Amerikas Underground-Kino der 60/70er Jahre besitzt gleich drei Könige: H. G. Lewis, den King of Gore; John Waters, den King of Puke - und Russ Meyer, den King of Boobs. Was also wäre eine Filmesammlung, die den Anspruch besitzt, die tiefsten Tiefen cineastischer Abgründe auszuloten, ohne einen Russ Meyer-Film? Zwar erinnere ich mich nur sehr vage an den ersten Meyer-Streifen, den ich gesehen habe (das muß irgendwann im Nachtprogramm bei RTL gewesen sein...), aber eins weiß ich: Ich war überwältigt und völlig überfordert von diesem überdrehten, mit Sex, Gewalt und skurrilem Humor vollgestopften Machwerk. Heute, fast zwölf Jahre nach dem ersten Kontakt mit dem Meister, schob ich Megavixens (aka Up!) in den DVD-Player, ohne so recht zu wissen, was mich erwarten würde, denn das Cover der französischen DVD sieht aus wie ein durchschnittlicher 70er-Softporno, und auch der unsägliche deutsche Titel "Drüber, drunter und drauf" erinnert eher an Bahnhofskino und Ruhrpott-Sexklamotten. Aber was soll ich sagen: Megavixens ist ein verdammt großartiger Film! Gleich die Eröffnungsszene trieb mir die Freudentränen in die Augen: Adolf Schwartz (= Deutschlands größter Totalausfall persönlich, komplett mit Bärtchen und fiesem deutschen Akzent) lässt sich in seinem privaten S&M-dungeon von einigen Lustsklaven peitschen, mißhandeln und v...erwöhnen, wird jedoch im anschließenden Entspannungsbad auf perfide Art und Weise aus dem Leben katapultiert. Der Rest des Filmes beschäftigt sich nun mehr oder weniger mit der Frage, wer der Mörder des Herrn Schwartz ist; Kitten Natividad fungiert hierbei als (stets nackter und tittenwedelnder) "griechischer Chor", der die "Nachforschungen" kommentiert und dabei ständig von irgendwem irgendwie flachgelegt wird.
Die Handlung selbst geht eigentlich auch genauso weiter: Der Star des Films, Margo Winchester, joggt als Einführung in die Story mit nur schlecht verhülltem Mammut-Busen eine Landstraße entlang, wird fast vergewaltigt und findet, nachdem sie den Typen ziemlich professionell umgelegt hat, Schutz und Befriedigung in den Armen des notgeilen Sheriffs Homer (super!), der ihr auch eine Anstellung im örtlichen Diner besorgt. Was folgt ist ein Reigen von (s.o.) Sex, Gewalt und skurrilem Humor, und irgendwann erfährt man wohl auch, wie und durch wen Adolf Schwartz umgebracht wurde, aber das ist einem eigentlich völlig egal, weil man viel zu sehr gefesselt ist von dieser Schlägerei, bei dem Mrs. Winchester ihren Kontrahenden mit einem Dildo verprügelt, von der Kettensägenszene (die ziemlich ordentlich abgeht!), von diversen cat fights und dem Amok laufenden Holzfäller.
Dabei vergeht kaum eine Sekunde ohne einen close-up eines oder mehrerer weiblicher Geschlechtsteile, Brüste, die durchs Bild wedeln, oder Sex-Szenen, bei denen man eher ans Profi-Wrestling denkt.
Sehr überdrehter, lustiger und unglaublicher Film vom Herrn der Brüste, der nicht unbedingt jedermanns Geschmack sein mag, aber gewiss das Herz eines jeden Trash- und Sleaze-Freundes höher schlagen lässt.