„Durch all die verdammten Bücher wurde die Welt vernichtet!“
Im Jahre 1983, zwischen seinen beiden populäreren „The Riffs“-Filmen, entstand Italo-Filmemacher Enzo G. Castellaris weiterer Endzeit-Actioner „Metropolis 2000“, niedriger budgetiert, aber stärker an „Mad Max II“ orientiert. Die deutsche Bearbeitung stiftet unnötig Verwirrung: Eigentlich spielt die Handlung im Jahre 2019, in der Bearbeitung ist es – warum auch immer – 2012 und im Titel gar 2000, vermutlich weil es weniger sperrig klang…
„Wir werden alles Leben auf dieser Welt vernichten, wo es sich auch verkrochen hat!“
Wann genau auch immer also wurde die Zivilisation durch einen Nuklearkrieg weitestgehend dahingerafft. Übriggeblieben sind einige Misanthropen, die sich zu den Templars zusammengeschlossen und es sich zum Ziel gesetzt haben, die Menschheit endgültig auszurotten. Ihr Anführer ist der bärbeißige One (George Eastman, „Man-Eater“), berüchtigt für seine Brutalität und Gnadenlosigkeit. Auf bewaffneten Gefährten durchkämmt man die Einöde auf der Suche nach Opfern. Nicht länger mitansehen will all das der abtrünnige Ex-Templar Scorpion (Giancarlo Prete, „Der schwarze Leib der Tarantel“), ein Einzelkämpfer im Kampfvehikel, der sich in brenzligen Situationen der Unterstützung des explosiven Bogenschützen Nadirs (Fred Williamson, „The Riffs – Die Gewalt sind wir“) sicher sein kann. Neben ein paar Plünderern existiert auch noch eine Christenkarawane, zu der Scorpion und Nadir die junge, verletzte Alma (Anna Kanakis, „Fireflash – Der Tag nach dem Ende“) bringen, die sie vor den Templars gerettet haben. Da One es jedoch besonders auf Scorpion abgesehen hat, befinden sich auch die Christen in unmittelbarer Gefahr…
„Eitelkeit, meine Freunde, war schon immer ein schlechter Herrscher!“
Wir haben es hier mit einem typischen Vertreter der in Kieskuhlen gedrehten „Mad Max II“-Rip-Offs zu tun, der insofern alles richtig macht, als er auf kuriose Schauwerte und Action en masse setzt. Castellari lässt sogleich mit einem Action-Spektakel inklusive einiger Fiesheiten beginnen. Eastman alias One zerreißt eine Bibel. Zeit sich zu orientieren bleibt zunächst kaum: Wer ist wer genau und hat warum mit wem eine Fehde? Die Antwort ist ebenso erwartungsgemäß wie glücklicherweise nicht sonderlich komplex: Vornehmlich geht es um Scorpion versus die bösen Templars. Dass mit Scorpion auch nicht gut Kirschenessen ist, sollen vermutlich die zahlreichen kurzen Schnitte auf den Blechschädel an seinem Auto verdeutlichen. Ständig macht irgendwas (Knarren und Karren) lustige pseudofuturistische Geräusche und die Fantasieuniformen tragenden Templars haben verdammt witzige Frisuren bis hin zu rosa Strähnchen. Unterlegt wird das Spektakel mit treibenden Synthesizerklängen Claudio Simonettis.
„Sie hören auf die Worte eines gewissen... 'Gott!‘“
Der aus „Das Haus an der Friedhofmauer“ bekannte Giovanni Frezza tritt als neunmalkluges Kfz-Mechatroniker-Balg mit sympathischer natürlicher Lache auf, Eastman reißt fiese Fratzen und ist mitverantwortlich für einige grafische Gewaltspitzen – und sogar eine stylische Sexszene im grün illuminierten Zelt fand in den Film. Ein besonders irrer Drehbucheinfall ist der Umstand, dass die Templars zunächst gegen den Willen Ones hinter Scorpion her sind: One will seinen Widersachen und ehemaligen Verbündeten höchstpersönlich demütigen, wozu er schließlich auch Gelegenheit bekommt: Er pimpert ihn in den Popo! Dazu passt dann auch irgendwie, dass die Templars bisweilen ohnehin mehr wie ein Tuntenballett wirken. Auch Scorpions transparente schusssichere Weste würde sich gut in manch Fetischkleiderschrank machen. Auf der Skala des unterhaltsamen Trashs schlägt „Metropolis 2000“ recht weit oben aus.
„Du kämpfst, du tötest, bist auf der Flucht... aber das Leben ist anders!“
Doch auch in Sachen Action lässt man sich wahrlich nicht lumpen: Nadir hat mit seinen explodierenden Pfeilen viele zerfetzte Templars auf dem Gewissen und sorgt für (ok, mehr oder weniger) spektakuläre Spezialeffekte, aber auch andere schenken sich nichts, es wird kräftig abgemurkst. Hinzu kommen diverse aufsehenerregende Stunts und Kampfchoreographien, in denen Castellari (der einen Cameo als Verletzter in einem Autowrack hat) gänzlich unironisch sein Talent als Actionfilmer unter Beweis stellt. Irritierenderweise zeigt er den zerstörerischen Angriff auf die Christenkarawane überhaupt nicht, steuert aber nichtsdestotrotz auf ein großangelegtes Finale zu, das in ein Duell nach Italo-Western-Vorbild mündet. Hier geht’s dann noch mal richtig rund.
„Es gibt nur eine einzige Wahrheit: Tod!“
Was sich hier filmisch manifestiert, ist einerseits eine typische Exploitation des Endzeit-Action-Sujets, andererseits aber auch ein Paradebeispiel für die krude Ideenvielfalt des italienischen Genrekinos und ihren Hang zu Übertreibungen bis in die Selbstpersiflage hinein. Da „Metropolis 2000“ dabei nie den Unterhaltungswert aus den Augen verliert, fügen sich die einzelnen Versatzstücke zu einem der überdurchschnittlichen Vertreter des Subgenres zusammen, dessen Ton von Eastmans geschauspielertem Wahnsinn und seinen mit dem ganz groben Keil geklöppelten antihumanen Aussagen bestimmt wird, die im amüsanten Widerspruch zur bunten Verspieltheit und androgynen Erscheinung seiner Templars-Gang stehen. Wer möchte, kann diesbzgl. jedoch evtl. einen zur Homophobie und Proreligiosität tendierenden Duktus herauslesen oder zumindest darüber nachdenken.