Damals in der Zukunft ist die Kriminalitätsrate in den USA derart angestiegen, dass man Manhattan zur Gefängnisinsel umgebaut hat. In die sich dort aufgebaute dystopische Gesellschaft stürzt das Flugzeug des Präsidenten mit diesem und einer Kassette, welche wichtige Informationen enthält. Beides soll der Sträfling Snake Plissken wiederbeschaffen – der Beginn einer Odyssee durch eine meist finstere und bedrohliche Kulisse. Diese ist letztlich der Star des von John Carpenter inszenierten Thrillers mitsamt ein paar SciFi-, Western- sowie Horrorelementen, heute längst ein Klassiker des 80er-Kinos.
Die verlotterte Szenerie ist stark aufgebaut mit Häuserschluchten voller Wracks, brennender Ecken, Müll. Bevölkert von feindseligen bis durchgeknallten Subjekten baut Carpenter hier eine Welt im Endzeitmodus, eingebettet in die sie umgebende Zivilisation. Und solange es dunkel ist, wirkt das einnehmend und atmosphärisch. Das mal herrschende Tageslicht raubt der Präsentation diesen Charme, stellt aber glücklicherweise nur ein kurzes Intermezzo dar.
Durchgehend unterhaltsam sind die Figuren. Der im Zentrum stehende Snake Plissken wird von Kurt Russell wortkarg und grummelig verkörpert. Dazu kommen einige bekannte Gesichter wie Donald Pleasance, Lee Van Cleef, Tom Atkins, Harry Dean Stanton, Ernest Borgnine und Adrienne Barbeau, die allesamt das Szenario bereichern. Den quasi-Herrscher der Insel gibt Isaac Hayes, als Antagonisten kann man ihn aber gar nicht bezeichnen.
Denn es gibt keine Helden in diesem Film. Auf keiner Seite, in keiner Position verdingen sich hier „gute“ Menschen, die Welt ist auf beiden Seiten der Mauer unanständig. Auch Plissken trägt nicht dazu bei, dies zu ändern, als bestenfalls Antiheld bleibt er in seinem Nihilismus dennoch am ehesten die Figur, der man folgen möchte.
Der Score von Carpenter und Alan Howarth bietet ein stimmungsvolles Hauptthema und liefert auch sonst die passende Hintergrundbeschallung. Auch die Effekte sind trotz des Alters noch ansehnlich und brechen die Atmosphäre nicht. Audiovisuell ist „Escape from New York“ ein gelungenes Abenteuer, inszenatorisch gibt sich der Film größer als er ist. Was letztlich gut funktioniert, solange man keine Fragen stellt.
„I thought you were dead.“
Mit seiner meist finster bebilderten Mischung liefert John Carpenter einen atmosphärisch dichten Thriller in sehr ansehnlichen Kulissen. Die verwahrloste Welt auf beiden Seiten der Mauer bietet mit der aus der Hauptfigur strömenden Kälte ein audiovisuell ansprechendes Abenteuer und einen kultigen Genremix aus den frühen 1980ern, den man auch heute noch genießen kann.