SchleFaZ hat für mich immer einen fiesen Beigeschmack. Nicht etwa wegen der Filmauswahl oder gar der Moderatoren an sich (die ja auch nur die Erwartungen des Publikums erfüllen), sondern wegen der Gehässigkeit, mit der Trashfilme statt ironisch durch den Kakao bösartig durch den Dreck gezogen werden. Entspricht halt nicht der Haltung des Fandoms, die die Filme ja trotz oder gerade wegen ihrer Eigenarten mag.
Dennoch muss man den Herren Rütten und Kalkhofe einerseits hoch anrechnen, dass sie ein wahres B-Film-Revival ausgelöst haben, was andererseits auf die Filmauswahl zurückzuführen ist: "Metropolis 2000" von Enzo G. Castellari ist vielleicht etwas handzahmer als so mancher andere Endzeitfilm seiner Zeit, aber mit einer ansteckenden Liebe zum Detail und Zeitlupenszenen angereichert und damit ein idealer Einstieg in das kiesgrubenlastige Subgenre des pistapokalyptischrn Filmes. Und alles, worin Fred Williamson und George Eastman mitspielen, die Protagonist Timothy Brent hier eiskalt die Show stehlen (sorry, Tommy) ist meines Erachtens nach sowieso immer mehr als nur einen Blick wert.
Den Atomkrieg, der laut deutscher Fassung 2012 die Erde ruiniert haben soll habe ich scheinbar verpennt. Die Raidergang des charismatischen One (Schorsch Ostmann) hat das entstandene Chaos jedoch dazu angestiftet, sich als freiwilliges Entvölkerungskommando dem Rest der aussterbenden Menschheit entgegen zu stellen, um für gerechte Strafe für den Weltentrümmer zu sorgen. Wogegen Eine Bande nomadischer christlicher Fundamentalisten naturgegeben was hat. Verdammte Spaßbremsen.
Ex-Templer und Rumtreiber Scorpion geht das ganze Kräfteringen um die Macht beim Chillaxen mit seinem minderjährigen Automechaniker und Söldnerkumpel Nadir (Frieder Willhelmsen) gehörig am Arsch vorbei. Zumindest solange, bis die letzte unentsteinte Kirsche der Sekte vor den Mord Üben in seine Arme flieht. Ab da muss revoluzzt werden und auch One, Scorpion Ex-Häuptling, hat mit seinem einst liebsten Schützling mehr als nur ein Huhn zu rufen. Was man nicht alles für seine Liebste durchsteht...
Ist das versteckte Christenpropaganda im "Mad Max" - Gewand? Würde fast schon Sinn machen, wenn man One und seine modisch gekleideten Neopunk-Raider mit ihrer Bibelablehnung und offensichtlich homoerotischen Neigung als fahrenden Untergang des Abendlandes betrachtet und die altbacken angezogenen Fundies als Vertreter veralteten Kirchentums deutet. Ich nehme mal an, dass Castellari und sein Drehbuchautor Tito Carpi nicht so weit gedacht haben, aber mir fällts auf. Davon ab, dass es mir egal ist, weil ich von der Art Film nur eines verlange: strahlenheiße Kiesgrubenaction für Kenner. Und davon bietet der Film mit seinen Laserknarren, Todesventilatoren und Sprengpfeilen reichlich.
Wie gesagt bleibt unser Hauothansel Scorpion leider etwas farblos, während man Keule Nadir und Frenemy One noch heute problemlos als Actionfiguren in jedes Comicladenregal stellen könnte. Fick ja, ich würd's kaufen! Leider gilt das auch für den Score von Claudia Simonetti, der nicht schlecht, aber weit unter den kreativen Möglichkeiten des Maestro ist. Da hat jemand viel Kraftwerk gehört, stellenweise zu viel. Für Castellari-Ultras: bei Scorpion erster Autofahrt mit seiner neuen Herzensdame schmettert das Bikerrequiem aus "The Riffs - Die Gewalt sind wir!" im Hintergrund. Geschickter Querverweis oder unverschämtes Recycling? Auf jeden Fall freu ich mich immer, daß Stück zu hören.
So richtig batshit crazy wird der Film seltener als seine Artgenossen, aber der Unterhaltungswert ist definitiv da und das Castellari - Gütesiegel dank solidem Stuntwerk und massig Zeitlupe mehr als verdient. Geeignet für Kinder jeden Alters ab 18 ist "Metropolis 2000" der ideale Einstieg für Neutrasher, die brennende Schrottplätze und Modellbaustädte, gepanzerte Golfautos und dreckigen SM-Sex in Raiderquartieren mögen. Oder mögen könnten. Ich komme jedes Mal wieder voll auf meine Kosten und schaue den Film gerne als falliutbestäubtes Odoevre zu einem weiteren Castellari oder ein anderes tolles Weltuntergangswerk.