist neugierig und wird sogleich angegriffen, mit mächtiger Schere.

Szenenwechsel:

Wir betrachten Hagino beim Einzug (in das eben kennengelernte Eckhaus). Sie sortiert Kostümentwürfe in ihren Schrank. Sie ist preisgekrönte Designerin von Theaterkostümen. Ihre Stieftochter Moeka ist auch begnadete Designerin, die sich ebenso wie Hagino sehr für die Schneiderei interessiert. Ansonsten ist Moeka eine zurückgezogene Eigenbrötlerin, die, immer dick eingepackt in viel Wolle und mit schwarzem Handschuh auf rechter Hand, ihre Stiefmutter auch Stiefmutter nennt. Der Vater von Moeka und Ehemann von Hagino ist ein selbstverliebter Narzist, der seine Frau eher als Staffage sieht aber unbedingt ein Kind, nicht mit ihr, eher von ihr haben will. Seine Tochter schert ihn wenig. Er plant sein Leben mit Fotos aus dem Handy zur Selbstdarstellung und entpuppt sich als echter Patriarch.

Die beiden Frauen nähern sich langsam an, über Auftragsarbeiten der Nachbarin, die ein Kleid für ihre Tochter benötigt. Atsuhiro, der Ehemann und Vater, findet keinen Gefallen an Haginos Schneiderei, möchte er doch, das sie sich ganz auf die Schwangerschaft konzentriert. Als Hagino eher unwillig beim Frauenarzt sitzt kommt von Moeka ein panischer Anruf. Sie saß zu hause und zeichnete, als sich eine langhaarige Gestalt über den Balkon einschlich. Moeka verlangt am Telefon drei Stück Kuchen und eine Cola, und zwar schnell. Hagino eilt nach hause und findet Chaos vor. Und ein langhaariges Mädchen in schmuddeliger Kleidung sitzt mit großer Schere auf Moeka und beschmiert sie mit Ketchup. Das Wohnzimmer als Tatort ist halbwegs zertört. Dann verlangt sie (mit Namen Chee-Chan, wie wir dann erfahren) den eben besorgten Kuchen und verschwindet mit einem vielversprechendem „See ya“…

Was beginnt wie ein müder Abklatsch oder neuer Versuch von „Carved Slit-Mouthed Woman“ entpuppt sich doch als knackiges Familiendrama über einen Ehemann, der sich nur um sich selbst dreht, seiner Ehefrau keinen Freiraum gibt und seine Tochter ignoriert. Über eine Ehefrau, die nur das Gute für alle will und dabei sich selbst aufgibt und zur Untätigkeit verdammt. Und über Moeka, die Traumata mit sich trägt und in Chee-Chan eine Verbündete in ihrer Einsamkeit findet. Chee-Chan, die Scheren schwingende Hexe, erscheint dann doch nicht wie eine neue Sadako sondern eher wie ein pubertierendes Riot-Grrrrrl, das mit Gitarre genauso gut bewaffnet wäre wie mit Schere. Die Schere ist dann auch ein gern genutzter Stäbchenersatz, mit der auch saftige Erdbeeren zu Mund geführt werden können.

Die Situation eskaliert natürlich weiter. Chee-Chan verbreitet weiterhin Angst und Schrecken und verführt Moeka zu Widerstand gegen ihren Vater und letztendlich zum Versuch seiner Beseitigung.

Ein eher ruhiges Drama, ohne Chee-Chan gar nur langweiliges Familienleben, weil sie es ist, die nach Veränderung schreit. Die beiden Frauen der Familie möchten eher deeskalierend ihre Ruhe haben, durch Unterordnung unter den Hausherren. Das ändert sich dann…

Schauspielerisch geben alle ihr Bestes, trotz manchmal einiger Längen und einem diskussionwürdigen Showdown. Das Kunstblut sieht lange nicht so beeindruckend aus wie C-C´s Ketchup-Schweinereien. Auch eher seltsam, das wenig Polizei zu sehen ist und der Vater die Veränderungen seiner Tochter gar nicht bemerkt. Na gut, er hat auch viel zu tun, mit Selbstdarstellung und Homeoffice. Das immer wieder auftauchende X ist auch der Interpretation frei gegeben, es bleiben div. Aspekte ungeklärt. Hintergründiges erhellt dann aber schon die ein oder andere Frage (nach dem schwarzen Handschuh, z.B.) Wie dem auch sei. Ich fühlte mich gut unterhalten. Endlich mal eine langhaarige Hexe, die kein böser Geist ist, sondern ein gefallenes Mädchen. Auch die brauchen Verständnis und Freundschaft.

Horror passt hier eher wenig, Drama triffts genauer. Seht am besten selbst.












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