Eines offenbart der Thriller von Regisseurin Rebecca Thomas recht früh: Digitale Sicherheit wird augenscheinlich nie jene ersetzen, die per Hand geschaffen wird. Ein Fotoalbum im Schrank ist nicht so offen wie der Speicher in einer Cloud und ein separat liegender Zettel nicht so einsichtig wie eine App mit Pins. Insofern macht es sich der Stoff über weite Phasen recht einfach, bevor er im finalen Akt zu einigen Wendungen übergeht.
Cole ist ein Hacker, Tüftler und Betrüger. Per Laptop ergaunert er diverse Summen von Unternehmen, bis er eines Tages vom Portier Oscar überrascht wird. Dieser fordert ihn dazu auf, den wohlhabenden Geschäftsmann Bilson um eine beträchtliche Summe zu erleichtern, doch dieser beschuldigt anschließend seine junge Geliebte Sarah. Und ausgerechnet in jene hat sich Cole verguckt…
Natürlich ist es nicht leicht, mit einem Nerd und Einzelgänger zu connecten, der gleich zum Einstieg unter vorgehaltener Waffe einen Typen vor sich hertreibt, um anschließend abzudrücken. Denn ansonsten verabscheut er Gewalt, lebt in einfachen Verhältnissen und sieht sich selbst offenbar als eine Art Robin Hood, der zumindest in Notlagen anderer einspringt. Als er über verschiedene Wege versucht, eine horrende Summe innerhalb einer kurzen Frist zu ergaunern, kommt immerhin ein wenig Tempo auf und eine Dringlichkeit wird ins Spiel gebracht, die zuvor fehlte.
Sobald Sarah mehr in den Mittelpunkt der überschaubaren Konstellation rückt, verwandelt sich das Treiben zusehends in einen Noir und man mag dieser Person in Anbetracht einer möglichen Femme Fatale nur bedingt trauen. Glücklicherweise wird nicht allzu viel Zeit in den Aufbau einer Romanze gesteckt, vielmehr fokussiert sich die Chose auf den Showdown und einigen damit verbundenen Wendungen.
Allzu viele unerwartete Verstrickungen sollte man allerdings nicht erwarten, denn dafür bleibt die Zusammensetzung des Figurengefüges zu überschaubar und einige Absichten sind bereits im Vorfeld erahnbar. Dennoch kommt es beim Finale zu interessanten Entwicklungen und nicht jedes Schicksal scheint absehbar, was die Geschichte trotz vorheriger Simplifizierungen ein wenig aufwertet.
Darstellerisch ist unterm Strich nichts auszusetzen, inszenatorisch gibt es keine Auffälligkeiten, nur in Sachen Action hätte man an der einen oder anderen Stelle etwas mehr einbauen dürfen. Letztlich hält sich der Spannungsgrad in Grenzen und trotz kleinerer Twists liefert der letzte Akt keine sonderlichen Offenbarungen. Wer Heist Movies mag, könnte insofern einen Blick riskieren, sollte jedoch nicht mehr als solide Kost erwarten.
5,5 von 10