Review

kurz angerissen

Man wird das Gefühl nicht los, man hat diese Piratengeschichte etliche Male in den letzten Jahren vorgesetzt bekommen. Nur dass darin meistens keine Piraten vorkamen, sondern zum Beispiel Undercover-Geheimagenten oder andere Berufsgruppen mit tollkühnem Lebensstil. Dass die Prime Studios für „The Bluff“ eine hübsche Karibik-Deko haben springen lassen, ändert jedoch nichts am Kernproblem: Man ist der ewig gleichen Geschichte längst überdrüssig.

Wieder kommt es zur Konfrontation zwischen Good Girl und Bad Guy in einem harten Business abseits des Normalbürger-Alltags, bei dem beide eine gemeinsame Vergangenheit teilen. Dass zum Bewahren einer anfänglichen Scheinnormalität erneut die Mär der biederen Heimhüterin aus dem Ärmel gezogen werden muss, bevor sich Priyanka Chopra mit maximalem Trara-Effekt in die kämpfende Rampensau verwandelt, ist jedenfalls längst kein guter Bluff mehr. Die Hauptdarstellerin macht trotzdem das Beste aus der Sache und reißt die Nummer zumindest physisch an sich.

Auf der anderen Seite haben wir einen chronisch sauertöpfischen Karl Urban, der natürlich viel zu tatkräftig ist, um bloß mal hier und da als Blofeld'scher Rarmacher in den Schlüsselszenen aufzutauchen, weshalb das Drehbuch die Erzählstränge um die beiden Hauptfiguren herum gleichmäßig zu einem Parallelstrang verknüpft. Mit den Goldmünzen als Preisausschreibung und der namensgebenden Anhöhe auf den Cayman-Inseln verdichtet sich der Abenteuer-Actionfilm bald zu einer Art filmischer Entsprechung des Capture-the-Flag-Spiels, bei dem es ausschließlich darum geht, die Oberhand zu gewinnen.

Mit dem Piratenvolk, ihrer Lebensphilosophie und der Zeit, in der sie über die Meere zogen, hat das alles natürlich nicht viel zu tun. Die Attitüde ist eher die eines „Fluch der Karibik“-Films, nur ganz ohne deren leichtfüßiges Spiel mit den Regeln des weitestgehend ausgestorbenen Piratenfilms. Hier wird alles, vom Humor bis hin zu den teilweise rabiaten Gewalteinlagen, mit einem düsteren Schleier überzogen; echte Schauwerte wie Seeschlachten oder gewitzte Swashbuckler-Choreografien, wie man sie sich von einer solchen seltenen Wiederauferstehung einer toten Filmsorte erhoffen würde, werden gleich ganz ausgespart. Ganz schön ernüchternd, gleichwohl nicht überraschend.

Details
Ähnliche Filme