Nach seinen vier schwarzweißen, eher dramatischen Sex-and-Violence-Pulp-Streifen kehrte Russ Meyer zu etwas „Leichterem“ zurück und präsentiert mit „Mondo Topless“ einen so inhalts- wie dramaturgielosen Pseudo-Dokumentarfilm, in dem er eine Stunde lang nackte Striptease-Tänzerinnen „porträtiert“. Dass diesem Machwerk so ziemlich alles abgeht, was seine vorherigen Streifen zumindest interessant gemacht hatte, lässt es allerdings zu kaum mehr als einer Fußnote in seinem Oeuvre verkommen.
„Mondo Topless“ hat inhaltlich wirklich und wahrhaftig gar nichts zu bieten. Unter dem Motto, die beeindruckendsten und verführerischsten Frauen zu zeigen, die der mittlerweile berüchtigte Sexfilm-Regisseur und ehemalige Playboy-Fotograf finden konnte, werden eine Reihe von Tänzerinnen vorgestellt, die den gesamten Film über nichts anderes tun als nackt oder fast nackt zu tanzen und aus dem Off dümmlich-bedeutungslose Kommentare abzugeben. Die vollen 60 Minuten lang geschieht hier einfach gar nichts – man sieht einer Frau nach der anderen bei ihren „Ausdruckstänzen“ zu und staunt über die Banalitäten, die sie zum Besten geben sollen, etwa, dass sie manchmal mehr und manchmal weniger Lust aufs Tanzen haben oder dass sie glauben, langsames und sinnliches Tanzen gefalle Männern. Dazu gibt es immer wieder kurze Zwischenschnitte auf Radios, die an den absurdesten Schauplätzen neben den Tanzenden stehen, um zu suggerieren, die endlos dudelnde 60er-Jahre-Easy-Listening-Popmusik käme von dort und sei nicht nachträglich im Tonstudio eingefügt worden. Diese wahnwitzig repetitive Sinnlosigkeit wird schon nach kaum einem Viertel der Laufzeit unerträglich, sodass es sich hierbei vielleicht um den sich am längsten anfühlenden 60-Minüter der Filmgeschichte handelt.
Dabei könnte man anfangs noch denken und hoffen, der Film schlage eine ironisch-verquere Richtung à la Meyers Frühwerken „Eve and the handyman“ oder „The immoral Mr. Tease“ an, wenn gleich zu Beginn der erste Nackedei am Steuer eines riesigen Autos durch die Straßen von San Francisco cruist, die berühmten Hügel auf und ab und durch Tunnel fährt und diese „Akte“ vom Off-Kommentator ob ihrer sexuellen Metaphorik entsprechend lasziv begleitet werden. Auch die Auswahl der Drehorte verrät einen gewissen Hang zum Irrealen – wenn etwa eine Dame mitten in der Wüste direkt neben einer eingleisigen Bahnschiene tanzt, auf der ein riesiger Güterzug vorüberdonnert.
Doch es wird ziemlich schnell deutlich, dass diese Ansätze ob eines Voyeurismus aufgegeben werden, der in seiner unfassbaren Plattheit und Dümmlichkeit seinesgleichen sucht. Die immer gleichen Bewegungen der tanzenden Frauen werden schnell so eindimensional, dass es gegen Ende schon wie eine herrliche Abwechslung wirkt, wenn eine Dame mal eben nackt im Pool schwimmt und dabei von einer Unterwasserkamera aufgenommen wird. Dass ausgerechnet ein inhaltlich so vollkommen leerer Film rein technisch hochwertiger wirkt als die meisten von Meyers früheren Werken – die Farbaufnahmen sind zwar wegen ihres Alters etwas grobkörnig, verraten aber eine durchaus souveräne Technik für den damaligen Stand, ebenso wie Beleuchtung und Ausstattung – ist schon pure Ironie.
Interessant ist „Mondo Topless“ höchstens noch aus historischer Perspektive: Es ist schon spannend zu bemerken, wie grundlegend sich filmische und erotische Ästhetik seit seinem Entstehungsjahr 1966 geändert hat. Sollte das eher zappelige, eckige, schnelle Tanzen, das die allermeisten Damen hier vorführen, tatsächlich dem Striptease-Tanzen der damaligen Epoche entsprechen, ist das Lichtjahre von den lasziven Bewegungen und Inszenierungen entfernt, die es heutzutage für erotische Produktionen benötigt. Auch die Vorstellung dessen, was ein attraktiver weiblicher Körper ist, hat sich offensichtlich in einigen Aspekten geändert, auch wenn man hier natürlich Meyers Vorliebe für teilweise absurd große Brüste bedenken sollte.
Insgesamt bietet „Mondo Topless“ also als eine Art Zeitkapsel immerhin einen leidlich interessanten Blick in Ästhetiken erotischer Inszenierung vergangener Epochen, kann filmkünstlerisch aber wirklich gar nichts liefern – etwas so Inhalts- und Bedeutungsloses ist selbst für einen so viel geschmähten Schund-Regisseur ein Armutszeugnis.