Ein korrupter Cop, ein alter Drogenboss, ein mysteriöser Gegner, ein mexikanischer Handlanger – und eine Reihe großbusiger, promiskuitiver Damen, die allen zur Verfügung stehen: Aus diesem Personalmix macht Russ Meyer in seinem Film „Cherry, Harry & Raquel“ (auch bekannt unter dem Titel „Megavixens“, wohl eine Anspielung auf den enorm erfolgreichen „Vixen!“) die Agierenden einer ebenso freizügigen Sex- wie blutig-brutalen Gangstergeschichte. Wie üblich ist das stumpfsinnig, platt und billig gemacht – allerdings auch kreuzunterhaltsam!
Einmal mehr bleibt die Story dünn wie ein Blatt Papier: Irgendwie geht es darum, dass der Cop (intensiv-unsympathisch von Charles Napier verkörpert, der hier ordentlich blank ziehen darf) den mysteriösen Gegenspieler seines Drogenbosses ausschalten will. Dabei wird er aber immer wieder von seinen diversen Freundinnen aufgehalten, die ihn zu einem Schäferstündchen nach dem anderen einladen – wenn sie nicht gerade mit allen anderen Beteiligten in die Kiste hüpfen. Gelegenheit für nackte Haut gibt es hier also wieder reichlich, im Gegensatz zu früheren Filmen und ähnlich wie bei „Vixen!“ darf es hier nun aber tatsächlich auch ausufernde Sexszenen geben, die wieder einmal die Sittenwächter jen- und diesseits des Atlantiks auf den Plan riefen. Dabei ist „Megavixens“ ein rares Beispiel für wirklich gelungenes Erotikkino: So werden hier in den Sexszenen die Männer ähnlich freizügig inszeniert wie die Frauen, sodass es keineswegs den Eindruck eines plumpen männlichen Voyeurismus macht (der kommt eher in den vielen zweckfrei zwischengeschnittenen Bildern nackter sich räkelnder Schönheiten zum Tragen); zum anderen überrascht Meyer vor allem in einer lesbischen Liebesszene mit einem erstaunlichen Gespür für sinnliche Erotik und Andeutung: Da sitzen die beiden Nackten eng umschlungen in einem sich endlos drehenden Sessel und treiben Dirty Talk – das ist nicht nur künstlerisch originell, sondern tatsächlich niveauvoll erregend.
Dass Meyer auch anders kann, zeigt er dann den größten Rest des Films: Wieder einmal zögert er nicht vor einem gewissen Hauch absoluten Irrsinns, wenn er permanent völlig zusammenhanglose Szenen zwischenschneidet, die aber auch gar nichts mit dem Inhalt zu tun haben: eine nackte Frau, die mit einer Posaune auf der Schulter durch die Wüste läuft oder damit im Pool abtaucht; nackte Tänzerinnen an den unmöglichsten Stellen; und schließlich doch ein Überlappen in die Handlung, wenn der Cop unterwegs anhält und das Rad eines liegengebliebenen Autos wechselt, während dessen Fahrerin splitternackt auf dem Autodach sitzt und sich räkelt. Keine Erklärung, keine Einordnung, einfach nur der Meyersche Erotik-Irrwitz. Dazu bestehen Ein- und Ausstieg des Films aus einem beinahe stakkatohaften Schnittgewitter, das Brüste, Sex und Gewalt in irrsinnigem Tempo aneinanderreiht und von einem Erzähler aus dem Off kommentiert wird, der erst die zentralen Figuren moralisch einordnet und dann noch allerhand pseudophilosophischen Stuss absondert.
Die Story selbst bleibt hanebüchen wie immer, die Darstellenden gehören bestenfalls zum schauspielerischen B-Personal, auch wenn Napier und Frank Bolger als abstoßende Ekelpakete ordentlich fesseln können. Die Dialoge – ganz besonders die bemüht erotischen Vorspiel-Scharmützel – wirken überaus steif und hölzern. Und doch kann „Megavixens“ bestens unterhalten: dank seines irrsinnigen Inszenierungsstils und der gelungenen Mischung aus sehr viel Sex und Nacktheit und einer ordentlichen Prise derber Gewalt. So viel grellrot spritzendes Kunstblut hat es bis dahin noch nicht gegeben bei Meyer, und mehrmals gibt es erstaunlich packende Action- und Kampfsequenzen, in denen er einmal mehr sein Können unter Beweis stellt, günstigste Produktionsbedingungen nach deutlich mehr aussehen zu lassen. Und im einleitenden Monolog gibt es sogar eine politische Breitseite gegen die Anfeindungen seitens konservativer Moralwächter, die sanft die vierte Wand durchbricht. Alles in allem kann man also sagen: „Megavixens“ ist bestes Meyer-Kino, vollgestopft mit Nacktheit, Sex, Gewalt und aberwitzigen Ideen. Das sind 70 Minuten pure, dreckige, geradlinige Unterhaltung!