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Diamantenfieber war der siebte Teil der James-Bond-Reihe der Produzenten Harry Saltzman und Albert R. Broccoli, die 1962 mit dem von United Artist veröffentlichten James Bond - 007 jagt Dr. No begann; in den ersten fünf Filmen der Reihe spielte Sean Connery den weltmännische britische Geheimagent „James Bond“, im sechsten Film der Reihe, Im Geheimdienst Ihrer Majestät (1969) das australischen Model George Lazenby. Aufgrund schwächerer Einspielergebnisse - Enttäuschung - veranlasste die Produzenten, über Möglichkeiten zur Wiederbelebung der Serie und Amerikanisierung des britischen Agenten nachzudenken. Laut Broccolis Frau Barbara wurde Fernsehstar Adam West für die Rolle in Betracht gezogen, jedoch der bekannte Hauptdarsteller John Gavin als neuer amerikanischer Bond verpflichte; dennoch wurde Connery erneut angefragt und dessen Gehaltscheck von 1,4 Millionen Dollar genehmigt, was Gavin nach Auskünften einvernehmlich akzeptierte. Wie damals noch üblich basierte das Drehbuch auf dem gleichnamigen Roman von Ian Fleming, es wurden aber nur einige Charaktere und die Handlung um den Juwelenschmuggel übernommen; dafür wurde indirekt an Im Geheimdienst Ihrer Majestät angeschlossen:

Nachdem der MI6 unter Leitung von M [ Bernard Lee ] den Fall Bedlam, die Eliminierung von SPECTRE-Leiter Ernst Stavro Blofeld [ Charles Gray ] wegen dessen vermeintlichen Todes endgültig abgeschlossen hat, wird der Geheimagent James Bond [ Sean Connery ] mit einem neuen Fall beauftragt: Große Mengen von südafrikanischen Diamanten werden gestohlen, tauchen aber nirgendwo auf dem internationalen Diamantenmarkt auf, was bei der britischen Regierung die Vermutung auslöst, dass diese gehortet werden, um die Preise durch Dumping zu drücken. Bond gibt sich als Schmuggler Peter Franks [ Joe Robinson ] aus und reist nach Amsterdam, um den Kontakt Tiffany Case [ Jill St. John ] zu treffen. In der Zwischenzeit wollen die beiden Auftragskiller Mr. Wint [ Bruce Glover ] & Mr. Kidd [ Putter Smith ] systematisch sämtliche Leute ermorden, die Kontakt mit den aus Südafrika geschmuggelten Diamanten hatten und daher als Mitwisser in Betracht kommen.

Nicht bloß vom reinen Erscheinungsdatum her erinnern sich wahrscheinlich wesentlich mehr Leute an die Eröffnungsverse aus dem zweiten Connery-Comeback in Sag niemals nie (1983) als der aus dem ersten Wieder-Auftritt in Diamantenfieber, auch von der gesamten Struktur scheint sich der erneute spätere Auftritt mehr in das Bewusstsein gebrannt zu haben als sein älterer Kollege im Geiste, obwohl dieser auch noch über eine Vielzahl memorabler Momente verfügt und vergnügt, die Wüsteneien mit den beiden Mörder, der Las Vegas Auftritt mit dem kippenden Auto, aber sonst? Sonst ist der Film wohl mehr Balsam für die Seele für alle die, die mit Lazenby nichts anfangen konnten und denen der folgende Moore später zu humoristisch war, ein Exemplar besonderer Sorte auf jeden Fall, die Diamonds Are Forever - Plakate schon mit dem Australier auf dem Poster gedruckt, eine Eintagsfliege, dessen Karriere in diversen kleineren Hongkong-Klassiker weiterlaufen sollte, wo man sich natürlich des Ruhmes bemachte und damit die Eastern-Klientel verzückte. Eröffnet wird im Übrigen mit einer Sequenz, die Bond beim Nahkampf gegen einen Karateka zeigt, die Easternwelle mitgenommen, sowie später auch sein Schauspielkollege, ein Wurf, ein Tritt, ein Hebel durch die japanischen Wänden, auf der Suche nach Blofeld, Connery erst gar nicht und dann doch umso präsenter gezeigt, als Grobian allerdings, auch den Frauen gegenüber, in dringender Eile, die ersten Schergen den Garaus bereitet, ein tödliches Schlammbad auch, in eine Falle geraten, eine erneute Prügelei, ein Messerwerfen, eine erweiterte Grausamkeit, ein Gang mit der Zeit, die Siebziger kein Jahrzehnt der Schwäche und Zartheit.

