THE BRIDE! (oder auch „Maggie Gyllenhaal’s Frankenstein“) gilt als erster großer Flop des Jahres 2026 mit rund 14 Mio. weltweitem Einspielergebnis am ersten Wochenende bei rund 140 Mio. Produktions- und Marketingkosten. Das ist allerdings kaum dem Film anzulasten, sondern eher der Erwartungshaltung von Studio und Presse. Denn schon die ersten 5 Minuten von THE BRIDE! reichen aus, um definitiv zu wissen: Dies ist kein Mainstreamfilm, das ist Nischenkino in Reinform.
Wer ahnungsloserweise eine Fortsetzung von Guillermo del Toros steriler Ausstattungsorgie FRANKENSTEIN erwartet hat, wird ebenso enttäuscht wie alle Arthousefreunde, die auf eine Variante von Yorgos Lanthimos’ Female Empowerment Saga POOR THINGS gehofft hatten. Gyllenhaal schnappt sich Motive der Vorlage und eine Handvoll Stars und „runs with it“, wie es so schön im Englischen heißt.
Das filmsüchtige Monster „Frank“ (Christian Bale) wandert seit Jahrzehnten einsam durch die Welt und sucht die Wissenschaftlerin Dr. Euphronious (Annette Bening) auf, um sich eine Partnerin herstellen zu lassen: „That’s insane!“ – „I thought you were a mad scientist!?“. Parallel erleben wir, wie die lebenslustige und trinkfeste Ida (Jessie Buckley) a) vom Geist Mary Shelleys (Jessie Buckley) besessen und b) von Schergen des Mobbosses Lupino (Zlatko Buric) „verunfallt“ wird. Aus der verstorbenen Ida wird „Penelope“ – Frankensteins Braut. Allerdings steht der frisch Erweckten der Sinn weniger nach einem Forschungsaufenthalt in Dr. E.s Labor, sondern nach Party und Frank stellt ihr seine Dienste bereitwillig zur Verfügung. Nach einem gewalttätigen Zwischenfall in einem Club, in dem die androgyne Elektropop-Band Fever Ray einen Auftritt hat, müssen die beiden fliehen.
THE BRIDE! ist keine stringente Erzählung, sondern eher eine Collage (passend zum Sujet könnte man auch „Flickwerk“ sagen) aus cineastischen und popkulturellen Motiven. Neben den offensichtlichen Referenzen zu Fred Astaire & Ginger Rogers-Musicals, den THIN MAN Filmen (Penélope Cruz spielt die Detektivin „Myrna Malloy“), BONNIE & CLYDE sowie deutschem Post-Expressionismus (Plakate weisen auf „Bauhaus in Weimar“, „Merz“ und „Dada“), kann man, wenn man will, auch zeitgenössischere Werke wie BIRDS OF PREY, JOKER und FOLIE Á DEUX gespiegelt sehen. Und natürlich wird auch der Frankenstein-Mythos ordentlich auseinandergenommen und neu zusammengesetzt, wobei der Film glücklicherweise näher an Mel Brooks ist als an del Toro. Zu dessen in Ehrfurcht und Pose erstarrten FRANKENSTEIN bildet der chaotische THE BRIDE! ein willkommenes Gegenstück.
Jessie Buckley, gerade noch im Tränendrüsendrücker HAMNET zu sehen, rotzt sich herrlich durch ihre Rolle, sowohl physisch als auch verbal, wechselt zwischen Gangsterbrautvokabular und „Shelley-Tourette“, wenn die Autorin immer mal wieder durchbricht und folgt konsequent ihrem Verweigerungsmantra aus Melvilles „Bartleby“ – „I would prefer not to“.
Natürlich kann man diesen Feminismus ausgestellt finden, was viele Kritiker:innen auch taten, doch diese Stimmen kommen aus einer ähnlichen Richtung, die Emerald Fennells „WUTHERING HEIGHTS“ Substanzlosigkeit vorgeworfen haben. THE BRIDE! ist ebenso wie Fennells Brontë-Verfilmung plakatives Erlebniskino und sollte als solches wertgeschätzt werden. Wir können froh sein, dass es Filme dieser Art heute noch gibt.