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Wahrscheinlich würde man über den Einstand einer neuen deutschen Krimireihe hinwegsehen, wenn sich das Ermittlerduo nicht direkt vor den Externsteinen befinden würde. Da horcht ein gebürtiger Lipper natürlich auf und selbstverständlich wurde im Juni 2025 von Dreharbeiten rund um Detmold berichtet. Mal sehen, ob der eigentliche Fall mit den Lokalitäten mithalten kann.

Ein vermeintlicher Selbstmord an den Externsteinen beschäftigt das Geschwisterduo Paula (Hanna Plaß) und Leon (Jakob Benkhofer). Da der Tote eine nicht tödliche Schnittverletzung aufweist, gehen die Ermittler von Mord aus. Ihre Ermittlungen führen sie in rechte Kreise und eine Verschwörung, in deren Fokus eine junge Frau (Philine Schmölzer) zwischen die Fronten gerät…

Keine zwei Minuten und die Externsteine geraten in den Fokus des Geschehens, als der junge Mann ohne ersichtliche Fremdeinwirkung aus fast 50 Metern Höhe in den Tod stürzt. Etwas ungelenk werden danach die ungleichen Ermittler eingeführt: Paula zog soeben von Bremen nach Detmold zurück, während sich Leon daheim um den kranken Vater kümmerte. Etwas Zank ist da vorprogrammiert und es scheint noch ein Geheimnis in der Vergangenheit zu geben.

Der Fall selbst streckt seine Fühler indes etwas zu weit aus und versucht dennoch, die Welt in Lippe eher klein und überschaubar zu halten. Augenscheinlich korrupte Unternehmer wissen über bestimmte Vergangenheiten Bescheid, ein Dachdecker scheint irgendwie seine Finger im Spiel zu haben, ein Gastronomenpaar ist sich uneins über das Schicksal der Tochter und auch die Staatsanwältin hat sich einige Ziele gesteckt, da ein Wahlkampf ansteht. Da verliert das Treiben zwischenzeitlich ziemlich deutlich das eigentliche Ziel aus den Augen und irgendwann wird komplett unter den Teppich gekehrt, dass im Kofferraum des Opfers eine überdurchschnittlich hohe Menge an Nitrat gefunden wurde. Auch über eine mächtige Terrorzelle wird spekuliert und man wirft deutlich mehr Fakten in den Raum als eigentlich notwendig sind.

Immerhin bleiben die Ermittler bodenständig und obgleich der Zank mitunter zu sehr dominiert, erscheinen beide auf ihre unterschiedliche Art sympathisch. Gleichermaßen gibt es eine Handvoll Verdächtiger und somit die Möglichkeit potenziellen Mitratens, allerdings eher weniger des Mitfieberns, da es über weite Teile an Dringlichkeit und Tempo mangelt. Bis auf ein, zwei kleine Actioneinlagen körperlicher Natur ist da nicht allzu viel auszumachen und auch das Blutvergießen hält sich in Grenzen. Es wird jedoch ein wenig unheimlich, als Böswillige mit Wildschweinmasken zur Tat schreiten und man gar nicht weiß, welche Ziele die verfolgen mögen.

Handwerklich ist dem in Krimidingen überaus erfahrenen Regisseur Bruno Grass nichts anzukreiden. Routiniert lässt er Luftaufnahmen markanter Sehenswürdigkeiten einfließen und obwohl das Hermannsdenkmal gar nicht Schauplatz des Geschehens ist, kann man zumindest noch die Credits beim Abspann daneben platzieren. Der Score ist sauber abgestimmt und auch darstellerisch wird solide abgeliefert und erfrischenderweise mit eher unbekannten Gesichtern gearbeitet.

Dennoch hält sich die Spannung in Grenzen und wiewohl einige brisante Themen behandelt werden, bleibt die finale Eskalation aus und es werden nicht so große Kreise gezogen wie eingangs vermutet. Für einen Einstieg vielleicht etwas zu überambitioniert, um diverse Themen innerhalb der 88 Minuten angemessen zu behandeln, aber zumindest fühlen sich hier Ostwestfalen relativ gut zu Hause.
6 von 10



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