Russ Meyers direkter Vorgängerfilm ist zu großen Teilen eine konsequente Antithese zu seinem berühmt-berüchtigten Streifen „Faster, Pussycat! Kill! Kill!“: drei Männer, die sich mit rücksichtsloser Brutalität nehmen, was sie wollen – ob Autos, Waffen oder Frauen – dazu ein mutiger Tierarzt, der sich an ihnen für die Vergewaltigung seiner Frau rächen will, und eine eher unwillig in die Geschichte hineingezogene Amüsierdame auf dem Weg nach Las Vegas (verkörpert von Haji, die dann im späteren Film die Fronten wechseln durfte). Fertig ist ein kurzweiliger, aufs Nötigste reduzierter, grober und bestens unterhaltender Pulp-Streifen.
Die Schwächen bleiben dabei weitestgehend die gleichen wie in den allermeisten Meyer-Werken: eine Story, die kaum mehr als die allernötigsten Elemente beinhaltet, die nötig sind, um einige grobe Menschen aufeinander loszulassen; flache Charaktere, die keinerlei Hintergrund oder tiefere Charakterisierung bekommen, sondern nur für die geradlinige Entwicklung der Konfrontationen da sind; fragwürdige bis unglaubwürdige Detailumsetzungen in Handlungen der Figuren und Storyfortführungen; und sichtlich überschaubare Mittel für Kulissen, Ausstattung und Settings.
Dass diese Story um Gewalt und Gegengewalt keine nennenswerte Tiefe erreicht, sollte natürlich bei einem Russ-Meyer-Streifen nicht sonderlich überraschen. Etwas erstaunlicher ist da schon die Tatsache, dass es sich bei „Motorpsycho“ tatsächlich um einen reinen Gewaltstreifen handelt – Sex und nackte Haut bleiben hier weitestgehend im Hintergrund. Und auch die Anlage der Figuren sagt wieder einiges über Meyers' unkonventionelles Verständnis von Geschlechterrollen aus: Die Männer sind brutal und egoistisch, leben ihre Sexualität entweder mit Vergewaltigung aus oder gar nicht (es ist schon erstaunlich, wie oft in Meyers' Filmen, der immerhin als legendärer Name für Soft-Sex-Streifen gilt, Männer auftauchen, die Avancen hochattraktiver und williger Damen unwirsch ausschlagen). Die wenigen Frauen bleiben hier dabei eher unterwürfig und großteils hilflos – bis auf Haji, die immerhin eine große Klappe haben darf und sich in einer dramatischen Kampfszene gegen einen der drei Brutalos drastisch zur Wehr setzt. Ansonsten dominieren simple, aber effektive Kampfsequenzen und eher plumpe sexuelle Anspielungen – wenn etwa der Tierarzt von einer Schlange gebissen wird und seine Begleiterin eher unfreiwillig das Gift aussaugt, alles unter seinen Schreien: „Saug es aus! Saug es aus!“
Was „Motorpsycho“ bei aller Plattheit so unterhaltsam macht, ist eben diese Konzentration auf die wichtigsten Elemente ähnlich gelagerter Crime- und Gewaltwerke. Es gibt eine Gruppe klarer Antagonisten, die besiegt werden sollen (obwohl es schon ein interessantes Element ist, dass einer der drei, der sich auch bei den Gewalttaten eher zurückhält und lieber Radio hört als zu vergewaltigen, bei seinem Versuch, sich von der Gruppe abzunabeln, von den eigenen Verbündeten liquidiert wird), ein durch die Umstände zusammengewürfeltes Duo anständiger Kämpfender für Gerechtigkeit und eine Verfolgung, die den Großteil des Films einnimmt und in einem Duell auf Leben und Tod in der Wüste gipfelt. Überhaupt gefallen die Wüstenaufnahmen hier sehr gut: Meyer inszeniert die lebensfeindliche Umgebung mit einer Beiläufigkeit, die alle Handlungen in dieser Gegend glaubwürdig und spannend macht, auch wenn die Dramatik eines mit leerem Tank mitten im Nirgendwo liegen bleibenden Autos nicht so ganz vermittelt wird. Dennoch: Das finale Duell zwischen kargen Felsen und Wüstensand, mit Gewehr und Dynamit, kann absolut fesseln und ist ein würdiger Höhepunkt für einen so doch eher überschaubar inszenierten Film.
Auch wenn es an Spektakulärem und Ungewöhnlichem definitiv Erwähnenswerteres in Meyers Oeuvre gab (zum Beispiel direkt den grandiosen Folgefilm), einige Szenen durch ihre allzu ungelenke Umsetzung irritieren (etwa eine Szene, die offensichtlich bei hellem Tageslicht gedreht wurde, hinterher aber als nächtlich behauptet wird) und weder die Figuren sonderlich differenziert noch die Darstellendenleistungen eindrücklich sind, kann „Motorpsycho“ als typischer 60er-Jahre-Gewalt-Pulp mit geradliniger Handlung und gelungenen Höhepunkten trefflich unterhalten. Und mit kurz angerissenen Andeutungen auf so (damals) aktuelle wie kontroverse Themen wie den gerade startenden Vietnamkrieg oder die zynische männliche Unterstellung, vergewaltigte Frauen könnten die Tat auch selbst provoziert haben, bietet er dann doch noch kurze Hinweise darauf, wie bewusst Meyer seine Werke in der aktuellen Gesellschaft verankert. Für Fans trotz wenig nackter Haut einer seiner besseren Filme.