Ja, was ist denn das? Wenn ich diesen Film sehe, weiß ich gar nicht, ob gerade eine Satire, ein Drama, eine Komödie, ein Horrorfilm oder ein Softporno abläuft.
Es mag ja ganz interessant sein, viele Elemente zur Überraschung und Verwirrung des Zuschauers zu vermengen, aber hier ist schwer ein Hauptstrang zu finden.
Der Film beinhaltet jedoch eine ganze Menge an Überraschungen, sowohl positive als auch negative.
Dies ergibt sich im wesentlichen aus der Vermischung von Aspekten und Stilrichtungen, die sich widersprüchlich zueinander verhalten.
Dies fängt bei der langen Besetzungsliste sehr vieler bekannter Schauspieler an. Hier lesen sich so große Namen wie Salma Hayek, Lucy Liu, Burt Reynolds, Ornella Muti, Julian Sands, David Schwimmer (Friends), Rhys Ifans (Notting Hill), Saffron Burrows (Deep Blue Sea), Max Beesley (Tom Jones), wobei aber gerade die erst genannten mehr auf die Nebenrollen verteilt wurden.
Auch eine kleine Rolle in der Eingangssequenz spielt John Malkovich. (Danach ist er nicht mehr zu sehen; wahrscheinlich stand er auf dem Speiseplan des Hotelkochs.)
Diese lange Liste passt nicht zu der Kameraführung, die zwar professionell und deswegen ganz bewusst auf Amateurniveau gehalten wurde. Wenn die Besetzungsliste nicht so bekannt (und der Film mit 112 Minuten nicht so lang) gewesen wäre, hätte ich vermutet, es wäre eine aufwändige Abschlussarbeit eines Filmstudenten gewesen. Dies fällt insbesondere bei dem dargestellten Filmdreh in Venedig im ersten Drittel besonders auf, wenn um die gestellte Szene einige Dutzend Passanten herumstehen und neugierig die Entstehung beobachten.
Das wichtigste zur Handlung (ohne zu viel zu verraten):
Diverse Reisende buchen in einem Hotel in Venedig ein. Das Hotel ist zur Zeit durch eine Gruppe Filmschaffender sehr gut besucht, als da wären der Regisseur (Rhys Ifans), der Produzent (David Schwimmer), ein Drehbuchautor und viele Schauspieler. Im Mittelpunkt dieses Films steht der Filmdreh einer klassischen Tragödie. Dabei gibt es viele Spannungen (oft auch sexuelle) innerhalb der Crew, besonders der aggressive Regisseur macht sich überall unbeliebt. Angeheizt wird die Stimmung noch durch eine aufdringliche Reporterin (Salma Hayek). Ab und zu werden nun Hotelgäste in den Keller entführt, um die Menüauswahl des hauseigenen Restaurants mit Fleischwaren zu bereichern.
Ungereimtheiten gibt es dann einige, wobei ich mich wirklich gefragt habe, wieso eine der zum Ende hin erdrosselten Hauptdarstellerinnen in der sich anschließenden Szene danach so offensichtlich und ganz ungeniert einfach weiter spielt. (Zeitsprünge kamen meiner Beobachtung nach in dem Film ansonsten nicht vor.) Aber es kann auch einfach sein, dass sich der Sinn des Films nicht sofort erschließt.
Eher irritierend wirken dann auch die Bildschirmsplitts, wenn 4 Handlungsstränge gleichzeitig ablaufen. Es geschieht zwar in jeder der Teilhandlungen nicht so viel, dass man der Handlung nicht folgen könnte, jedoch gelingt es einem nicht, sich in die Stimmung einer einzelnen Szene hineinziehen zu lassen, was bei der einen oder anderen Erotikdarstellung ganz nett vorstellbar wäre. So wird einem allerdings der eigene Voyeurismus vorgespielt.
Gerade in letztgenannten können aus diesem Film einige Höhepunkte gezogen werden, weil die (teils recht detailfreudig) angedeuteten Sexhandlungen wirklich neue Ideen enthalten. (Über Rollentausch und lesbische Liebe hinaus gibt es wirklich anregende Phantasien, z. B. wenn aus dem Schritt einer Frau aus pikanter Stelle eine Pistole mit Schalldämpfer gezogen wird.) Dies ist nett anzuschauen (zumal viele Körper sehr schöner Frauen immer wieder in den Mittelpunkt gerückt werden), wenn der Sex nicht zur Nebensache neben den vielen anderen Elementen geraten würde.
Im Gegensatz dazu brauchen Horrorfans diesen Film sicher nicht. Es bleibt bei Andeutungen wie in der Küche verarbeiteter Menschenschnitzel und an der Wand hängenden Gliedmaßen. Schocks sind dabei nicht zu erwarten.
Zu lachen gibt es auch nicht viel, man schüttelt sich eher den Kopf über die Protagonisten, die zu impulsiv handeln, um wirklich realistisch oder gar komisch zu wirken.
Bleibt eigentlich nur das Drama im Mittelpunkt des Films, dass alle Personen im wesentlichen nicht wissen, was der wahre Sinn Ihrer Anwesenheit auf dieser Welt (oder in Venedig) ist.
Schwierig wird es dabei, Identifikationsfiguren zu finden.
Der dargestellte Regisseur als Hauptdarsteller ist so ein fieses Scheusal, dass man sich wahrlich wundert, warum alle Frauen gefühlsgeladen zu ihm ans Krankenbett kommen. So hat dieser, bevor er ins Koma gefallen ist, wahrscheinlich nie so viele Küsse, Angebote, Offenbarungen und auch Sex erhalten.
Die Personen handeln ansonsten nicht gerade logisch, was bei der Machart des Films aber wohl auch gar nicht erwünscht war.
Das eindeutig positive an diesem Film ist also das Experimentelle. Die gewollt amateurhafte Kameraführung lassen einen doch vergessen, dass es sich um Kino handelt. Vielleicht gibt es ja doch so verkorkste Menschen? Wo in meiner Nachbarschaft (in einem Hotel in der Nähe) könnte so etwas Schlimmes wie im Film angedeutet passieren?
Aufgrund der genannten Negativaspekte ist es aber nicht ganz einfach, sich auf diesen Aspekt einzulassen.
Die Machart des Films erinnert insgesamt sehr an die Dogma-Filme, ohne deren Regeln vollständig einzuhalten.
Fazit:
Sehr viele Stars finden sich in einem auf Amateurfilm getrimmten Durcheinander aus Satire, Drama, Komödie, Sex und Horror. Wer weiß, worauf er sich einlässt, kann mit den Abgründen des Alltäglichen spielen. Gewöhnungsbedürftig ist der Film allemal. Nicht jeder wird Lust haben, bis zum Ende dabeizubleiben.
Für mich auf Grund der interessanten Andersartigkeit knappe 7/10.