Mit einer satten Laufzeit von rund zwei Stunden kommt der Spionage-Actioner von Autor und Regisseur Ryoo Seung-wan daher, welcher früh die Grenzen zwischen Gut und Böse zieht. Ohne die routiniert in Szene gesetzte Action im finalen Akt wäre er allerdings beinahe zum Langweiler mutiert.
Der südkoreanische Geheimagent Zo ist tief geknickt, als er eine Informantin bei einem Einsatz verliert. Als ihn ein neuer Auftrag nach Wladiwostok führt, um einen Menschenhändlerring aufzuspüren, knüpft er Kontakt zur Kellnerin Chae Seon-hwa, die eine weitere Verbindung zu einem Agenten aus Nordkorea zu haben scheint…
Immerhin wird der nicht zu übersetzende Titel relativ umgehend erklärt. „Humint“ setzt sich aus Human Intelligence zusammen und bezieht sich im Groben auf das, was von Agenten in prekären Situationen erfordert wird. Und Zo gerät recht früh in eine solche, als er die Informantin aus den Fängen schmieriger Schergen zu befreien sucht, wonach innerhalb der ersten zehn Minuten einige Action im Spiel ist.
Danach ist allerdings eine recht ausgiebige Durststrecke angesagt. Kurze Gesangseinlagen und andere Musikdarbietungen in einem Restaurant führen rein gar nicht weiter und auch einige oberflächlich dargestellte Aktionen der Menschenhändler führen zu keiner direkten Konsequenz. Vielmehr greift man bei der Konstellation auf einige Klischees zurück, die vom korrupten Staatsmann bis zum fast schon obligatorischen russischen Bösewicht führen, der mit seinen blondierten Haaren auch optisch sogleich hervorsticht.
Dazwischen wird eine Menge taktiert, was leider ohne Action vonstatten geht. Zwar punktet ab und an die eisige Atmosphäre an einigen Drehorten in Lettland und der Score, routiniert vom Studio Babelsberg orchestriert, etabliert trotz eisiger Gefilde ein wenig Wärme, doch bis der Stoff an Fahrt aufnimmt, muss man sich weit über eine Stunde gedulden, wenn endlich jene Fäden zusammenlaufen, die sich bereits weit im Vorfeld abzeichneten.
Entsprechend kommt es zu einigen Schusswechseln mit zahlreichen Kollateralschäden, zwei konkurrierende Fahrzeuge auf schneebedeckter Fahrbahn bringen ebenfalls Dynamik ins Spiel und bezeichnenderweise wird in der letzten halben Stunde fast ausschließlich schwer geatmet, jedoch kaum mehr gesprochen. Inhaltliche Überraschungen sind bei alledem nicht zu erwarten, der Ausgang vermag hingegen einigermaßen zufrieden zu stimmen.
Während das Spionage-Ding speziell im Mittelteil einigen Leerlauf beinhaltet, retten Atmosphäre, das solide agierende Darstellergespann und die finale Action ein wenig. Ein wenig Geduld sollte man angesichts der ausladenden Laufzeit jedoch mitbringen.
Knapp
6 von 10