Einer, wenn nicht DER Klassiker aus John Carpenters Oeuvre. Zumindest was die Nicht-Horrorfilme des Altmeisters betrifft, ist „Die Klapperschlange“ einsame Spitze und setzte neue Referenzen im Action-Genre, wobei es sich eigentlich mehr um eine düstere Sci-Fi-Utopie im Thrillerformat handelt.
Bei Carpenter lässt sich die Story für gewöhnlich kurz und knackig zusammenfassen: Im Jahr 1997 ist New York ein gigantisches Hochsicherheitsgefängnis, in das unglücklicherweise der US-Präsident mit einer für die Menschheit lebensnotwendigen Kassette abstürzt. Verbrecher Snake Plissken wird gezwungen, ihn innerhalb von 24 Stunden aus den Klauen des „Dukes“, dem Boss der Stadt, zu befreien, ansonsten explodieren in Snakes Körper zwei implantierte Minibomben.
Das bemerkenswerteste an „Escape from New York“ ist mit Sicherheit die gänzlich freudlose, bis ins Mark düstere Inszenierung, mit der es Carpenter wieder einmal schafft, die dünne (aber spannende!) Geschichte zu verschleiern. Das in der Realität blühende Finanzviertel Manhattan verkommt zu einem hoffnungslosen Schauplatz, welcher die Hölle auf Erden sein muss, wenn es denn eine gibt. Müllüberflutete Hintergassen, völlig abgewrackte ehemalige Gewaltverbrecher, von denen manche nur in der Kanalisation hausen und anarchistische Zustände bilden ein apokalyptisches und fast surreales Szenario, in dem man sich von Anfang an unwohl fühlt. Dazu kommt die Dunkelheit, die New York zu ca. neunzig Prozent des Films umhüllt und die verhindert, dass man irgendwelche Häuserfassaden oder Gestalten genauer erkennt. Alles wirkt verschwommen und wenn im Hintergrund undefinierbare schwarze Schatten durchs Bild huschen, erinnert das fast an die Carpenter-Horrorklassiker früherer Tage. Die Sets sollten Filmgeschichte schreiben und dienten u.a. James Cameron für „Terminator“ als Vorbild
Inmitten dieses Chaos ist es nur logisch, dass Snake Plissken ebenso gefühlskalt zur Sache geht wie die Gegenseite. Selber von der hinterlistigen Staatsgewalt zum Erfolg gezwungen, erzwingt er eben diesen durch manchmal rohe Gewalt. Plissken ist kein Mann großer Worte, doch er kann verdammt entschlossen zur Sache gehen, wenn es die Situation erfordert. Diese Attribute zeichnen einen Actionhelden aus und Snake ist einer der berühmtesten der Filmgeschichte, da gibt es gar keine Zweifel.
Obwohl er sogar den knuddeligen Ernest Borgnine mit einer Waffe bedroht, ist er sympathisch, weil er in seiner Situation die ärmste Sau auf Erden ist und im Grunde genommen auch gegen die arroganten Leute aus den höheren Ämtern kämpft, die ihn erst in diese Lage gebracht haben. Das überraschende Ende grenzt schließlich an Zynismus und passt genau zur Figur Snake Plisskens.
Geradlinig, düster und hochspannend – diese Attribute beschreiben „Die Klapperschlange“ wohl am treffendsten. John Carpenter lieferte hiermit einen atmosphärischen Genreklassiker ab, zu dem er erneut den Soundtrack selber komponierte, der aus einfachsten Synthesizer-Klängen besteht, aber einem eine Gänsehaut nach der anderen über den Rücken jagt. Mit einfachsten Mitteln maximale Wirkung erzielen – dieses Metier beherrschte Carpenter schon immer und anhand „Escape from New York“ kann man sich prima ein Bild davon machen. Ein zeitloser Klassiker, dem man sein Alter kaum ansieht, das erst richtig deutlich wird, wenn man bedenkt, dass mit van Cleef, Borgnine und Pleasence bereits drei Akteure verstorben sind. Damals wie heute geradlinig und megaspannend!