Ausgedehnte Westernerzählung als Aufgriff und Weiterführung der Ideen von S. Craig Zahler; hier nur für das Drehbuch zuständig, eine Bearbeitung von Harry Whittington, die Regie jemand Anderem überlassen und die Umsetzung, Übersetzung und Übertragung, Travis Mills in der (von u.a. Pat Garrett jagt Billy the Kid und McCabe & Mrs. Miller inspirierten) Verantwortung. Ein 130 Seiten Skript in 18 Drehtagen abgefertigt, produziert durch Bonfire Legend in erweiterter Verbindung mit u.a. Voltage Pictures und Running Wild Films, mehrere Stätten sich zusammengeschlossen zum Stemmen dieser Produktion, eine gemeinsame Energie, welches die Geschichte auch vonnöten hat, da ausgedehnt auf zwei Stunden ist. 1872 und Arizona sind die ersten Eckdaten, eine Spinne vertrieben von der Satteltasche, sie nicht getötet, sondern Barmherzigkeit gezeigt. Eine auslegbare Schwäche, eine Menschlichkeit, die Unsicherheit auch des Nachts in der Prärie, alleine noch und voller Furcht und dies zu Recht auch, beobachtet wird man und erschossen von vorn. Ein erster Gewalteinbruch, nicht nur mit den Colts agiert, sondern auch anderen Werkzeugen, die Finger abgeschossen und das Gesicht mit einem Schneide- und Hackwerkzeug massakriert:
Spätes 19.Jahrhundert. Der ehemalige Soldat Merrick Beckford [ Myles Clohessy ] bekommt von der US Army durch Major O'Rourke [ William H. Macy ] den Auftrag, lebenswichtige Medikamente quer durch das Apachengebiet nach San Carlos, Arizona zu transportieren, was er nach ersten Zögern mit zwei Mauleseln und einem Wagen in Angriff nimmt. Vier Tage auf der Reise trifft er auf die Überbleibsel einer Attacke der Ureinwohner, dem angehenden Siedlerehepaar Valerie Butler [ Mary Stickley ] und Jeff Butler [ Eli Brown ] sowie deren Begleitung, dem Führer "Mule" Charlie McKee [ Thomas Jane ], seinem Partner Edmund [ Armie Hammer ] und seinem Sohn Billy [ Ryan Masson ]. Jeff ist schwer verwundet und braucht akute medizinische Versorgung sowie einen Moment der Ruhe, der Rest würde mangels Pferd und Wagen gerne mit Merrick mitfahren. Aber in die andere Richtung.
Einiges an Besetzung hat man hier aufzuweisen, vieles in den Zusätzen, die Bilder größer auch, die Farben kräftig, das erste Terrain John Ford, der Monument Valley Tribal Park, hier die Wiederholung und das Update und die Variation, ein Epos angestrebt und eine Elegie, ein Kavallerieritt durch die Prärie in beeindruckenden Visualitäten. Die Landschaft lebt und ist Mitspieler, ein erhabenes Gemüt, der Rahmen der Geschichte und ihr Mittelpunkt, eine Romanadaption nach "Desert Stake-out", 1961 vom 'King of the Pulps' veröffentlicht, Whittington u.a. auch für das routiniert inszenierte, etwas oberflächliche Begierde im Staub (1960) zuständig, und den Abenteuerfilm Schwarzes Gold (1962) und den europäischen Western Adios Gringo (1965), der Blick zurück und der Blick nach vorn. Im Verleih von Well Go USA auch im Kino gelaufen und dort hingehörend, ein Western in der vollen Ausgestaltung und Ausführung, sich zuweilen übernehmend, aber sich zumindest versuchend und bemühend. Schlagworte fallen, die Soldaten, die Ureinwohner, eine Seuche, ein Nachschub, eine Verstärkung nötig. Ein Mann mit Erfahrung und Führung wird benötigt, ein Mann mit Sicherheit und Ahnung, mancherlei Szenen hier deutlich auch dies benötigend und mehr Handhabe als möglich ist und erreicht wird; es ist doch nicht Ford, es werden nur Andeutungen daran erweckt und Erinnerungen, der große Western der Fünfziger und der Jahrzehnte danach und davor.
Woanders wird zu einem weiteren Massaker geblickt, tote Tiere und tote Menschen verstreut in der Gegend, nur Wenige noch lebend, nur Wenige noch stehend, der Konvoi zerstört und brennend, das Ende eines Apachenüberfalls, die Ergebnisse gezeigt, die eigentlichen Taten nicht. Hier und da besetzt durch einige prägnante Gestalten, durch Jane und Macy und auch durch Hammer, welcher hier sein Kostüm aus Lone Ranger (2013) aufträgt und auch in der Vergangenheit lebt, eine Zusammenkunft von Cowboys, die Waffen stets gezückt oder zumindest im Anschlag. Die Worte einsilbig, die Sätze kurz und zuweilen unerbittlich, die Warnungen deutlich, das erste Abklopfen und Abtasten, die Vorsicht hoch und stetig. Nähe wird nicht gesucht, sondern die Distanz gewahrt, auf lange Distanz gegangen auch, der Schutzschild oben, den eigenen Leuten nicht trauend, aus den früheren Zeiten gelernt. Viele Blicke in die Gesichter hier, in die Augen, eine langsame Heranführung an die Begebenheiten, die Mythen aufleben lassend und mit ihnen spielend, die Szenen genossen und die Schauplätze und dort länger verharrend auch, eine andauernde Wundversorgung zu Beginn.