Ms Stuhl knarrte, und Bond sah über den Schreibtisch zu dem Mann, dem er eine Menge seiner Zuneigung und all seine Loyalität und seinen Gehorsam entgegenbrachte. Die grauen Augen starrten nachdenklich zurück. M nahm die Pfeife aus dem Mund. »Seit wann sind Sie wieder aus diesem Urlaub in Frankreich zurück?« »Seit zwei Wochen, Sir.« »Hatten Sie eine angenehme Zeit?« »Es war nicht schlecht, Sir. Gegen Ende wurde es etwas langweilig.« M kommentierte diese Aussage nicht. »Ich habe mir Ihre Dienstakte angesehen. Im Umgang mit Handfeuerwaffen scheinen Sie immer noch in Topform zu sein. Die Fähigkeiten im unbewaffneten Nahkampf sind zufriedenstellend, und Ihrer letzten medizinischen Untersuchung zufolge sind Sie in recht guter körperlicher Verfassung.« M hielt inne. »Was ich damit sagen will, ist«, fuhr er emotionslos fort, »dass ich einen äußerst schweren Auftrag für Sie habe. Ich wollte sichergehen, dass Sie in der Lage sind, auf sich aufzupassen.« »Natürlich, Sir.« Bond war ein wenig verärgert. »Nehmen Sie diesen Auftrag nicht auf die leichte Schulter, 007«, warnte M streng. »Wenn ich sage, dass er schwer sein könnte, will ich damit nicht melodramatisch klingen. Es gibt jede Menge trickreiche Leute, die Sie noch nicht getroffen haben, und ein paar von denen könnten mit dieser Sache zu tun haben. Ein paar der effizientesten. Also seien Sie nicht so empfindlich, wenn ich lieber zweimal darüber nachdenke, bevor ich Sie den Auftrag übernehmen lasse.« »Tut mir leid, Sir.« »Also gut«, sagte M, legte seine Pfeife weg und lehnte sich mit auf dem Tisch verschränkten Armen vor. »Ich erzähle Ihnen, worum es geht, und dann können Sie entscheiden, ob Sie den Auftrag annehmen wollen oder nicht.

Begrüßt wird sich und einander vorgestellt, den Figuren im Film und dem Zuschauer gleich mit, ihn an die Hand genommen und herangeführt an die Geschichte und ihre Wendungen und Windungen und Wandlungen, die Reise des Commander Bond, eine Weltgeschichte, die ihren Ursprung von Afrika aus nimmt, ein internationaler Plot, ein Instrumentarium einer Spionageerzählung, die seinen Kundschaft mitnimmt auf die Touren und den Eskapismus, als wäre nie etwas anderes dazwischen gewesen, bloß in der wagen Erinnerung. Der Vorgänger hat seine eigene treue Kundschaft, die ist nicht zu vergessen, der Nachfolger auch, hier nur ein erstes 'Sag niemals nie', ein Kuriosum fast, eine Art Unikum, ein rascher Mord auch in der Wüste, eine aufwändige Schauspielführung, eine offensive Bereitschaft, eine Bemühung, alles gemeinsam; "Several recent murders in South Africa have complicated matters." Eine längere Einführung in den Auftrag selber, vorher die Beseitigung eines Erzfeindes, hinterher ein stop-and-go in die moderne Kriminalität, die zeitgenössische Attraktivität und Attraktivitäten und Offensivität, Holland, spezielle Amsterdam ist das erste Ziel des regierungstechnischen Detektivspieles, eine Touristenroute abgesteckt, die Sehenswürdigkeiten zuweilen morbider Art, abstruser Humor bis Sarkasmus bis Zynismus, einige Sehenswürdigkeiten auch geboten, freier Umgang mit der Natur, "I don't Dress for the hired help.", eine erste Probe aufs Exempel, eine Schockszenerie fast ein Jump Scare früher Art und Natur, ein Kampf im engen Fahrstuhl, Glas zerbrochen und die Knochen. Kalifornien und Nevada als nächstes Ziel, von A nach B nach C, diverse Zutaten und Personen hinzugefügt, ein Thriller angeleiert, erst kein großes Spektakel, keine sensationslüsterne Szenen, einige Wortspiele eingeworfen, die Gefahr (wie ein brennender Sarg) leise drohend; ein Verwirrspiel in falscher Identität und falscher Motivation und Aktivität, eine Art Comedy-Show auch, mit klatschenden Publikum, mit Tanz und Glücksspiel, mit Mord und Totschlag, mit Aufmerksamkeiten und einem Connery auf Autopilot, die Gage gespendet für seine Stiftung. Die Frauen sind auf seiner Seite, die Männer eher weniger, Begeisterung sieht anders aus, die Rolle im Schlaf mittlerweile gespielt, noch auf die Karriere im Blick, später und zwischendurch die eigenen Anforderungen und Herausforderungen, hier dem Kommerz ein Zeichen gesetzt, sich noch einmal in die Legendenbildung geätzt.

