Zehn Jahre nach „Kentucky Fried Movie“ machte sich John Landis an die Quasifortsetzung „Amazon Women on the Moon“, diesmal ohne die ZAZ-Drehbuchautoren, aber mit Regieunterstützung von Joe Dante, Carl Gottlieb, Peter Horton und Robert K. Weiss.
Wo „Kentucky Fried Movie“ in erster Linie Strukturen des Kinos nachahmte, da nimmt sich „Amazon Women on the Moon“ das Fernsehen vor. Hauptelement ist die Ankündigung des intradiegetischen „Amazon Women on the Moon“, eines fiktiven 1950er-Sci-Fi-B-Movies, das immer wieder durch das Zapping zu verschiedenen anderen Filmen, Werbespots und Shows unterbrochen wird, die von den verschiedenen Regisseuren als munter Sketchparade mit wechselnder Qualität inszeniert werden.
Gerade das „Amazon Women on the Moon“-Segment macht zwar ganz witzig die Eigenheiten der Vorbilder nach, hat aber sonst nicht so viel zu bieten, was dann aber das immer wieder erfolgende Reinschalten in verschiedene Segmente des Films nicht besser macht. Die wohl stärkste Episode ist „Bullshit or Not“, in der Henry Silva den Moderator einer Aufklärungs- und Sensationsshow gibt, der nun die steile These vertritt, dass es sich beim Ungeheuer von Loch Ness und Jack the Ripper um das gleiche Wesen handeln könnte, was der Film in herrlich wörtlich genommenem Reenactment im Hintergrund noch einmal durchspielt.
Klasse auch das Leben eines armen Tropfes, das erst in der Art einer Filmkritik auseinandergenommen wird, was dem Betreffenden einen tödlichen Herzinfarkt verpasst, und die anschließende Beerdigung, die im Stile eines klassischen Comedy-Roast inszeniert ist: Die Trauerredner machen sich andauernd über den Verstorbenen lustig, wobei das sonst so ernsthafte Szenario der Beerdigung durch die Respektlosigkeit der Sprüche herrlich gegen den Strich gebürstet wird. Amüsant-absurd auch das Videodate, in dem Andrew Dice Clay als Brutalo so richtig vom Leder ziehen darf, sowie die Geschichte eines jungen Mannes, der unerkannt Kondome kaufen will, aber ausgerechnet der Jubiläumskäufer ist und der Kauf somit überall groß herausposaunt wird. Vereinzelte Auftritte von Don ‘No Soul‘ Simmons (David Alan Grier), der als schwarzer Sänger am liebsten schnulzige bis behämmerte Songs trällert (größter Brüller: „Jeremiah was a bullfrog“, herrlich trocken präsentiert). Er ist Teil eines Segments namens „Blacks without Soul“, in dem das Klischee des stets auf Soul und Jazz bedachten schwarzen Amerikaners auf die Schippe genommen wird: Die hier präsentierten Menschen wählen sogar Republikaner – also jene Menschen, die Schwarze gerne mit oben genanntem Klischee über einen Kamm scheren.
Leider kommen nicht alle Sketche an das Niveau der Highlights heran: Die Parodie „Son of the Invisible Man“ um jemanden, der sich für unsichtbar hält, es aber nicht ist, verschießt ihr Pulver schnell, da sie stets den gleichen Gag wiederholt, die „Reckless Youth“-Episode ahmt ähnlich wie „Amazon Women on the Moon“ eher nach als wirklich zu parodieren und diverse Werbespots um Penthouse-Mädels und ähnliche Scherze zünden ähnlich wenig wie überlange Slapstick-Exposition, in der ein von der Arbeit Heimkehrender (Arsenio Hall) sich und seine Wohnung zerlegt, da jedes Haushaltsutensil eine schwerwiegende Macke hat. Manches ist okay, etwa die Episode um den windigen Aufreißer Jerry (Steve Guttenberg), der beim Date mit Karen (Rosanna Arquette) feststellen muss, dass man sein früheres Date-Verhalten wie eine Strafakte festgehalten hat, einiges auf alberne Weise nett (die Videopiraten), aber tatsächlich schwankt die Qualität der einzelnen Segmente sehr.
Immerhin stimmt aber die Mixtur: Weniger witzige Episoden wechseln sich mit umso komischeren ab, sodass die Balance gehalten wird und „Amazon Women on the Moon“ als Gesamtwerk nie zu große Längen hat. Das mag in der Summe nicht begeistern, amüsante Nonsens-Unterhaltung wird aber dennoch geboten.