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Mit "System ohne Schatten" hat Regisseur Rudolf Thome, der heute sicher vor allem durch die Krimigroteske "Rote Sonne" bekannt ist, einen kühlen, kontemplativen Film gedreht, der wohl nur oberflächlich als Thriller bezeichnet werden kann. Denn es sind zwar typische Handlungselemente vorhanden, aber Thome zeigt sich desinteressiert, sobald komplizierte Einbrüche (die man in den 60ern in allen Details im Rahmen der "Heist Movies" präsentierte) oder Verfolgungsjagden anliegen. Diese Szenen werden kurz und nüchtern abgehandelt.

Dafür gibt es ausgiebige Einlagen der Musikerin und "Performance-Künstlerin" Laurie Anderson und der Trommel-Truppe "Die Vikinger", die jedoch nicht langweilig werden, sondern meditative Momente bilden, die letztlich einen Raum zur Reflexion des Filmgeschehens bieten und den Zuschauerblick nicht wie gewohnt ständig an den Hauptdarstellern kleben lassen, sondern ihn auch in die Umgebung schweifen lassen, so dass die Geschichte der Hauptfiguren etwas bruchhafter wirkt.

Bruno Ganz spielt gewohnt zurückhaltend und leicht mysteriös. Er verkörpert möglicherweise das Unbehagen, mit dem hier dem scheinbar auf lange Sicht unberechenbaren Phänomen Computer in den frühen 80ern gegenübergetreten wird. Die Dialoge, die sich damit befassen, mögen heute etwas naiv wirken. Aber vielleicht ist die Furcht, dass "die Computer" sich einmal über den Menschen erheben und selbständig-intelligent über dessen Schicksal entscheiden, nur verdrängt und nicht gänzlich ausgeräumt.

Die von Martin Schäfer eingefangenen Bilder aus Berlin, der Bodenseeregion (hierzu wird auch die interessante Geschichte vom "Reiter und dem Bodensee", als Ballade von Gustav Schwab bekannt, nacherzählt), Luzern und Zürich sind oft düster, wirken aber nicht kalt, so wie auch der Film insgesamt keinen genuin pessimistischen Blick auf die Menschen hat. Das wird vor allem anhand der Liebesgeschichte zwischen Faber und Juliet deutlich, die sehr sensibel und mit dem Schwerpunkt auf kleinen Gesten gezeigt wird. Aber auch an Melo, der sich dazu bekennt, Schwierigkeiten beim Unterdrücken seiner Eifersucht auf die beiden zu haben.

Ein für seine Thematik sehr ruhiger Film, der unterschwellig die Furcht reflektiert, von technischen Systemen, die für den einfachen Menschen und irgendwann auch für ihre Erfinder nicht mehr beherrschbar sind, beherrscht zu werden, aber auch emotionale Interaktion als Domäne des Menschen hervorhebt.

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