Ballerinchen
„Pretty Lethal“ ist ein weiterer komplett weiblich gefärbter Actioner im Fahrwasser von „Ballerina“, „Black Widow“ oder den wesentlich exotischeren „Baby Assassins“. In dieser aufgesetzten Amazonproduktion muss sich ein Gruppe amerikanischer Balletttänzerinnen aus einer gewalttätigen Kaschemme im ungarischen Hinterland bewegen, ballern und balgen… Klingt bescheuert - ist es auch. Aber ist genau diese comichafte Überzeichnung und das direkte Zumpunktkommen vielleicht seine größte, so nicht direkt erwartete Stärke? Selbst wenn vieles wie ein freches und faules filmisches Derivat wirkt?!
Black Swan… kicks Ass?!
Einerseits hat mich „Pretty Lethal“ minimal positiv überrascht. Ohne das Label „Amazonfilm“ könnte das sicherlich auch als fluffig-frecher Rausschmeisser auf dem Fantasy Filmfest laufen. Kurz, schmissig, teils äußerst saftig und nie auch nur ansatzweise ernst zu nehmen. Mit femininer Kante passend zum Zeitgeist. Ein paar der Ladies haben Charisma und untereinander Chemie, ein paar der Actionchoreos sind bonkers und brutal genug, ein paar WTF?!-Momente werden bereitgehalten und zuverlässig abgefeuert. Dazu Uma Thurman in B-Movie-Spiellaune, ein paar pushende 90s-Remixe, durchaus genauso sehr nischig wie mainstreamig. Aber im Endeffekt? Für den hohlen Zahn. Die Mädels bekommen kaum Charakterisierung, Sinn macht das Ganze nie, Ziel hat das Ganze nie, bleibende Wirkung hat das Ganze nie. Komplett Oberfläche und Splatterspektakel, nichts dahinter. Von Besseren geklaut und auf 12 gedreht, dabei Fett abgesaugt und letztendlich wenig getaugt. Schneller vergessen als ins Tutus geschlüpft. Eher ein Witz als ein ausgewachsener Actioner. One-Piroutte-Pony. Und ja, manchmal schmunzelt man. Aber trotzdem geht der Daumen nie dauerhaft hoch. Dazu ist diese suppende Schlachtplatte einfach zu dünn und dumm. Obwohl Letzteres ja nichts Schlechtes sein muss.
Ich bleibe lieber bei Nikita…
Fazit: Amazon ballert weiterhin eher Quantität als Qualität. Und selbst in diesem stumpfen Pulk ist „Pretty Lethal“ nur ein (kurzweiliges) Mauerblümchen. Einzig eine Actionsequenz ist wirklich stark - der Rest ist getrimmte Genreactionstangenware. Kleiner Pluspunkt für Uma Thurman. Und Millicent Simmonds. Und ich mag, dass die Laufzeit nicht ausartet. Und manch einen Eurodance-Needledrop… Okay, wenn man das so liest vielleicht doch mehr als ich mir eingestehen will. Rosa Room. Trotzdem kein guter Film. Aber immerhin meint er nicht mehr sein zu wollen als er ist. Im besten Fall eine funtastische, female Fingerübung, im schlechtesten Fall eine Kopie der Kopie der Kopie.
P.S.: Auffällig gestern Abend bei „Pretty Lethal“ war die nervige, dreifache (!) Werbung in meiner Amazonversion - absolut furchtbar, den eigentlich knackigen Film unnötig dehnend und ich bin froh den Driss gekündigt zu haben!