Das Gulaschkanonensyndrom
Der ungewöhnliche Genrehit der ungarischen Kinosaison erzählt von einer unscheinbaren Frau, die in eine weirde Familie gekidnappt wird, die behauptet, sie hätte schon immer dazugehört. Und nach anfänglicher Folter fangen die „Umerziehungsmassnahmen“ an zu fruchten - und zu bluten…
Familienfest in Budapest
Erstaunlich, zumindest auf den ersten Blick, dass dieses garstige Kammerspiel in Ungarn zum absoluten Kinoerfolg mutiert ist und durch alle Altersklassen und Gesellschaftsschichten sensationell ankommt. Vielleicht liegt’s auch etwas an den gänzlich ungarischen Feinheiten, Eigenheiten, Gemeinheiten. Ich finde ihn aus internationalerer Sicht weitaus weniger reizend. Aber auch nie schlecht. Unsere Hauptdarstellerin spielt aufopferungsvoll und facettenreich, der grau-kargen Wohnung als hauptsächlichen Schauplatz werden zumindest ein paar nette Winkel und Klaustrophobien entlockt. Aber vor allem die gesellschaftskritischen Parallelen und Metaphern zu Ungarn im Moment sind massiv und mutig. Und trotzdem mäandert „Feels Like Home“ für meinen Geschmack über die ambitionierte Laufzeit doch arg im Kreis - und wirkt höchst vorhersehbar auf mich. Das ist sehr subjektiv, vielleicht kann ich persönlich solche Kidnapkrimis a la „Good Boy“, „Berlin Syndrome“ oder „Prisoners“ einfach auch nicht mehr sehen, sie ähneln sich alle sehr. Und „Feels Like Home“ müsste da dann doch mit etwas weniger Mainstream und etwas mehr Boshaftigkeit um die Ecke kommen, um mich abzugreifen. Seine menschliche, freiheitliche und politische Bewandtnis und Daseinsberechtigung hat er aber gerade aktuell absolut.
Mord im No-Rent-Express
Fazit: Kidnapkammerspiel mit ungarischer Kante, top Hauptdarstellerin und unangenehmen Momenten. Trotzdem recht lang, recht dröge, schon recht oft ähnlich gesehen.