Mit Klettern in den Bergen als auch mit Jagdszenen kennt sich der gebürtige Isländer Baltasar Kormákur aus: 2015 kam „Everest“ heraus, 2022 konnte man die Jagd eines Löwen in „Beast – Jäger ohne Gnade“ verfolgen. Für seinen Survival-Thriller zog es ihn hingegen ins australische Hinterland.
Nachdem ihr Partner vor fünf Monaten beim Klettern in den norwegischen Bergen tödlich verunglückte, zieht es die Abenteuerin Sasha (Charlize Theron) ins Outback, wo sie sich mit dem Kajak am Rafting versucht. Hier trifft sie auf Ben (Taron Egerton), welcher sich rasch als Psychopath entpuppt und eine Menschenjagd in der Wildnis anzettelt…
Bei der Konzentration auf eine Zweierkonstellation ist die Besetzung natürlich nicht unerheblich und diesbezüglich ist Kormákur ein Volltreffer gelungen. Obgleich den Hauptfiguren nicht allzu viel Tiefe eingeräumt wurde, überzeugen Theron und Egerton mit viel Präsenz und sorgen mit glaubhafter Mimik und vor allem physischer Präsenz für einige intensive Momente.
Diese setzen bereits mit der Exposition an der Trollwand in Norwegen ein, der höchsten Steilwand Europas. Die effektive Kamera bringt das wahnwitzige Unterfangen binnen weniger Einstellungen auf den Punkt und schon hier deutet sich ein Überlebenskampf an, bei dem jeder Handgriff und jede Positionierung des Fußes einen tödlichen Schritt nach sich ziehen kann.
Nach einigen bösen Vorzeichen, - Rednecks an einer Tankstelle zählen zweifelsohne dazu, geht es ins Kajak und einige Stromschnellen herab und auch hier offenbart sich eine gut gefilmte Action, wo es zwischen Felsen und Wasserfällen sprichwörtlich reißerisch zugeht.
Dazwischen nimmt man sich immer mal wieder eine kurze Atempause, um die grüne Umgebung zu durchleuchten, während die wenigen Dialoge zwischen den Kontrahenten zu den eher schwach ausgearbeiteten Aspekten der Geschichte zählen.
Insofern erhält man nur wenig Background zur Motivation des Jägers, der sich durchaus eine Weile gekonnt verstellen kann, um sein potenzielles Opfer in Sicherheit zu wiegen. Auch über Sasha erfährt man nicht mehr als jene noch frische Traumabewältigung, welche immerhin in der Lage ist, den Jähzorn von Ben in gewissen Situationen zu besänftigen.
Entsprechend geht die Hatz weiterhin durchs Wildwasser, einmal mehr wird das Überwinden einer Steilwand gefordert und zuweilen gilt das buchstäbliche Motto „mit gehangen, mit gefangen“. Sonderliche Überraschungen sind im Verlauf nicht zu erwarten und speziell das Finale fokussiert sich auf das, was das Intro bereits nahe legt. Hin und wieder sind kleine Härten eingebunden, doch auch diesbezüglich schlägt man nicht über die Stränge.
Mithilfe eines treffsicheren Scores, eines insgesamt guten Timings und zwei überzeugenden Hauptdarstellern gelingt Kormákur ein solider Genrebeitrag, der mit gutem Tempo innerhalb einer einfachen Handlung zur Tat schreitet. Ein paar kreative Wendungen oder unerwartete Einwände hätten dem Treiben zwar nicht geschadet, doch innerhalb der 95 Minuten bringt der Stoff sein simples Anliegen treffend auf den Punkt.
7 von 10