Hier eine Zirkusnummer, eine Menagerie mit Clowns und Akrobatik und drumherum, mit dem schnellen Dollar im Sinn, mit Observation und kleineren operativen Manövern, mit Ablenkungen und Gimmicks, mit Elefanten im Spiegelkabinett und anderen Zaubertricks, "the next link in the Pipeline", viele Ärgernisse, eine Ohrfeige mit der Hinterhand, grobe Manieren und derer allerhand. Eher ein Copthriller in Tarnung als ein Bond zuweilen wirkend, eine komplizierte und gleichzeitig einfache Geschichte, mit einigen herausstechenden Charakteren, auf Spannung auf die lange Distanz gehend, später dann mit Geheimtüren und anderen Verstecken, mit verschiedenen Sektionen und Restriktionen, mit ungewöhnlichen Verfolgungsjagden (der Moon Buggy und Dreirädern), welche eher etwas an Alistair MacLean und seinen Feuerskäfer erinnern, dazu einige Autostunts, die sichtlich 'inszeniert' sind, d.h. sichtlich auf Wirkung und Effizienz, nicht auf Nachvollziehbarkeit oder passend zum filmischen Rhythmus geeicht. Dafür beweist Bond, dass er keinerlei Höhenangst hat, dass er sich selbst in unwägbare, unschätzbare Gefahren wagt und den Amerikanern und dem "No-Go" aus Washington Adieu und Goodbye und Amen sagt, dass er eher neugierig ist als furchtgeplagt, dass er auch Niederlagen hinnimmt wie ein Champion und Gentleman, dass nur mehrfach dem Tod aus schieren Glück entrinnt statt Können und Vor(aus)sicht, dass er nichts verlernt hat aber seit seinem Hiatus, dass er weiterhin leger vorangeht und (seine Hassliebe mit Blofeld; "Jealousy? From you, Mr. Bond. I'm flattered.") vorlegt. Technisch liegt man zuweilen zurück, Rückprojektionen, Miniaturen, einige deutliche und deutlich sichtbare Tricks, selbst für den Jahrgang, wieder kommt einem Feuerkäfer in den Sinn, der dieses Milieu glatt narrativ umgeht und die "Ready all guns und proceed to target" - Sperenzchen wie eine explosive Hubschrauberattacke auf eine Ölplattform umschifft.

»Nicht reindrücken. Reinschrauben«, sagte M ungeduldig. James Bond, der sich vornahm, dem Stabschef von Ms Worten zu erzählen, nahm die Juwelierlupe erneut vom Schreibtisch, auf den sie gefallen war, und schaffte es dieses Mal, sie sicher und fest in seiner rechten Augenhöhle einzuklemmen. Obwohl es Ende Juni war und strahlender Sonnenschein den Raum erhellte, hatte M seine Schreibtischlampe angeschaltet und sie so gedreht, dass sie Bond direkt anleuchtete. Bond nahm den Stein im Brillantschliff in die Hand und hielt ihn ins Licht. Als er ihn zwischen den Fingern drehte, funkelten ihm von den zahlreichen Facetten alle Farben des Regenbogens entgegen, bis seine Augen völlig davon geblendet waren. Er nahm die Juwelierlupe von seinem Auge und versuchte, angemessene Worte zu finden. M sah ihn fragend an. »Ein schöner Stein?« »Wundervoll«, erwiderte Bond. »Er muss sehr viel Geld wert sein.« »Ein paar Pfund für den Schliff«, sagte M trocken. »Das ist ein Stück Quarz. Also, versuchen wir es noch mal.« Er schaute auf die Liste, die vor ihm auf dem Schreibtisch lag, wählte ein gefaltetes Taschentuch aus, überprüfte die darauf stehende Nummer, faltete es auseinander und schob es über den Tisch zu Bond. Bond legte das Stück Quarz zurück auf das dazugehörige Taschentuch und griff nach der zweiten Probe. »Für Sie ist das leicht, Sir«, meinte er und lächelte M an. »Sie haben den Spickzettel.« Er presste die Juwelierlupe zurück in seine Augenhöhle und hielt den Edelstein – sofern es denn ein Edelstein war – ins Licht. Dieses Mal, dachte er, gab es keinen Zweifel. Dieser Stein wies ebenfalls die zweiunddreißig Facetten im oberen Teil und die vierundzwanzig Facetten im unteren Teil auf, die den Brillantschliff ausmachten, und besaß genau wie sein Vorgänger etwa zwanzig Karat. Doch was er nun in der Hand hielt, hatte ein Herz aus blauweißen Flammen, und die unendlichen Farben, die sich in seiner Tiefe spiegelten und brachen, stachen in seine Augen wie Nadeln. Mit der linken Hand hob er den Quarzstein hoch und hielt ihn vor der Juwelierlupe neben den Diamanten. Der Quarz war ein lebloser Klumpen Materie, der neben dem funkelnden Diamanten fast lichtundurchlässig wirkte, und die Regenbogenfarben, die er vor ein paar Minuten gesehen hatte, erschienen ihm nun plump und trüb.







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