Hokum Spokum Geisterbus
Mit „Caveat“ und vor allem „Oddity“ hat Regisseur Damian McCarthy schon zwei unkomplizierte, spaßige und morbide kleine Horrorperlen in den letzten Jahren aus der unheiligen Taufe gehoben. Nun ist er mit seinem bisher ambitioniertesten Projekt zurück. In „Hokum“ erzählt er irgendwo zwischen Silent Hill, Stephen King und den „Geschichten aus der Gruft“ von einem Horrorauthor, der in/an einem abgelegenen irischen Waldrandhotel die Asche seiner verstorbenen Mutter verstreuen will. Doch die wenigen Bediensteten sagen dem psychisch wie kreativ etwas struggelnden Horrorschreiberling schnell, dass der Geist einer Hexe in dem Hotel hausen soll und es wirkt eh als ob dort jeder eigene Geheimnisse hüte…
Zimmer 14OhNein!
Während die bisherigen zwei Filme des Regisseurs recht straight und simpel waren, kommt mir „Hokum“ auf vielerlei Ebenen wesentlich komplexer vor. Vielleicht manchmal zu verschachtelt und labyrinthisch für sein eigenes Gut. Und trotzdem mag ich „Hokum“ (sehr). Adam Scott passt in diese schwierige wie schmierige Rolle, auch wenn ich ihn sonst bzw. allgemein eher nicht so mag und auch auch für keinen allzu kompetenten Darsteller halte. Und trotz dieser Widerstände funktioniert „Hokum“. Teils exzellent. Das Hotel hat eine dunkle Aura. Einige Shots aus den Gewölben und Kellern sind echt höllisch. Hier und da gibt’s aber auch mal quirligere bis humorvollere „The Innkeepers“-Vibes. Und dass man bei einem solchen Szenario selbstredend auch immer an das Overlook Hotel denken muss, versteht sich von selbst. Auch wenn Kubricks Schatten und Schuhgröße natürlich immer auch gefährlich für ein solches kleineres Projekt sein können. McCarthy und „Hokum“ haben jedoch genug Eigenständigkeit und Selbstvertrauen, um solche Zweifel abzuwehren oder gar solchen Vergleichen zumindest die meiste Zeit standzuhalten. Es ist immer wieder erstaunlich, was ein versierter Regisseur mit einem solchen Szenario, das auf dem Papier gar nicht super weit von den „Insidioussen“ und „Conjurings“ dieser Welt entfernt ist, anfangen und auf die Beine stellen kann. Atmosphäre, Jumpscares, Backstory, Mysterien, Traumata, Metaphern, Erzählebenen, Geister, Emptionales. Hier hat fast jede Ingredienz den richtigen Anteil. Ein gutes Gruselgericht. Hier stösst wenig übel auf, hier ist die Neugier und die furchterregende Faszination immer gegeben. Vielleicht macht die Geschichte wie gesagt und manch ein verflochtener Nebenschauplatz den ein oder anderen unnötig komplizierten Schlenker zu viel. Was „Hokum“ meiner Meinung nach - trotz etlicher z.B. auch technischer Fortschritte - auch nicht deutlich besser macht als beispielsweise „Oddity“. Aber die meiste Zeit bin ich Adam Scotts Figur sehr gerne in diese hoteltechnischen wie seelischen Abgründe gefolgt.
Honeygroom Suite No.Fear
Fazit: Purer, simpler, (im Kern) geradliniger, effektiver Horror. Böse und gut. Damian McCarthy hat seinen Stil gefunden. Und er kann’s einfach - das ist sein bisher aufwändigster Film! Obwohl er storytechnisch vielleicht etwas unnötig ausgefranst wirken kann und ich ganz subjektive Probleme mit Adam Scott habe. Trotzdem ist „Hokum“ eine Empfehlung.