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Nicht jeder Regisseur lässt sich verbiegen – das der Sprung nach Hollywood gleich jede Kreativität aus einem aufstrebenden Künstler saugt, ist eine Binsenweisheit, für die es diverse eindeutige Gegenbeispiele gibt. Das aber die Amerikaner lieber ein Shot-by-Shot-Remake sehen als einen untertitelten Film aus einem fremden Land scheint eine bewiesene Tatsache zu sein und das nicht erst seit gestern. Der israelische Regisseur Boaz Davidson ist sicher keins dieser Talente, die ihren Biss scheinbar genau dann verlieren wenn der kommerzielle Erfolg kommt, wie es anscheinend mit George Sluizer, Dick Maas oder Ole Bornedal geschah. Davidson ist ein B-Filmer mit gutem Gespür für die kostengünstige Realisierung und gewinnbringende Vermarktung seiner Werke, bis heute war er als Produzent, Regisseur und Autor an einer langen Reihe unterschiedlichster Filme beteiligt. In seiner Filmografie finden sich zu einem großen Teil trashige Action-, Sci-Fi- und Horrorfilme aber auch einige größere Filme wie „King of California“, „Mad Money“ oder Brian De Palmas „The Black Dahlia“.

Seinen bekanntesten Film als Regisseur inszenierte er aber bereits 1977 mit „Eis am Stiel“, einer Coming-of-Age-Komödie, die das Gesicht des Genres für immer verändern sollte und deren Nachwirkungen noch heute überdeutlich zu sehen sind („American Pie“, „Superbad“ u.v.m.). Leider verlor die schnell größer werdende Filmreihe schon nach dem zweiten Teil ihren Reiz, da die Teile von nun an in deutsch-israelischer Koproduktion entstanden. Davidson selbst machte den großen Reihbach obwohl er bereits nach dem vierten Teil als Regisseur ausstieg. Bevor er aber seine eigene Reihe – die mit Einführung des typisch deutschen Schenkelklopferhumors ihre Identität verlor und zur gänzlich uninteressanten Ansammlung von Kalauern verkam – verließ, übernahm er die Regie zum amerikanischen Remake seines erfolgreichsten und klar besten Films als Regisseur.

Da der Originalfilm aus Israel aber bereits ein internationales Flair versprühte und von der amerikanischen Popkultur der 50er Jahre nicht nur musikalisch entscheidend beeinflusst wurde stellt sich schon von vorne herein die Frage nach der Notwendigkeit einer Amerikanisierung des Stoffes, der ohnehin allgemeine Gültigkeit besitzt. So kommt es wie es kommen muss und der Zuschauer bekommt noch einmal das Gleiche auf Englisch serviert, ohne jegliche interessante Modifizierungen der Geschichte. Auch wenn die Handlung leicht anders montiert wurde stammt doch jede Szene aus dem bereits bekannten Filmmaterial, das Davidson in anderer Anordnung präsentiert, wobei einige Szenen auch den ersten beiden Fortsetzungen entstammen. Nicht nur durch die Eigenplagiierung lahmt der Film, auch der ausgetauschte Cast macht keinen guten Eindruck. Die Natürlichkeit der israelischen Darsteller wird zu keiner Zeit erreicht und in seiner krampfigen Künstlichkeit erinnert „The Last American Virgin“ eher an die Nonsensfilme „Porky’s“, die nahezu zeitgleich entstanden.

„Eis am Stiel“ profitierte nicht nur von seiner authentischen Atmosphäre, auch der flotte Rock N Roll Soundtrack erlangte schnell Kultstatus. Obwohl es sich ausschließlich um populäre, zeitgenössische Originalmusik aus der Zeit handelt, in der die Handlung spielt, bestimmte dieser Sound entscheidend den Charakter des Films. Von dieser beschwingten Rockmusik, die einer neuen Generation das vermeintliche Opa-Gedudel vorstellte und in deren Partykultur neu integrierte, ist nichts mehr zu hören im Remake. Da die Handlung diesmal nicht in der Vergangenheit angesiedelt wurde sondern in der Entstehungszeit, den frühen 80ern, spielt, geht die musikalische Ausrichtung auch eher in Richtung Popmusik dieser Dekade. Genauso wie die unbekannten Darsteller fühlt sich auch diese Veränderung einfach ‚falsch’ an und unterstreicht die Belanglosigkeit einer Neuauflage, vor allem so kurz nach dem Originalfilm.

Dennoch überrascht es, wie unbeschadet „Eis am Stiel“ die Amerikanisierung überstanden hat – trotz der bekanntlich prüden Filmindustrie der Amerikaner muss Davidson nicht auf ausgiebige Nudity verzichten. Ganz so weit wie der moralisch sehr lockere Vorgänger geht „The Last American Virgin“ letztlich nicht, doch selbst das pessimistische und melancholische Finale wurde genauso unbeschadet übertragen wie die heikle Abtreibungsthematik und der unverblümte Blick auf jugendliche Sexualität. Da die Handlung etwas komprimiert wurde kann Boaz Davidson das Tempo etwas erhöhen, Fans seiner alten Filme kann er aber wohl kaum erreichen mit diesem wenig eigenständigen Produkt, das der Regisseur wohl nutzte um wieder in den USA arbeiten zu können und dort entsprechende Kontakte zu knüpfen.

Fazit: Durchaus unterhaltsam, leidlich komisch und routiniert in Szene gesetzt ist das mit durchschnittlichen Schauspielern besetzte Remake zum israelischen Kulthit in jedem Fall. Alle Stärken resultieren jedoch einzig aus der starken Vorlage und da die Modernisierungen der Geschichte mehr schaden als nützen, stellt sich einmal mehr die Frage, ob das Ganze denn wirklich hätte sein müssen. Als einzig gültige Antwort muss ein entschiedenes ‚Nein’ folgen, doch Boaz Davidson sei es verziehen, sein Remake ist eh längst vergessen während „Eis am Stiel“ in den Herzen der Fans weiter lebt.

04 / 10

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