Der Überfall der Indianer inmitten der unendlichen Weite nur ein Akt von vielen, auch nicht der Anfang von allem, die Handlung aber dadurch erweiternd und ihr Figureninterieur, das zusammengelegte Ensemble, die unterschiedlichen Charaktere und ihre Absichten. Verdeckt gehalten werden die Motive eingangs, es wird sich anderweitig vorgestellt, es wird mit Bedacht gehandelt und bedächtig, es wird der amerikanische Heimatfilm gepflegt. Die Schönheit der Natur ist mit im Vordergrund, die Unberührtheit und ihre Gefährlichkeit auch, das Einmischen des Menschen in die Belange Anderer und die entsprechende Reaktion, die diversen personellen Stränge, erste Feindseligkeiten selbst bei Bekannten und erste strukturelle Probleme, vor allem die Hierarchie untereinander kennzeichnet. Relativ behutsam geht die Regie dabei vor, es könnte anfänglich auch ein Theaterstück in Sand und Gestrüpp und zwischen riesigen Felsbauten sein, die Konversation und Verhaltensweisen prägend. Wo in der Einleitung die Spinne noch behutsam weggeschoben wird, wird in einer späteren Szene ein Insekt aus schlichter Laune heraus gequält, überhaupt gibt es einige violente Momente, die Operation einer Kugel aus dem Leib heraus, mit dem Messer und dem Finger in den Eingeweiden, gellende Schmerzensrufe und wildes verkrampftes Geschreie. Ein Erwachsenenstück, eine dornige Angelegenheit, im aktuellen Genre gleichzeitig zu den besser gestellten Fabrikaten gehörend wie auch zu dessen Einzelheiten, der Western seit Horizon - Eine amerikanische Saga (2024) wieder abgeklungen zuletzt, gerade auch die B-Picture Vertreter, die Direct to Video - Variationen, welche arg nachgelassen nach zwischenzeitlichen Höhenflügen. So wird hier erneut eine darbende Gattung bedient, typischer als beispielsweise in Killing Faith (2025), weniger aufmerksamkeitsheischend als Zahlers eigener Bone Tomahawk (2015), irgendwo dazwischen (gedreht an den Wasserbuchten am Watson Lake in Prescott, Arizona) auf der Lauer liegend.
Veteranen wie Jane speziell und auch Hammer, der hiermit nach längeren Hiatus erneut gecastet wurde und dies ohne groß Aufmerksamkeit zu generieren und dies auch sicherlich nicht zu wollen, sind dabei relativ hilfreich in der Orientierung, die Gesichter rau, die Hände blutig, die Figuren das Überleben gewohnt und das Milieu kennend, die Rasten kurz, die Begebenheiten schmerzlich. Ein ausdauerndes Heranpirschen, um Aufmerksamkeiten ringend, mal die Kontaktaufnahme zu einem eigentlich feindlichen Stamm, den man mitten im Gespräch von hinten angreift, nicht die erste Bluttat, aber die Eröffnung zu Mehr. Das eigene Grab wird sich geschaufelt, man weiß es nur noch nicht, man ist gehandicapt durch die Mitstreiter und die eigenen moralischen Grenzen und Gegebenheiten, eine längere Reise mit vielen Halten und Verzögerungen erzählt und Porträts der sich darauf befindlichen Personen bemüht. Mit Ruhe gefilmt und mit Ausdauer und dies auch vom Zuschauer verlangend, ein Warten und eine Akquisition, stets die Hand an der Waffe oder nahe dran, zwischendurch sich in der Schnelligkeit beim Ziehen erprobt, bis dahin eine ausgedehnte Zähigkeit. Die Sonne brennt, die Hitze knallt, keinem wird einem freiwillig oder gar für länger der Rücken zugedreht, zwischendurch ein Kreuz im Staub gefunden, das Kennzeichen eines gewaltsamen Todes, die Erinnerung an einen früheren Mord, an eine extreme Bluttat, ein Overkill, der Horror sät und traumatisches Grauen, welcher sicher nicht nach nur zwei Jahren vergangen ist; sondern sich potenziert hat und deutlicher noch geworden ist. Eine Begehung ausgetretener, ausgerittener Pfade und gleichzeitig abseits des Weges auch, mancherlei Wiederholungen dargereicht, erneute Erklärungen, einige durchschaubare darstellerische Leistungen, gerade die und dies nun auffällig auch der begleitenden Frau, dazu ein unnötig moderner Soundtrack, eine Country-Balladen-Einspeisung, die fehl am Platze wirkt und die Atmosphäre aufbricht statt sie zu unterstützen, die Anpassung an Sehgewohnheiten unnötig und unnütz. Über das Töten wird gesprochen, über die Existenz an der Grenze und in der Wüste, über die Vergangenheit und das Werden jetzt, Angebote gemacht und Abwägungen und Verlockungen. Ein Belagerungs-Western, ein vornehmlich dramatischer Aspekt, geschossen wird spät und nur wenig.