Viel Theater um… viel?
Nachdem mir Kristoffer Borglis beiden letzten Filme („Dream Scenario“ und „Sick of Myself“) exzellent gefallen haben und diese sowohl körperlich als auch psychologisch bzw. seelisch mehr Aktuelles auseinandergenommen haben als jeder „gute Geschmack“, „der Zeitgeist“ oder „die oberen Zehntausend“ eigentlich erlauben wollten, kommt mit „The Drama“ nun fast noch eine Hollywoodstufe höher eine starbesetzte und wie zu erwarten äußerst schwarze „Heiratskomödie“ mit Zendaya und Robert Pattinson, in der ihre Figuren kurz vor der Hochzeit mit düsteren und alles verändernden Geheimnissen konfrontiert werden… Und pünktlich zum Start der Hochzeitsfarce (bei der ich unterstreichen will, wie sehr man „Komödie“ in Anführungszeichen packen muss!) kommen alte Sünden des Regisseurs hoch und wird eine kleine Schmutzkampagne gegen ihn gefahren… Zufall? Marketing? Plan? Verschwörung? Bullshit? Ein Schelm wer Böses dabei denkt. Aber bleiben wir bei seinem neuesten Werk, das schon an sich genug bieten sollte, um darüber zu reden - und das man sogar mindestens indirekt mit den realen Ereignissen in Wechselwirkung stellen kann…
Masken & Matrimoniales
Während seine beiden vorangegangenen Würfe noch ganz klar genrefestivaltauglich waren, kommt „The Drama“ kaum noch fantastisch oder horrortechnisch daher. Es sei denn man zählt die schwarze Dramödie dazu, denn in dieser Beziehung hat diese stilvolle Hochzeitsgaudi schon Biss, Abgründigigkeiten, Boshaftigkeiten und auch (überzeichneten aber eher realeren) Horror. Borgli traut sich definitiv an Polarisierendes oder gar Tabus der aktuellen Zeit, das beweist gerade auch auf der metaphorischen Ebene „The Drama“, der einige Gemüter erhitzen sollte. Nicht anders als ich es von ihm im besten Fall erwartet habe. Schön auch, dass sich die beiden Stars dafür „hergeben“. Vom immer deutlich schelmischen und kaum einen Fick gebenden Pattinson war das zu erwarten, von der erweiterten Disneyprinzessin Zendaya (trotz „Euphoria“!) nicht unbedingt. Umso schöner, dass hier beide nach und nach nahezu alle Bremsen rausnehmen und ihre schauspielerischen Kessel ordentlich dampfen lassen. Ein bisschen Woody Allen meets Gus Van Sant. Mit einem Schuss Ruben Östlund. When Charlie met Emma. Die Themen spielen „zufälligerweise“ auch auf Borglis aktuell private und ganz reale Situation ein. Sie sind sehr amerikanisch, aber auch universell und vor allem aktuell, ohne diese aus Spoilergründen alle benennen zu wollen. Aber in Zeiten wo Facebook-Timelines von vor 15 Jahren durchforstet werden, kein Geheimnis mehr geheim bleibt, liebend gerne vorschnell Karrieren und ganze Menschen gecancelt wurden, jede halbwegs dreckige Wäsche hervorgekramt und durchgekaut wird - sogar die, die man nur vor hatte in den Dreck zu werfen! - drückt „The Drama“ rund um Scheinheiligkeit, Verzeihen und gesellschaftliches Geläster schon teils brutal auf einige wunde, ganz unromantische Punkte. Für mich hätte er (gerade in letzter Konsequenz) noch böser, schmerzhafter, bitterer und körperlicher werden können. Aber auch so tut das Teil durchaus weh. Gerade wenn sich ein „ganz normales“ Kinogängerpärchen in ihn verirren sollte und ahnungslos eine generische, versöhnliche RomCom erwartet…
(T)Reuegelübde
Fazit: Bellt der oder beißt der schon? Borglis neuester filmischer Gedankenanstoss ist definitiv interessant und hat seine bitterbösen Momente. Aber mir persönlich davon zu wenig, es hätte noch heftiger ausarten dürfen. Aber das ist nur mein Geschmack.