Polish Giallo Misfire
Der womöglich erste oder zumindest so beworbene Giallo aus Polen weckt starke Erinnerungen u.a. an Michele Soavis "Deliria" aka "Stagefright" und erzählt von einer Theatergruppe, die es eines nachts während Proben mit einem mysteriösen Serienkiller und okkulten Ritualen zu tun bekommt...
Aquariuszka
Zwischen Argento und Carpenter... würde "Dead by Dawn" glaube ich sehr gerne landen. Stolpert dabei aber ein ums andere Mal über die eigenen Füße und Unzulänglichkeiten. Nicht falsch verstehen, richtig mies ist das nicht, noch dazu bin ich dafür leicht empfänglich und sehe erste, späte internationale Giallogehversuche super gerne. Das muss man eigentlich unterstützen. Und "Dead by Dawn" hat sogar klasse Styletricks auf dem Kasten. Aber insgesamt als Geschichte und Erlebnis kann er es leider nicht mit seinen Vorbildern aufnehmen. Nicht ansatzweise. Minderbemittelt und mittelmäßig. Er wirkt sehr verquasselt und verquast, sehr aufgesetzt und artifiziell, sehr zusammengetackert und nicht im Flow, sehr flach und platt. Das sind alles giallo-typische Attribute bzw. können dies zumindest sein. Aber bei "Dead by Dawn" fallen sie irgendwie mehr auf und mehr ins Gewicht. Oft näher an Musikvideos als an Filmen, oft näher am Totalausfall als am Hit, gerade hintenraus dann total gefangen in seinem eigenen Exzess und Unsinn. Zuerst passiert wenig bis nichts und dann kommt man kaum noch mit und schaltet geistig etwas ab. Ein Piroggislasher mit zu wenig Power, zu wenig Sinn, zu wenig Konzentration, zu viel Stückwerk. Eher attraktiv ausschauende Szenenfolge als griffiges Gesamtbild. Irgendwo in der polnischen Pampas und dem nichtssagenden Niemandsland zwischen Astron-6 und Cattet/Forzani. Theaterstück der Eitelkeiten und menschlichen Einzelteilchen. Von mir aber dank ureigener Giallosympathien mit Geduld und Gnadenerlass gerade noch abgenickt. Coole Killermaske zudem. Und ein paar echt famose, saftige und kreative Kills. All das hilft und sind erste Schritte. Komplett zusammen kommt's für mich aber nicht. Manchmal Pina Bausch, manchmal prima Rausch, manchmal wieder Graus.
Nonsense, Nichtsnutz, Notlösung, Naturgewalt
Fazit: Polnisch, stylisch, mutig... aber leider nicht mörderisch gut. Trotzdem mit netten Ansätzen, klasse Kills und dichter Atmosphäre, eine schnittige Stilübung. Aber eben noch nicht ganz der große Wurf. Zu polnisch-katholisch zugeknöpft obendrauf.