Review

Was laut Plakat ein geradliniger SciFi-Actioner sein müsste, hält mit ersten Irritationen nicht lange hinter dem Berg. Aus dem Flashback eines „Mandroiden“, der zugleich als Hintergrundschmuck für den Vorspann dient, schält sich eine unerwartete Rückblende in die Welt von Asterix. Überforderte Römer schützen sich mit ihren Schilden gegen einschlagende Laserstrahlen aus dem Arsenal der technisch überlegenen 80er Jahre, während der Androide unruhig seine elektrischen Schäfchen zählt. Wir lernen: In „Eliminators“ geht es nicht einfach nur um Cyborg-Technologie und den damit verbundenen Krawall primitiver Actionfilme, sondern um Zeitreisen – und die erlauben bekanntlich die absonderlichsten Mischformen dessen, was das grenzenlose B-Universum zu bieten hat.

Patrick Reynolds, der dem „Mandroiden“ zumindest eine Hälfte seines Gesichts leiht, steigt dann auch gleich mit unangemessenem Ernst und verstellt tiefer Stimme in die Sache ein. Die Mundwinkel eifern jenen eines Judge Dredd nach, die an Plastik reiche Kostümierung vermittelt ähnliche Eindrücke. In einer Schere zwischen „Terminator“ (1984) und „RoboCop“ (1987) ist Reynolds’ Figur der evolutionäre Brückenteil, den die Filmgeschichte mit der Zeit geflissentlich unter den Teppich gekehrt hat. Ein harter Hund mit den Genen der Schwarzenegger- und Stallone-Garde, der aber auch einen Hauch Michael Biehn in sich trägt – trotz seiner stählernen Härte gewissenhaft, emotional, revoltierend gegen den Status Quo.

Was das absurde Drehbuch aber tatsächlich mit ihm vorhat, kann er noch gar nicht ahnen, als er zu Beginn der Geschichte von seinem Erschaffer hintergangen wird. Wie auch, wenn Produzent Charles Band normalerweise selbst kaum eine Vorstellung davon hat, was er da in Auftrag gibt, solange bloß die Vermarktung das rote Knöpfchen bei der Zielgruppe trifft.

Obwohl in der Exposition noch im klassischen Stil haufenweise Schergen in Zinnsoldaten-Haltung über den Haufen geschossen werden, obwohl also alles nach plangemäßer Ergänzungskost für James-Cameron-Fanboys aussieht, nimmt Peter Manoogian am Steuer bald unberechenbaren Kurs auf ungewöhnliches Terrain. Mit etwas Fantasie erkennt man in der Route des vermummten Hi-Tech-Soldaten jene Einträge in die Jean-Claude-Van-Damme-Filmographie, in denen er sich als tödliche Kampfmaschine auf dem Land vor seinen Verfolgern tarnte (etwa in „Ohne Ausweg“ oder eben „Universal Soldier“)… nur dass ein Van Damme eben im Direktvergleich der deutlich buntere Hund war, ein solcher, bei dem die Musik zu spielen aufhört, wenn er einen Saloon betritt. Bei Reynolds kann man phasenweise sogar glatt mal vergessen, dass er zum Main Cast gehört… seine Tarnqualitäten sind also, wenn man es positiv umschreiben möchte, auf einer echten Eliteschule geformt worden.

Mehr Eindruck hinterlässt an Reynolds’ Seite Denise Crosby („Friedhof der Kuscheltiere“) im Tanktop. Crosby, die ein Jahr später ins Star-Trek-Universum einsteigen würde, zeigt auf der Abenteuertour durch mexikanisches Flussgebiet nicht bloß Wet-T-Shirt-Qualitäten, sondern darüber hinaus auch solche in Sachen Führung. Sie stiehlt dem wortkargen Krieger aus Fleisch und Plastik recht schnell die Show, auch weil sie die Einzige ist, die so etwas wie schauspielerisches Potenzial andeutet. Zu dem ungleichen Duo gesellt sich einige Szenen später noch ein kaspernder Andrew Prine als Bootskapitän, der für jeden Szenenübergang stets einen dummen Spruch auf Lager hat. Als dann bereits auf der Schlussgeraden noch Conan Lee („Lethal Weapon 4“) als Scherenschnitt-Ninja kostümiert hinzustößt, kommen sogar Zauberer-von-Oz-Vibes auf – nicht nur, weil sich Kapitel für Kapitel ein Quartett unterschiedlichster Gestalten komplettiert, sondern auch, weil das ganze Drumherum längst nichts mehr mit dem Kansas zu tun hat, wie es Action-Afficionados ihr Wohnzimmer nennen würden.

Denn zu diesem Zeitpunkt ist längst eine Art Bill-und-Ted-Paralleluniversum mit Actionfiguren, explodierenden Fässern und Weltherrscher-Größenwahn entstanden, das in dem ungewöhnlich hellen Ambiente spanischer (und Mexiko imitierender) Gebirgs- und Flusslandschaften äußerst exotisch wirkt. Die Action selbst ist abgesehen von ein paar saftigen Explosionen nicht allzu spektakulär, dafür aber ziemlich abwechslungsreich. Manchmal geht es so primitiv zu wie in einem Spencer-Hill-Prügler (Auftritt Peggy Mannix, die als Mannweib mit hochgekrempelten Flanellärmeln eine ganze Bar zu Kleinholz zerlegt), manchmal so futuristisch wie in „Star Wars“ (wenn hellrote Zahnstocher durch die Luft lasern und dabei manchmal Statisten theatralisch zu Boden gehen, die gar nicht getroffen wurden). Zwischendrin ist noch Zeit für handfeste Stunt-Action mit Motorbooten (eine durchaus rare Spielart in der Kunst der Verfolgungsjagd) und ein paar memorable Extra-Gimmicks. Der fliegende Mini-Roboter S.P.O.T. macht als dynamischer Spezialeffekt zum Beispiel der mechanischen Eule aus „Kampf der Titanen“ (1981) Konkurrenz. Nicht zu vergessen sei der fahrbare Einmann-Panzer-Untersatz, mit dem unser lieber Mandroid am Anfang eine ganze Kompanie auslöscht. Und man ist sich sicher, Skeletor hätte mit dem Elektro-Lasso des fiesen Abbott Reeves eine Menge Spaß gehabt.

Überhaupt dreht Roy Dotrice als wahnsinniger Wissenschaftler in den letzten Minuten so richtig schön auf. Als Super-Julius mit Rückbezug auf die Römer-Sequenz heizt er unserem Helden noch einmal ordentlich ein, bevor es zu einer überraschend gut sitzenden letzten Pointe kommt, die durchaus Anteil daran hat, dass sich während des Abspanns von “Eliminators” aka “Destroyers” ein Gefühl der Zufriedenheit in den Eingeweiden ausbreitet. Nicht etwa wegen einer untergegangenen Genre-Perle, die um jeden Preis wiederentdeckt gehört. Oder gar wegen missachteter Filmkunst, der mehr Aufmerksamkeit gebührte. Aber „Eliminators“ aka “Destroyers” schafft es dann doch, gewisse Erwartungen völlig zu untergraben, um alternative Geschichtsschreibung nach dem Zufallsprinzip anzubieten – und somit ein wenig Abwechslung von der Formel sicher.


(5.5/10)

Details
Ähnliche Filme