Es gibt nicht allzu viele Aspekte, die den südafrikanischen Rachethriller von Autor und Regisseur Alex Yazbek von bereits bekannten unterscheidet. Vielleicht die Erkenntnis, dass Rache immer noch mehr Opfer fordert und dass man im Sinne der Gerechtigkeit rasch in ein moralisches Dilemma geraten kann.
Für Zach, der seinen siebenjährigen Sohn im Auto kutschiert, ist es beinahe eine Erholungsfahrt. Bis es nach einem Crash zum Handgemenge kommt und eine Kugel seinen Sohn lebensgefährlich verletzt. Nachdem die Justiz in seinen Augen versagt, nimmt Zach die Schuldigen selbst ins Visier…
Es ist nicht jener Racheakt, bei dem der Vater zur rasenden Bestie mutiert. Yazbek lässt es eher ruhig angehen und ist von Beginn an auf Zach fokussiert, der in der Eingangssequenz bei strömenden Regen Schutz an einer Haltestelle sucht. Bis es überhaupt zum tragischen Zwischenfall kommt, wird vor allem das Verhältnis zum Sohn thematisiert, danach richtet sich das Interesse auf die Trauer, die sich in Wut kanalisiert.
Doch auch während der Rachephase wird der zurückhaltende und zugleich düstere Ton beibehalten. Undurchsichtige Schauplätze wie diverse Schrottplätze wechseln sich mit kontrastreichen Lokalitäten wie Wohnhaus oder Präsidium ab und auch der Score hält sich bei alledem auffallend zurück. Gleiches gilt für die Hauptfigur, welche zum Teil recht unüberlegte Aktionen ausübt, welche unweigerlich die durchtriebenen Gegner auf den Plan rufen. Jene bleiben allerdings so oberflächlich gezeichnet wie einige Randfiguren.
Selbst Zachs Frau verkommt in gewisser Hinsicht zum Synonym für Trauer und Hilflosigkeit und obgleich es unter einem ermittelnden Copduo einen Haken gibt, wird auch dieser Aspekt allenfalls am Rande eingebaut. Was auf Dauer immer deutlicher abhanden kommt, ist eine antreibende Dynamik, ein Weiterkommen auch auf emotionaler Ebene. Genau dieser Punkt erhält erst während des Showdowns eine ambivalent anmutende Sequenz, während der Rest des Vergeltungsaktes in komplett erahnbaren Bahnen abläuft.
Gerechtigkeit, Schuld und Verantwortung sind die großen Themen, die bei einem solchen Unterfangen bisweilen mitschwingen und hier einen Schwerpunkt im Zusammenhang mit der Hauptfigur bilden. Daraus erwächst eher wenig Action und auch der Thrill hält sich in Grenzen. Einige emotionale Momente sind Dank durchweg überzeugender Darstellerleistungen mitzunehmen, doch als reiner Rachethriller funktioniert „180“ nur sehr bedingt.
5,5 von 10