Es ist ein bisschen wie „Open Water“ in der Arktis, was der finnische Autor und Regisseur Taavi Vartia mit seinem Überlebensdrama anzettelt. Die erzählerischen Möglichkeiten sind folgerichtig begrenzt, doch es gibt einige Ausrichtungen, welche ein intensiveres Mitfiebern unterbinden.
Als die Eiskunstläuferin Emily (Thea Sofie Loch Næss) erwacht, befindet sie sich auf einer Eisscholle treibend im Arktischen Ozean. Weit und breit ist keine Menschenseele, kein Horizont in Sicht und so muss Emily die wenigen Vorräte bündeln, um eine Überlebenschance zu haben…
Eine Person, ein Ziel: Überleben. Das klingt zunächst kompromissloser als es sich anfühlt, denn die junge Frau hat Glück im Unglück. Aufgrund einiger Vorbereitungen für ein Projekt befinden sich einige überaus nützliche Utensilien in ihrem Rucksack: Fernrohr, Thermoskanne, ein Notfallpack, Nähzeug und sogar ein Zelt mit Schlafsack. Hinzu kommt eine Plastikurne mit der Asche ihrer jüngeren Schwester, welche sie an einem besonderen Ort verstreuen wollte, - Plastik ist diesbezüglich ein wichtiges Stichwort.
Die Ausweglosigkeit der Situation wird von der variabel arbeitenden Kamera effektiv eingefangen, denn die weiße Scholle bildet nicht nur einen hübschen Kontrast zum intensiven Blau der Wellen, sie unterstreicht auch die Größe innerhalb der schier endlosen Weite. Und: Sie wird kleiner. Denn Stück für Stück brechen Teile des Eises ab, einmal bricht Emily sogar selbst ein.
Entsprechend werden mögliche Bedrohungen von außerhalb nach und nach abgearbeitet. Recht früh zieht ein Sturm auf, später erhält sie kurz eine Stippvisite von zwei Eisbären. Hier fällt auf, dass sich die Scholle bei jenen Erschütterungen kaum bewegt, während das Mobiltelefon nur einseitig nutzbar ist: Emily kann lediglich angerufen werden, was dann gleich zweimal eintritt. Das zweite, recht lang anhaltende Gespräch bringt zwar ein wenig Tiefgang ins Spiel, doch es beinhaltet schlicht auch einige Unzulänglichkeiten, technisch als auch inhaltlich.
Verlassen kann sich Regisseur Vartia auf Hauptdarstellerin Loch Næss (Der Name ist in Hinblick auf den Schauplatz fast schon Ironie), denn die Darstellerin offenbart eine physisch und emotional glaubhafte Wandlung, die einige Höhen und Tiefen erlebt. Sie vermag das Treiben mit ihrer Präsenz zu tragen und erscheint (mithilfe solden Make-ups) überaus wandelbar. Auch der Score trumpft mit einem starken Hauptthema auf, wobei er insgesamt zu pathetisch anmutet und in einigen Szenen tonal nicht ganz passt, was wahrscheinlich daran liegt, dass er aus irgendeiner Retorte stammt, - zumindest ist kein Komponist auszumachen.
Schade, dass die Dringlichkeit und Intensität der Situation erst gegen Ende etwas greifbarer und spannender ausfällt. Trotz Abspulens diverser prekärer Einflüsse kommt nur ein bedingtes Mitfiebern zustande, was nicht zuletzt an einigen unklugen Entscheidungen des Drehbuchs liegt. Wer ein spezielles Faible für Survival Stoffe hat, dürfte entsprechend mehr Freude an dem titelgebenden Treiben haben als der Rest.
Knapp
6 von 10