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Ein junges Paar reist mit dem Wohnwagen durch England, als sie am Wegesrand zwei junge Tramperinnen entdecken. Harriet kommen sie sehr seltsam vor, ihrem Freund jedoch zunächst nicht. Sie übernachten in unmittelbarer Nähe eines alten Schlosses, dass die beiden jungen Damen bewohnen. Was sie nicht ahnen ist, dass Fran und Miriam, als Anhalterinnen getarnt, Männer zu sich locken, da sie Vampire sind. Auch der Durchreisende Ted erliegt dem Charme von Fran und erwacht am nächsten Morgen mit einer tiefen Schnittverletzung am Arm in ihrem Bett. Ohne lange Vorgeschichte kommt der Film zur Sache und steigert sich nach verhaltener erster Hälfte zu einem großartigen Horror-Drama, das auch angesichts der expliziten Szenen eine herbe Steigerung durchmacht. Das Schicksal des Gefangenen, der wie in einem Spinnennetz der attraktiven Freundinnen sitzt, spitzt sich immer mehr zu, bis er, mit sichtlich blasser Gesichtsfarbe, tief geschwächt seine Bestimmung als Blutlieferant erkennt. Anleihen bei Bram Stokers Roman gibt es also schon, wenngleich der Graf Dracula, wie der irreführende Alternativtitel vermuten lässt, gar nicht auftaucht. Lediglich kleine Verweise, wie der betäubende Wein aus den Karpaten und die klassische Schlosskulisse erinnern an die Vorlage. Dagegen gibt es in den Kellergewölben, in denen die Vampirinnen schlafen, keine Särge, ein ausrangiertes Sofa tut es auch. Das Drehbuch scheint den Mythos des Genres zu verschlingen und spuckt an dessen Stelle einen glänzenden, modernen Horrorthriller aus, der zudem mit guter Kamera in Szene gesetzt ist. Erstaunlich sind nicht nur die sehr offenen Erotikszenen für die damalige Zeit, sondern auch die unüblichen Blutbäder, die die beiden anrichten. Während sich die Hammerstudios meistens mit harmlosen Beißereien begnügen, wird hier ohne Fangzähne das Blut geleckt, wenn die beiden mit diversen Werkzeugen ihre Opfer aufschlitzen. Die Männer dienen nur als Opfer der lesbischen Blutorgien, die weiblichen Vampire sind hinterher wie in Ekstase erstarrt. Eine erotische Grundnote kann man diesem bemerkenswerten Film wohl kaum absprechen, ohne in billige Sleazegefilde eines Jess Franco z.B. zu verfallen. José Ramón Larraz versteht es ausgezeichnet, einen Spannungsbogen aufzubauen, der den Zuschauer fesselt und wohl einen der ersten Vampirfilme drehte, der fernab von Knoblauch und Kreuzen die Blutsauger in die heutige Welt überträgt. Wer einer gelungenen Verbindung von konventionellen und modernen Elementen offen gegenüber steht, sollte sich "Vampyres" unbedingt einmal ansehen, Freunde des Vampirfilms sowieso.

Fazit: Erotischer und blutiger Kracher des modernen Vampirfilms. Geheimtipp! 8/10 Punkten

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