Review

Es ist, als würde man einen Kaffee mit demselben Pulver innerhalb von kurzer Zeit noch einmal aufgießen: Die Masse im Filter ist noch warm, doch das Ergebnis verwässert doch merklich. Insofern hätte es den sprichwörtlichen Aufguss von Regisseur Adam Davidson wahrlich nicht gebraucht, der sämtliche Zutaten des Vorgängers noch einmal in die Runde wirft.

Nachdem die Kunststudentin Alex (Amélie Hoeferle) von ihrem Dad Danny (Ryan Phillippe) aus den Fängen einer Sekte unter der Führung von Stanley (C. Thomas Howell) befreit wurde, sinnt dieser auf Rache. Alex wird erneut entführt und Danny muss alle Geschütze auffahren und auf seine Erfahrungen als Soldat zurückgreifen…

Immerhin wird der Vorlauf im Vergleich zum Vorgänger in der Hälfte der Zeit abgehandelt. Nach einer Viertelstunde wird das soziale Umfeld von Alex abgesteckt und mit vagen Zukunftsplänen ausgestattet und auch Danny erhält ein lukratives Jobangebot von einem ehemaligen Kameraden, der im Verlauf jedoch keine Rolle mehr spielt.

Danach geht es direkt ins Sektendorf, wo Danny zunächst mit einer klugen Strategie auf einem Boot zu Werke geht, um danach auf den Pfaden von MacGyver zu wandeln und einige Fallen präpariert. Folgerichtig gibt es deutlich weniger Nahkämpfe und etwas mehr Heranpirschen einerseits und das Erkunden etwaiger Fluchtmöglichkeiten andererseits. Das raubt der Chose ein wenig die Dynamik, obgleich das Tempo trotz kleiner Durchhänger tauglich ist. Das moralische Dilemma eines jungen Paares in der Sekte bringt derweil einen Ansatz von Tiefe ins Spiel.

Leider verzichtet Davidson auf das Einbinden von Landschaftsaufnahmen, der Survival-Charakter von Chapter One geht weitgehend verloren, der Schauplatz des Dorfes wirkt arg reduziert. Gleichzeitig mangelt es an kreativen Einfällen und maßgeblichen Überraschungen. Bereits zur Halbzeit lassen sich ziemlich sichere Wetten auf diejenigen abschließen, welche wahrscheinlich vorzeitig das Zeitliche segnen dürften. Dazu passt auch der eher antiklimatisch gestaltete Showdown, welcher erschreckend wenig Action beinhaltet.

Folgerichtig lässt „One Mile: Chapter Two“ im Vergleich zum Vorgänger deutlich nach. Die Dringlichkeit des Erstlings wird kaum mehr erreicht, spannende Passagen bleiben überschaubar und trotz okayer Darstellerleistungen sind die Figuren weitgehend oberflächlich gezeichnet. Allein die kurze Laufzeit von 76 Minuten bis zum Abspann verdeutlicht, dass man aus beiden Teilen locker einen hätte basteln können.
Knapp
5 von 10

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