Review

Rockstar verdreht Schrauben im Kopf

Maggie Gyllenhaal lässt als zweite Regiearbeit für Warner Bros. die alten Universal Monsterpuppen tanzen, fügt mindestens ein Ausrufezeichen hinzu und gibt dem frankensteinigen Ungeheuer über ein einsames Jahrhundert nach seiner Erschaffung in den amerikanischen 1930ern eine energische Braut an die Seite, die sich ganz sicher nicht nur zur Staffage, Stichwortgeberin und Deko deklassieren lässt, sondern gehörig den Ton angibt… 

Frankie & Bride

„The Bride!“ ist ein Hansdampf in vielen düsteren Gassen. Zu vielen, für meinen Geschmack. Passend zu seinen „Monstern“ ein Flickenteppich der Einflüsse, Themen und Handlungen. Ein aufgesetzter Irrgarten und Irrglaube der feministischen Eitelkeiten. Abstrakt, abstrus, anstrengend. Jessie Buckley ist wieder mal grandios. Auch Christian Bale hat man lange nicht mehr engagierter gesehen. Zu schade nur, dass die beiden zusammen kaum Chemie haben und nur wenig glaubhaft Funken sprühen. Die tolle Ausstattung? Geschenkt. Etliche Nebenhandlungen von gefräßigen Detektiven, gefährlichen Aufständen und zungensammelnden Gangsterbossen? Völlig unterbenutzt und unnötig. Über zwei Stunden Laufzeit? Gerade gegen Ende eine Qual und enorm repetitiv. Die „Mary Shelley-Schleife“? Cool, aber nicht meins. Und nur eine weitere aufmüpfige und spürbar unbedingt gewollte Metaebene mehr. Horror? Fehlanzeige. Gangsterepos? Eher Puppentheater. Musical? Ansatzweise. Aber auch verschenkt im Grunde. Genauso wie Jake Gyllenhaal als charakterloser Stummfilmstar. Dabei waren die filmischen Easter Eggs von Ida Lupino bis „Bonnie & Clyde“ für mich noch mit am konsistent besten. Der Rest ist ein stylischer Spießrutenlauf der halbgaren Ideen und auf Abstand gehaltenen Figuren. Ich hatte nahezu nie genug Interesse oder Zugang zu der wilden Munstermadness. Und habe am Ende erschreckend oft gedacht: „Jetzt müsste das Ganze doch endlich zum Ende kommen… oder? Oder?!“. 

Narbie a Deux

Fazit: Jessie Buckley mit Universal-Allstar-Monster-Rockattitüde, famoses Make-Up und edle Ausstattung, authentische Frauenpower sowie die oft überbordernde wie überfordernde Inszenierung sind eindrucksvoll. Aber man kommt kaum umher allerhand sowohl enorme thematische als storytechnische Unkonzentrationen am eigenen Leib zu spüren… Überall und nirgends. 

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