Karen Silkwood arbeitet wie ihr Freund Drew Stephens und ihre Freundin Dolly Peliker in der Plutonium-Fabrik "Kerr-McGee" in Cimarron, Oklahoma. Tagtäglich werden sie nach der Arbeit auf Strahlenbelastung kontrolliert. Als eines Tages der Zeiger bei Karen ausschlägt, glaubt man zuerst an einen technischen Fehler. Nach und nach stellt sich allerdings heraus, dass der Störfall am Wochenende wohl doch nicht so harmlos war, wie man glauben machen wollte. Da Karen angehende Gewerkschafterin ist, geht sie der Sache nach und bittet um Aufklärung. Allerdings stößt sie auf erbitterten Widerstand von Seiten der Fabrikleitung. Sie hat nur noch eine Chance, den Weg an die Öffentlichkeit.
Silkwood ist ein durchaus intensives biographisches Drama, das soweit präzis wie möglich das Leben der real existierten Arbeiterin wiederspiegelt. Das Geschehen ist dabei alles andere als reißerisch oder überzogen dramatisiert, sondern spielt sich beinahe ruhig ab. Zunächst etablieren wir anfangs heile Welt (bis auf die drei Kinder die bei ihrem Ex hausen), die Wohngemeinschaft mit aktuellem Freund und Cher als beste Freundin funktioniert gut, die Arbeitsbedingungen sind zwar hart, aber die Kollegen halten zusammen und so funktioniert das Gebilde zunächst.
Was sich dann aber zügig ändert, das beginnt mit verstärkten Doppelschichten und aus daraus resultierenden Fehlern zu immer mehr Unfällen durch Strahlenverseuchung, von denen dann auch Karen betroffen ist. Um die katastrophalen Zustände von Arbeitern und Material engagiert sie sich gewerkschaftlich und isoliert sich dadurch nicht nur von der Betriebsleitung, auch die Kollegen wenden sich von ihr und ihrer Neugier ab. Privat verläßt sie darauf ihr Freund und auch ihre Mitbewohnerin schafft sich ein neues lesbisches Betthäschen an.
Alles dreht sich in eine Spirale und am Ende wird Karen kurz bevor sie Beweise an die Presse weitergeben kann (wobei auch der Film deutlich macht, das nie klar wurde ob diese Beweise wirklich existierten) zu Streeps selbstgesungenem Amazing Grace zu einem tödlichen Autounfall genötigt. Der Film deutet dies zwar so an, aber auch dieser Fakt ist historisch nicht belegt. Das ganze wird sehr glaubwürdig durch die tollen Darsteller dargebracht, auch wenn durch die lange Laufzeit und dem einen oder anderen unnötigen Subplot sich auch manchmal ein wenig Langeweile einstellt.
Dennoch erfüllt der Film sein Ziel, die Darstellung ist authentisch und glaubhaft sachlich. Zudem bekommt hier der Voyeur erst- und letztmalig Einblicke in die Bluse der Streep und wer immer schonmal Cher ungeschminkt sehen wollte ist hier richtig. Den dollen Indianerwitz erzähle ich privat auch immer noch gerne weiter, aber ansonsten ist Silkwood eher schwere Kost und für einen lustigen Partyabend denkbar ungeeignet.
6/10